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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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887 Zwecke! Die bisher gemachten Erfahrungen vor und nach der Rezeption zeigten deutlich genug, daß Stiftungen „ohne Unterschied der Confession" nur den Nichtjuden zugute kommen und blos in den allerseltensten Fällen märe eine Ausnahme zu konstatiren. Ausnahmen pflegen stets die Regel zu bestätigen und dies ist auch im gegebenen Falle also. Wir haben nichts dagegen, wenn das jüdische Geld auch nichtjüdischen Zwecken dienstbar gemacht wird, im Gegentheil, wir billigen dies aus vollster Seele, aber mit Hilfe des jüdischen Geldes den Juden fort und fort moralische Fußtritte versetzen zu lassen, ist eine so verwerfliche That, gegen die wir in aller Entschiedenheit ankämpfen müssen. Ueber die neue „Heldenthat" haben wir bereits in voriger Nummer kurz berichtet und haben wir nach den politischen Blättern noch Folgendes nachzutragen : Aus Anlaß der gesetzlich ausgesprochenen Rezeption der Juden wurde die Bildung eines Landesfonds zu allgemeinen nationalen und kulturellen Zwecken beschlossen, welcher durch Spenden im Kreise der ungarischen Judenheit aufgebracht wird. Aus diesen Mitteln sind in erster Reihe der Betrag von 150,000 Kronen zur Errichtung von fünf Stiftungsplätzen für Zöglinge der Ludovica-Akademie zu bestimmen. Se. Majestät hat gestattet, daß diese Stiftung auf seinen Namen errichtet werde und den Titel „Franz Joseph-Stiftungsplütze" führen soll. Rußland. O"~0 Wilna, 1. Juni. Hiesige nichtjüdische Blätter berichten, daß soweit bis jetzt polizeiliche und Zeitungsnachrichten vorliegen, bei der Samstag auf dem Chodinskyfelde in Moskau vorgefallenen Katastrophe, die Tausende von Menschen ins Grab gebracht, kein einiger Jude das Leben verloren hat oder beschädigt worden ist. Die Ursache davon mag in dem Umstande liegen, daß das Unglück sich Samstag zeitlich Morgens ereignet, also zu einer Zeit, in der die Juden gewöhnlich zuhause oder in der Synagoge sind und dann deßhalb, weil auch der ärmste russische Jude kein Verlangen darnach trägt, die Lebensmittel, die auf dem Chodinskyfelde gratis vertheilt wurden und von denen doch die meisten trefa sind, zu erlangen und sie den Seinigen nach Hause zu bringen._ -£■ Vermischtes. Berlin. Der Deutsche Verband kaufniännischer Vereine trat heute in Berlin zu seiner Hauptversammlung zusammen. Einschließlich Elsaß-Lothringens waren etwa 60 Vereine vertreten. Die Verhandlungen drehten sich zunächst um das Gesuch des deutsch-nationalen Handlungs-Gehilfen- Vereins. Ortsgruppe Hamburg, um Aufnahme in den Verband. Der Vorsitzende Kaufmann Schaefer-Frankfurt a. M. theilte mit: Mit Rücksicht aus den Umstand, daß der deutschnationale Handlungsgehilsen-Verband laut Statuten antisemitische Tendenzen vertrete, habe er als Vorsitzender des Deutschen Verbandes kaufmännischer Vereine dieses Gesuch abgelehnt. Auf erhobene Beschwerde habe der Gesammtvorstand das Gesuch ebenfalls, und zwar einstimmig abgclchnt. Nach einer längeren Debatte wurde das Gesuch mit 102 gegen 0 Stimmen abgclehnt. Sechs Dclegirte enthielten sich der Abstinnnung. Aus Lehrerkreisen. Allenstein, 8. Mai. (Jahresversammlung des Freien Vereins jüdischer Rel igons l e h r e r O ftp r e u ß e n s.) Am 24. und 25. v. Mts. hielt der Freie Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens feine Jahresversammlung in unserer Stadt ab. Es waren dazu von auswärts 35 Lehrer erschienen, zu denen sich noch eine Anzahl Gäste eingefunden hatten. Den ersten Tag der Versammlung bildete die Generalversammlung, die im „Deutschen Hause" tagte. Gegenstand derselben bildeten interne Angelegenheiten des Vereins. Von besonderer Wichtigkeit sind daraus zu erwähnen der geplante Anschluß an den Verband jüdischer Lchrervereine im deutschen Reiche und die Ernennung des um das jüdische Schulwesen Ostpreußens hochverdienten, seitherigen Vorsitzenden der Schulinspektion des SynagogenverbandeS, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger- Königsberg zum Ehrenmitgliede des Vereins. — Der auf zwei Jahre neu gewählte Vorstand besteht aus den Herren Prediger Sturmann-Osterodc, Vorsitzender, Waisenhausinspektor Perltz - Königsberg Schriftführer, Oberkantor Birnbaum-Königsberg, Kassirer, Kantor Karo-Allensteiu, Beisitzer, und Kantor Kanter- Ortelsburg. Am zweiten Tage, den 25. Mai fand die eigentliche Konferenz in denn vom hiesigen Magistrat bewilligten Kommunalschulhause Nr. 2 (Wilhelmstraße) statt. Die Verhandlungen wurden um 10'/, Uhr vom Vereinsvorsitzenden, Herrn Prediger Sturmann-Osterode, durch ein Gebet eröffnet. Der Vorstand sowie die Mitglieder der Schulkommission der hiesigen jüdischen Gemeinde waren zur Begrüßung der Versammlung erschienen. In ihrem Namen, wie im Namen des Ausschusses des Synagogenverbandes Ostpreußens brachte Herr Rechtsanwalt Schcy die Wünsche zunr Ausdrucke, die beide Körperschaften der Konferenz für ihre Arbeiten entgegentragen. In gleicher Weise versicherte Herr Rabbiner Dr. Rülf- Memel die Versammlung der wohlwollenden Unterstützung seitens der von ihm, als zeitigen Vorsitzenden vertretenen Schulinspektion des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens. Den ersten Konferenzvortrag hielt Herr Waisenhausinspektor Peritz- Königsberg, der auf psychologischer Grundlage die methodischen Grundsätze für eine Auswahl der Gebetstücke aus dem Siddnr entwickelte. Die Versammlung wählte nach eingehender Debatte eine Kommission von fünf Mitgliedern, bestehend aus den Herren Dr. Rülf-Memel, Sturmann-Osterode, Peritz-Königs-

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