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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 20)
Language
German
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902 litischen Gemeinde, die Herren M. Midowski und Ehrenfricd fuhren dcnl Ankonrmenden bis Miloslaw entgegen. Auf dem Bahnhofe Hierselbst hatten sich die Repräsentanten der Gemeinde eingefunden uub begrüßten ihren Seelsorger. In der Stadt angelangt, begaben sich der Rabbiner und die Festtheilnehntcr in die kleine Betschule, woselbst die Vesperandacht abgehalten wurde. Von hier aus bewegte sich der Zug nach dem Tempel. Voran schritten zwei Mitglieder des Empfangskomites; hinter denselben die Ehrenberren, die heiligen Gesetzrollen tragend, und dann der Rabbiner, ihm zur Seite der Gemeinde- Vorsteher. Den Schluß bildeten die Repräsentanten und Vorstände der hier bestehenden Vereine. Von der kleinen Betschule bis zum Tempel war eine Triumphpforte erbaut, welche mit Tannengrün, Lampions und Transparenten geziert war. Am Eingänge des Tempels prangte ein Willkonnnengrnß, in hebräischen Worten ausgedrückt. Beim Eintritte in den Tempel begrüßte die Jugend ihren Lehrer durch einige Lieder. Im Gange bis zum Allerheiligen hatten die Ehrengäste zur rechten und linken Seite ihre Plätze eingenommen. Der Tempel war gedrängt voll, und das massenhafte Grün verlieh dem Gotteshanse einen prächtigen Anblick. Der Gemeinde-Vorsteher begrüßte sodann namens der Gemeinde den Prediger und Lehrer und führte ihn an seinen Sitz. Herr Dr. Lewin bestieg die Kanzel, richtete Dankesworte an seine Gemeinde und entrollte in markigen Worten das Programm eines wirklichen Geistlichen der Gemeinde. Die in jeder Art und Weise formvollendete Rede machte sichtlichen Eindruck ans die andächtigen Zuhörer; sie schloß mit einem Gebet für die engere Gemeinde, die Stadt und ihre Bewohner, das Gesammt-Vaterland und den Lenker der Geschicke des Reiches. Nachdem noch das Abendgebet verrichtet und ein Lobgesang angestimmt worden war, verließ die große Menge das Gotteshaus. Abends hatten sich die Vertreter der Gemeinde, die Ehrengäste und eine große Anzahl Bürger im Rauer'schen Saale zu einem Festessen vereinigt. Das Hoch aus den Kaiser brachte Herr Gemeinde-Vorsteher Miodowski aus, welches in die Nationalhymne ausklang und an dem sich alle Anwesenden lebhaft betheiligten. Bei Tische reihten sich dann noch zahlreiche ernste uub heitere Toaste an. Gestern hielt Herr Dr. Lewin die Antrittsrede. Die Synagoge war bis aus den letzten Platz gefällt. Die Rede war in der Form wie tut Inhalte gleich meisterhaft und große Begeisternitg ließ sich aus bcn Zügen der andächtigen Zuhörer erkennen. — H. W. Oe sterr. - Ungar. Monarchie. Brünn, 6. Juni. In der heute dieser Tage hier abgehaltenen Hauptversammlung des deutschen Schulvereines rief eine erregte Debatte der Antrag der antisemitischen Vertreter hervor, den Ortsgruppert das Recht einzuräumen, selbstständig über die Attsnahnte von Mitgliedern zu entscheiden, wodurch Juden von der Mitgliedschaft altsgeschlossen werden können. Die Vereinsleitung beantragte Ablehnling des Alttrages, da sonst sofort ein großer Theil der Vereinsmitglieder austreten würde. Der frühere deutschnationale Abg. Dr. Kaniak sagte, der Antrag werde solange wiederholt werden, bis er angenommen würde. Dr. Steinwender drohte im Falle der Ablehnung mit der Auflösung einer Anzahl Ortsgruppen. Professor Schwarz führte ans, der Antrag bedeute Beunruhigung der Thätigkeit des Schltlvereins für alle Zeiten. „Werfen Sie einfach die Juden Hinalts, und wir werden gehen. Bevor wir aber gehen, zeigen Sic durch Arbeit itnd Opfer, daß Sie uns ersetzen können." Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit 675 gegen 305 Stimmen abgelehnt. Frankreich. Paris. Allmählich kommen genauere Nachrichten aus Algier über die letzten Kravalle in Constantin, die hier gelegentlich der Munizipalwahlcn dort gegen die Judelt stattgesunden haben. Leider ist dabei auch Blut geflossen und ein Christ Namens Grassert ist verwilndet worden durch die Juden, wie die Antisemiten in Algier mit ungeheuren Lärm betonelt. Aber sie vergessen dabei eins, ltämlich, daß auch ans jüdischer Seite eine Menge Verwundungen vorgekommen sind, da man auf die Juden förntlich Jagd gemacht hat. Mehr als 50 sind beschädigt worden, darunter 10 Frauen und 8 Greise und die Juden waren schließlich in der Nothwehr gezwungen nach jeder Waffe zu greiselt, um sich ihrer Feinde zu erwehren. vermischtes. Paris. Heute tritt wegen Erreichung der Altersgrenze Generalinspektor der Küstcnverthcidigung, Divisionsgcneral H in st in, in die Reserve Nach dem Abgang der Generale Lee, Levv und Lambert tvar Hinstin einer der letzten jüdischen Generale des französischen Heeres. Gleichenberg. Dieser berühmte steiermärkische Eurort erfuhr für die heurige raison eine erfreuliche Bereicherung. Herr D. Tritsch hat dort einen großen Grundbesitz mit zwei eonckortable eingerichteten Villen u. zw. »Hungaria mit Dependerrce Wilhelmshof" käuflich erworben und zu einem fashionablen Hotel verbunden. In demselben befindet sich eine rituelle Restauration ersten Ranges Comfortable Einrichtung, schönste Lage, prachtvolle Fernsicht sichern einen äußerst angenehnren Aufenthalt.

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