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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ppp! 893 ragende Glaubensgenossen aus allen Theilen Deutschlands ernfinden, sodaß sehr interessante Verhandlungen in Aussicht stehen. Jeder Israelit ist berechtigt derselben beizuwohnen. O e sterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 10. Juni. Herr Rabbiner Dr. Lipschitz, der bereits während der Krankheit des Herrn Ignaz Reich, des früheren Leiters der Kanzlei der „orthodoxen Durchführungscommission", die Führung der Geschäfte besorgte, hat an die Cultusgemeinden ein Schreiben gerichtet, in welchem er erklärt, daß er die provisorische Leitung bis zur endgiltigen Lösung der Präsidentenfrage beibehalte. Der ungarische Cultns- und Unterrichtsminister hat der Kanzlei aus Anlaß des Ablebens des Herrn Reich eondolirt. Krakau, 4. Jmn. In der gestrigen Abendsitzung des hiesigen Gemeinderathes verlas der Bürgermeister eine Erklärung des Landesschulrathes, welche feftstellt, daß nach der rigorosesten Untersuchung der vom Abg. Chotkowski im Reichsrathe angeführte Fall der Ertheilung des Religions-Unterrichtes an christliche Schulknaben durch einen jüdischen Lehrer nie stattgesunden habe. Stadtrath Professor Kasparek beantragte, Chotkowski zu sofortigem Widerrufe im Reichsrathe aufzufordern. Der Gemeinderath lehnte diesen Antrag ab, da er erwartet, Chotkowski werde jetzt selbst widerrufen. Rußland. Petersburg. Der Senat hat kürzlich den Beschluß des Gouverneurs von Kiew, welcher einen! in Nokolsk bei Kiew wohnenden Juden, Namens Karakowsky verbot, sich täglich nach Kiew zu begeben, um daselbst die Hafenarbeiter zu beaufsichtigen, aufgehoben. Das Verbot war darauf begründet, daß die Art Arbeit, welcher Karakowsky obliegt, nicht zu dem Amte derjenigen gehört, welche die Juden zürn Aufenthalt in Kiew berechtigt. Der Senat hat sich dahin geäußert, daß, wenn auch der Aufenthalt in Kiew den Juden im allgenleinen untersagt, es ihnen nicht verboten werden darf, alle Tage dahin zu kommen, sobald sie außerhalb wohnen. Petersburg. In der „N. Fr. Pr." veröffentlicht Friedrich Schütz unter der Ueberschrift „Ein Tag bei Leon Tolstoi" eine Unterredung mit diesem berühmten Rüsten, in welcher Letzterer sich folgendermaßen über die Antisemiten ausläßt: „Oh! Sie meinen die Antisemiten! Ehrlich gesagt, diese Partei verstehe ich nicht, auch die Mittel nicht, die gegen sie in Vorschlag gebracht werden, zum Beispiel den Judenstaat — auch die Frauen nicht, die den Antisemiten helfen — dieselben Frauen, für deren höheren Stellung ün socialen Leben wir kämpfen, weil wir von ihrer milderen Natur einen wohlthätigen Einfluß auf die Gesellschaft erwarten. Jüngst war ein polnischer Abgeordneter des österreichischen Reichsrathes bei mir. Er wollte mir erklären daß die Antisemiten eigentlich Liberale seien, die nur die Ausschreitung des Kapitals bekämpfen wollen. „Aber die Gleichheit der Menschen?" fragte ich ihn. Daß alle Menschen gleich sind vor dem Gesetze, halte ich für ein unumstößliches Gebot. Traurig, wenn dieses Gebot im Gesetze noch nicht geregelt ist, trauriger noch, wenn dies der Fall ist und der Staat sein eigenes Gesetz unbeachtet läßt. Nach meiner Meinung hätte der Staat seine Existenzberechtigung verloren", worauf Schütz einfügte: „Man citirte jüngst ein gutes Wort von Bismarck in diesem Sinne: „La recherche de la confession est interdite.“ „Auch unser junger Kaiser Nikolaus, der immer menschenfreundlich ist und die Meinungs-Unerschrockenheit der Jugend hat, äußerte sich ähnlich. Man legte ihm die Conduite-Liste der Offiziere vor. Sie enthielt eine Rubrik über die Religion. „Was wollen Sie damit?" fragte er. „Das kümmert uns nichts, denn es ist ja ohne Einfluß auf die Conduite!" England. London. Die Feinde der fremden Einwanderung wollen sich mit den vielen Abfertigungen, die sie schon erhalten haben, noch nicht zufrieden geben, immer wieder bedrängen sie das Ministerium mit neuen Anfragen und Gesuchen, ob es denn nicht endlich die Bill gegen den Zuzug mittelloser Fremden einbringen wolle. So interpellirte wieder einmal Sir H. Vincent den Ressortminister Ritschte, was er dagegen thun wolle, daß die Einwanderung „von aliens pauper" fortgesetzt steige, so in den ersten 4 Monaten dieses Jahres um oO« >u Seelen. Er erreichte aber auch nichts weiter, als daß Ritschie ihn darauf hinwies, daß eine Vermehrung der Einwanderer überhaupt noch nicht immer ein Anwachsen der armen Fremden bedeute und sein Bedauern aussprach, daß die bewußte Bill gegen die Einwanderung wohl kaum in diesen! Jahre mit Rücksicht auf die ungünstige Geschäftslage des Unterhauses demselben vorgelegt werden könne. London. In der letzten Sitzung des Board of Leputies wurde zunächst der Präsident Sir I. Sebag Montefiore zu seiner Standeserhöhung, er ist, wie schon mitgetheilt, von der Königin von England zum Ritter ernannt, beglückwünscht, alsdann beschäftigte man sich mit der Frage, ob an den Gerichtshöfen des Londoner Ostends permanente Dolmetscher anzuüellen seien, weil die Mehrzahl der Londoner Juden immer noch geläufig allein Jargon sprechen. Diese Frage wurden einem SpezialcomitL überwiesen

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