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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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884 dem Lehrer von vornhinein ausschließt. Auch deutet die Form *7 dd a jnj? *ps mehr auf das Erweisen einer äußeren Ehrenbezeugung als auf das Entgegenbringen rückhaltloser Ehrerbietung hin. Es handelt sich hier um die Werthschätzung der Thora, wie sie sich in der Achtung bekunden soll, die wir demjenigen entgegen zu bringen haben, dem wir einen Theil unserer Thorakunde, wie klein er auch immer sei, verdanken. Nicht was und nicht wie viel oder wenig wir von unserem Genossen gelernt haben, ist das Kriterium für die ihm zu erweisende Ehrenbezeugung, sondern, daß wir überhaupt etwas von ihm gelernt haben. Damit erklärt sich auch die weitläuftge Aufzählung des Lernstoffes, während es doch eigentlich genügt hätte, zu sagen: wer von seinem Genoffen auch nur einen Buchstaben lernt, muß ihm Ehre erweisen. Sollen aber die einzelnen Titel aufgezählt werden, so wäre wohl nicht mit Perek, sondern mit Masechta zu beginnen. Diese Weitläufigkeit auf der einen und diese Beschränkung auf der anderen Seite will aber nach der Eiklärung des Midrasch Schemuel die Grenze bezeichnen, wie lange derjenige, dem wir unsere Thorakunde verdanken, unser Genoffe heißt und uns nur zu äußerer Ehrenbezeugung verpflichtet und wann wir ihm die Ehrerbietung zu erweisen haben, die wir dem Lehrer schulden. Wer nur einen Buchstaben, einen Ausspruch, einen Satz, eine Gesetzesbestimmung und selbst ein Capitel von einem anderen gelernt hat, der ist deßhalb noch nicht zu dem Grad der Ehrerbietung verpflichtet, die der eigentliche Lehrer pnaio 'm zu beanspruchen hat. Diese beginnt erst, wenn man mehr als einen Perek, also eine Masechta dem Lehrer verdankt. Nach dieser Auffassung löst sich auch eine andere Schwierigkeit, die von allen Erklärern beanstandet wird. Es ist dies der Hinweis auf König David und sein Verhältniß zu Achitofel mit der Schlußfolgerung, die daraus gezogen wird. David lernte von Achitofel nur zwei Dinge und zeichnete ihn durch die höchsten Ausdrücke der Ehrerbietung aus, um wie viel mehr ist jeder zur Ehre verpflichtet, sogar wenn er nur einen einzigen Buchstaben von seinem Genoffen lernt. Wenn David Achitofel zwei Aussprüche verdankt und ihn deßhalb auszeichnet, so läßt sich daraus doch kein Schluß für die Pflicht der Ehrenbezeugung ziehen, wenn man seinem Genoffen nur einen einzigen Buchstaben verdankt! Wir haben jedoch gesehen, daß es für die zu erweisende Ehre belanglos ist, ob es sich um einen Perek oder um einen einzigen Buchstaben handelt. Ein Unterschied tritt erst ein, wenn das Pensum mehr als ein Perek beträgt. Wenn daher David Achitofel zufällig zwei Aussprüche verdankt, so wissen wir nach dem bisherigen, daß David Achitofel dieselbe Hochachtung entgegen gebracht hätte, wenn er ihm auch nur einen Ausspruch oder nur die Unterweisung über die Bedeutsamkeit eines einzigen Buchstabens zu verdanken hätte. Dieser Hinweis auf Achitofel ist übrigens in vielfacher Hinsicht überaus lehrreich für die Ehrerbietung, die wir Thorakundigen, welchen wir einen Theil unseres Wissens verdanket!, zu zollen haben. David war, tvie hier gewiß nicht ohne Absicht wiederholt betont wird, „König in Israel." Aber seine hohe, königliche Stellung hält ihn nicht zurück, Achitofel seinen Lehrer, Meister und Vertrauten zu nennen. In Wirklichkeit war Achitofel nicht der Lehrer Davids. Er nannte ihn seinen Lehrer. Der Lehrer Davids war, wie wir aus Talmud Moöd Katan, Fol. 16 b. wissen: n'jrn nyjj. Achitofel war yy yyv Davids Rathgeber (Samuel II., C. 15, V. 12); in Folge seiner geistigen Ueberlegenheit stand der Rath Achitofels bei seinen Zeitgenossen so hoch, wie ein göttliches Orakel. Achitofel mißbrauchte jedoch das Vertrauen Davids und schlug sich bei der Empörung Absalons auf dessen Seite. Der 55. Psalm, dem die auf Achitofel hinzielenden Worte: nnw 'yivvi ’D")y3 entnommen sind, giebt der trüben Seelenstimmung Davids über diesen Abfall seines treusten Freundes beredten Allsdruck. David steht also nicht an, von Achitofel auch nach seiner verübten Treulosigkeit zu bekennen, daß er ihm als m ■jni’Di galt. Und das alles, weil er zwei Dinge von ihn! gelernt hatte. Was liegt dariit für eine Werthschätzung der Thora, die selbst den Treubruch eines bewährt geglaubten Freundes überdauert! Und was waren das für zwei Dinge, die David der Unterweisung Achitofels verdankte? Die Ueberlicfcrung ist hierüber nicht ganz sicher. Rach dem Nascht zugeschriebenen Commcntar zu den Sprüchen der Väter, habe Achitofel David allein bei dein Studium der Thora betroffen und ihn darauf hingewiesen, daß das Studium der Thora ohne Genossen zur Einseitigkeit irnd zum Jrrthum führe. „Was soll ich aber thun?" fragte David. „Wir wollen gemeinschaftlich das süße Gottesgeheimniß ergründen, wir wollen gemeinschaftlich lernen," antwortete Achitofel. Ein andersmal habe Achitofel David allein in gemessener, königlicher Haltung das Gotteshaus aufsuchen sehen und habe ihn darüber zur Rede gegestellt mit dem Rathe, es ferilerhin in Gemeinsamkeit mit dem Volke zu betreten. Den ersten Rath habe er in die Worte gekleidet: yd pTiDJ nn» "iitn, den zweiten habe er in der Forin ertheilt: 'K rvaa tw-o welche Worte sich unmittelbar an den hier citirten Vers des 55. Psalms anschließen. Nach dem Midrasch Jalkut Schemuel 142, sind

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