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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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888 berg, Davidsohn-Rastenburg und Karo-Allenstein, die auf Grund des mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrages einen Lehrplan für den Siddur-llebersetzungsunterricht aufstellen sotten, der auf der nächsten Konferenz zur Berathung zu gelangen habe. Punkt zwei der Tagesordnung bildete ein Referat des Herrn Prediger Stnrmann-Osterode über die sociale und materielle Lage der jüdischen Knltnsbeamten in Ostpreußen. Die vom Redner unter dem Beifall der Versammlung aufgestellten Thesen wurden nach etur gehender Debatte und umuefentfielen Abänderungen im ganzen angenommen mtb auf Antrag des Herrn Dr. Kamnitzer hier beschlossen, den Verband der Synagogengemeinden Ostpreußen zu ersuchen, eine Kommission von Gemeindevertretern zu ernennen, die mit dem Vorstände des Lehrervereins gemeinsam die geeigneten Schritte zur Durchführung der aitfgestellten Forderungen berathen sollen. Herr Rechtsanwalt Scheu versprach die Wünsche der Lehrerschaft beim Verbandsausschusse wärmstens zu befürworten und deren praktische Gestaltung nach Möglichkeit zu fördern. Hierauf trat eine einftündige Mittagspause ein. llm 3 Uhr begannen die Verhandlungen wieder zunächst mit der Verlesung der eiugelausenen Begrüßungsschreiben resp. Telegramme. Darauf hielt Herr Oberkantor Birnbaum-Königsberg einen Vortrag über die Geschichte des Synagogengesanges in Deutschland, der durch die hochinteressanten Einblicke, die der Redner in ein noch wenig bebautes Wissenschaftsgebiet eröffuete, nicht bloß die Fachgenossen, sondern auch die anwesenden Gäste in fesselnder Spannung hielt und der znm Schluffe voll reichem Beifall begleitet wurde. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete eine Lehrprobe unseres Kalttor Karo über die Einführung in die Litllrgie, die dem Vorsitzenden der Verbandsschulinspektion, Herrn Rabbiner Dr. Rülf, Veranlassung gab, das sich hierbei kundthllellde Lehrgeschick des Herrn Karo, wie die Gelvecktheit und das religiöse Wissen der Attellsteiuer Religionsschüler anerkennend zu rühmen. — Gegen 5 Uhr schloß der Vorsitzende die arbeitsreiche Konferenz mit Worten des Dankes an die Vertreter der diverseil Korporationen wie an die Lehrer selbst, für ihre rege Antheilnahme an den Verhandlungen, wodurch sie zu den: gelungenen Verlallfe derselben maßgebend mit geholfen haben. — Die Versammlung begab sich unmittelbar darauf nach der Synagoge, wo unter Leitung des Oberkantor Birnbaiml-Königsberg ein gemeinsamer Gottesdienst abgehalten wurde. — Die Zeit bis Uhr Abends war der Besichtigung der Stadt gewidmet. Dann folgten die Koilferellztheilnehlner einer Einladung des Vorstandes der hies. Genleillde zll einem gemeinsamen Festessen nach dem „Deutschen Hause." RMF?* Wegen Raummangel mußten einige Berichte über Pfingsten stattgehabte Lehrerversammlungen tür spätere Nummern zurückgesteUt werden. Ned. d. „Itzr." Feuilleton. Auf des Leßens Köh'. Erzählilug von S. B. Rosner. 7) (Alle Rechte Vorbehalten.) Die Lippen d s Fräuleill bewegten sich unhörbar und ihr Kopf nickte leicht, als sie wohlwollend auf ihren niesenden Liebling hinobschante: sie rief ihm leise „Prosit' zu. Dann sprach sie mit mütterlichen Bedenken: „Die Kälte ist Romeo in die Nase gestiegen — ich weiß wirklich nicht, ob wir ausfahren sollen." „Gewiß sotten mir das, wozu sonst hätte ich Sie denn rufen lassen." . . ich Sie denn rufen lassen!" ahmte Hortense gereizt nach: „Quelle facoii de parier commune! Ich bitte, bedenken Sie doch Madame, Romeo niest von der Kälte und wenn Romeo niest, werde ich auch niesen. —" „Run dann niesen sie beide und sagen sich gegenseitig Helfgott. Ich sehe noch immer nicht, wo hier das große Malheur steckt." „Madame nehmen die Sache von der leichten Seite, aber sehr mit Unrecht. Pensez, je vous prie, au (langer que lious risquons! Es ist wirklich eine Gefahr für aristokratische Nerven. —" „Für Romeos und die ihrigen also," lachte Helme. „Wenn sich Madame aus den Reihen der Aristokraten auszunehmen belieben", cutgegnete Hortense schnippisch, „so müssen Sie wohl Ihre Gründe dafür haben." „Allerdings", sprach Helene mit einem Anflug von Unmuth. „Aber um die Sache kurz zu machen, bitte ich Sie, einen raschen Entschluß zu fassen. Wenn Sie meinen, daß das Wetter für die Nerven Remeoö zu rauh wäre, so lassen Sie ihn doch zu Hause. Hortense fuhr entsetzt Zltrück uub streckte mit der Geste einer tragischem Heldin die Hand gegen Helene aus. „Oh, Madame," rief sie bebend, „welche Znnutthung stellen Sie an mich. Ich mich von ihm trennen?" Mit einer leidenschaftlichen Bewegung fing sie den verdutzten Pinscher von der Erde auf und schaute ihm schnnrchtend in die Angen, die aber der unmanierliche Junge gerade fest zudrückte. „Ich mich von Dir trennen? Jamais! Wir bleiben ewig vereint, leben und sterben, stehen und fallen mit einander! Gelt mein süßer Schatz?" Da das Fräulein den süßen Schatz in überströmettder Zärtlichkeit lebhaft schüttelte, so nickte er in merkwürdigem Verständnis; zustimmend mit dem Kopf. Helene saß bereits eine Weile, umflossen von den Falten eines weiten Zobelmantels, im Schlitten,

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