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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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885 es zwei andere Entscheidungen, die David Achitofel verdankte. Er habe David gelehrt, daß die heilige Bundeslade nur auf den Schultern getragen werden dürfe. Ferner habe David bei Anlegung der Fundamente für das zu errichtende Gottesheiligthum die Fluth berührt, die unter der Erdrinde fluthet und sic entfesselt, so daß sie alles zu überschwemmen drohte. David wußte, daß der Gottesname auf einem Scherben geschrieben und in die entfesselte Fluth geworfen die Kraft habe, das drohende Element zurückznhalten. Aber er trug Bedenken gegen dieses Mittel, weil es ohne Uebertretung des Verbots den Gottesnamen zu verlöschen, nicht anzuwenden war. Achitofel führte nun den Nachweis, daß im Hinblick auf die abzuwendende Gefahr, dieses Verbot hier nicht aufrecht zu halten sei. Welche Gedanken imb Empfindungen mögen angesichts der Treulosigkeit dieses Freundes und Rathgebers das edle königliche Herz eines David durchwogt haben, wenn er sich dasjenige vergegenwärtigte was er dem treulosen Freunde verdankte! Gewiß war alles all diesen vier Sätzen wahr, aber wer weiß wie berechnet die Miltheilung gerade dieser Wahrheiten war, um die Freundschaft des Königs zil erschleichen und ihil llm so sicherer zum Falle zu bringen. Achitofel kannte seinen König. Die Liebe und Hochachtung zur Thora machte ihn blind für die Schlechtigkeit dessen, der sie lehrte. Greifen wir die letzten dieser Lehren Achitofels zuerst heraus. Ein David, der so tief eingedrungen war, in das Geheimnis; des Gottesnamens, daß er damit die Fluth, die alles zu überschwemmen droht, zurückzuhalten weiß, sollte er nicht den unvergleichlich leichteren Schluß habe ziehen können, wie ihn Achitofel lehrte, um die Zulässigkeit, den Gottesnamen hier auslöschen zu dürfen, 511 beweisen? Die Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Gottesllamens, wie sie David erfüllte, ließ Um das nicht finden, ließ ihn das vielleicht nicht suchen, was einem Achitofel nur zu leicht und gelällfig schien. Wie viele von den Stürmen unb Brandungen, die Davids bewegtes Leben gefährdeten, hätte er mildern und ganz beseitigen können, wenn er von der Heiligkeit des Gottesnamens auch nur ein Titelchen hätte preisgeben wollen! Dafür findet ein Achitofel viel leichter einen Ausweg, als ein David! Wenn ein Achitofel das Vertrauen eines David erschleichen will, so braucht er ihm nur zu sagen, daß selbst der König auf seiner einsamen Höhe, die Thora nur vereint mit Genossen lernen dürfe, und er ist sicher, daß ihn David zum Genossen wählt. Wenn er die Autorität des Königs im Volke erschüttern und erreichen will, daß derselbe keine gesonderte Stellung einnehme, sondern geradezu im Volke aufgehe, so braucht er es nur als Diktat der Thora zu betonen, daß der König in Gemeinsamkeit mit dem Volke die Gottesstätte aufsuche, um auch hier seinen Zweck zu erreichen. Wenn man die heilige Lade nur auf den Schultern tragen darf, so muß man eine lebendige Sefer Thora, wie sie ohne Zweifel Achitofel repräsentirte, auf den Händen tragen. Diese Winkelzüge hat der so helle, durchdringende Blick eines David nicht erkannt, weil die Liebe zur Thora und ihrem Lehrer keinen anderen Gedanken, als den der Hochachtung und Ehrerbietung aufkommen ließ. Aber selbst, als er die Treulosigkeit seines vermeintlichen Freundes bitter empfunden hatte, selbst dann noch gedenkt er der Zeit: „Wo wir zusammen das süße Geheimniß pflogen, und in's Gotteshaus unter der Volksmenge wandelten, und trägt kein Bedenken den Verräther noch jetzt als ’jnvoi 'vHn ’Diya itnjK zu bezeichnen. Wenn aber van rutrn Tonta die Liebe zur Thora selbst einen David zum Jrrthum verleitet, so erweist sich füglich selbst dieser Jrrthum noch scharfsichtiger, als die Schlauheit eines Achitofel. Das scheint die Fortsetzung unseres Spruches vaa yw min auszusprechen. Das was David in Achitofel ehrte, war die Thora, und hinsichtlich dieser ward David nicht getäuscht. Wenn sich die Königskrone vor der Krone der Thora verneigt, und ihren höheren Rang rückhaltslvs anerkennt, wenn David zu Achitofel hinabsteigt, oder ihn als Freund und Lehrer neben sich auf den Thron setzt, so fällt alle Ehre, die der König den; Unwürdigen erweist, nicht diesem zu, sondern sie kehrt zu David zurück, von dem sie ausging. „Den Weisen fällt die Ehre und den sittlich Vollendeten, das wahrhaft Gute als Erbe zu." Die Ehre, die David einem Achitofel erweist, läßt uns noch heute bewundernd zu David emporblicken und in ihm das verwirklichte Ideal wahrer Hochachtung und Werthschätzung der Thora verehren. Und dieselbe Ehre verblendet einen Achitofel und läßt ihn als iicberlänfer, Verräther und Selbstmörder enden. David aber hat das wirkliche, wahrhaft Gute gefunden, dessen Erreichung nur Menschen fähig sind. Wie widrig auch die Geschicke seines prüfungsreichen Lebens sein mochten, daß er sie siegreich überwand, und zwar lediglich durch seine Hingebung an die Thora, dies hat ihn zum Liederhelden Israels und der ganzen Menschheit gemacht. Sein Leben und Wirken, sein Kämpfen und Singen, legt dem denkenden Beobachter die geistige Schwungkraft der Thora nahe, die allein solches Wunder vollbrachte und legt lautes Zeugniß für die Wahrheit ab, die sein Sohn in die Worte kleidete: .iaiyn bn 'min nzb 'nrj a'v w „Eine gute Lehre habe ich auch gegeben, verlaßt meine Thora nicht!" (Fortsetz, folgt.)

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