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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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886 Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 6. Juni. Judenhetze im Namen des Landraths v. Arnim-Milmersdorf wird in einem Wahlaufruf für den Landrath zur Stichwahl betrieben. Es heißt in demselben, daß die 50 Millonen des deutschen Volkes bei einer freisinnigen Wahl „noch nwhr abhängig werden würden von der halben Million, die durch ihr Geld und ihren Einfluß auf die Presse und namentlich durch den riicksichtslosen Gebrauch jedes Mittels schon einen unerträglichen Einfluß aus unfcv öffentliches Leben gewonnen hat." Im Uebrigen enthält der Aufruf die Phrasen von der Partamentsberrschaft, der Einführung der Miliz, welche die Freisinnigen erstrebten. Bezeichnend ist die Stelle auch, in der den Freisinnigen zum Vorwurf gemacht wird, daß sie einen Rechtsstaat wollten, der auf die religiösen Anschauungen seiner Angehörigen keine Rücksicht nimmt. Die Landrathspartei hat offenbar keine Ahnung davon, daß im Art. l2 der geltenden preußischen Verfassungsurkunde, auf deren gewissenhafte Beobachtung auch die Landrälhe verpflichtet sind, es heißt: „Der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnis." Die deulfchfoziale Partei wird in dem Aufruf der Landrathspartei als eine staatserhaltendc gefeiert, deren Programm sich bis auf unbedeutende Abweichungen völlig mit dein konservativen decke. Hamburg. Dir „Hamburger Gewerbe- und Export-Ztg." schreibt: Ein neuer antisemitischer grober Unfug, der selbstverständlich wie alle derartigen Rowdy-Streiche nur auf Geldschneiderei berechnet ist, wird neuerdings in den Jnsertions,palten des bedenklich zusammengeschrumpften „Deutschen (?) Blatt" verübt. Unter der Abbildung eines Todtenkopfes und zweier Gebeine (wie es auf den Giftflaschen Mode ist) liest mem folgende Worte: „Judengift!! In Einzel-Dosen. Dosis Rr. 1. Für 30 Pfg. in der Geschäftsstelle des Blattes zu haben." Wir möchten doch einmal sehen, wie es demjenigen jüdischen Buchhändler erginge, der in ähnlicher Weise eine Broschüre unter der Marke „Christengift" vertriebe; gewiß sehr übel, und mit Fug und Recht, denn es wäre ein ganz gemeingefährlicher Unfug, der exemplarische Strafe verdiente, da gewiß jeder Christ Aergerniß daran nehmen würde. Das nämliche ist aber hinsichtlich des oben erwähnten Unfugs mit jedem Juden der Fall, denn es wird und muß jeden der letzteren ein derartiges Schand-Jnserat ärgern, beängstigen und verletzen. Und da wir in einem Rechtsstaate leben, in dem „Gleiches Recht für Alle!" gilt, und zufolge Entscheidung des Reichsgerichts jegliche Maßnahme, als grober Unfug zu bestrafen ist, so nehmen wir an, daß die zuständigen Behörden gegen diesen, von uns gebührend gekennzeichneten Unfug einschreiten werden. Zadern i. E. Heute vor acht Tagen fand die officielle Installation unseres neuen Rabbiners, Herrn Dr. Staripolsky n statt. Von dem Präsidenten und den Mitgliedern unserer Synagogenverwaltung empfangen, wurde unser Rabbiner §ur festlich geschmückten Synagoge geleitet, wo er von unserem Cantor, Herrn Wolfs mit Nan *jn3 begrüßt wurde. Rach den programmmäßig vorgctragenen Psalmen und der Überreichung von Blumensträußen durch die kleinen Mädchen unserer Schule verlas der Vorsteher unserer Gemeinde das Ernennungsdecret, worauf unser neuer Rabbiner, dessen Rednertalent allgemein bekannt ist, eine schwungvolle mit großem Beifall aufgenommene Ansprache hielt, in welcher er mit besonderem Nachdrucke betonte, daß unsere göttliche Religion auf nbv Frieden beruht, daß das Judenthum das alle Menschen umfassende Gebot *jid3 ronw als Hauptgrundsatz unserer jiidischen Religion erklärt. Unter den zahlreichen all der Cermollie Theilnehmenden beulerkte nran die Spitzen der Behörden der Stadt, den Kreisdirector, den Bürgermeister; das israelitische Eonsistorium hiilgegen war nicht vertreten. Möge es ullserem hochverehrten Herrn Rabbiner v,j gelingen all den Hoffnungen gerecht zu werden, die auf seine Gelehrsavlkeit, seine Weisheit und seinen edlen festen Charakter gesetzt werden. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Wien, 1. Juni. Seine Majestät der Kaiser hat mit allerhöchster Entschließung vom 28. Mai d. I. allergnädigst geruht, dem Dr. Alois Zucker, Professor an der czechischen Universität in Prag, den Tiitel eines Hofrath es mit Nachsicht der Taxen zu verleihen. Hofrath Professor Zucker ist Jude und die ihm gewordene hohe Auszeichnung ein neuerlicher Beweis dafür, daß unser allgeliebter ritterlicher Kaiser, wie er dies oft mit stärkstem Nachdruck ausgesprochen, in seinen Staaten keinen Unterschied der Confessionen kennt. Budapest, im Juni. (Die erste Stiftung des ung. isr. Landesfonds). Zu den vielen Ungeheuerlichkeiten, die der gesunde Menschenverstand nicht zu begreifen vermag, gehört unstreitig die letzte „Großthat" drr isr. Landeskanzlei. Die vielgepriesene Rezeption der ungarischen Juden ist eine unanfechtbare Thatsache geworden und zum Danke hiefür errichtet das ncologe Judenthum einen Landesfond für „allgemeine patriotische" Zwecke. In Wirklichlichkeit müßte es heißen für „ausschließlich nichtjüdische"

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