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Der Israelit · 1896-06-08 · Heft 46 (8.6.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 46 (8.6.1896)
Date
1896-06-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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860 S^äÄP^B^BÖf und seit einigen Jahren auch der Leitung unserer Religionsgesellschaft angehörend, war der Heimgegangene zugleich einer der fleißigsten Geschäftsleute unserer Stadt, welcher vom frühen Morgen bis in die späte Nacht aus das Angestrengteste arbeitete, um seinen umfangreichen geschäftlichen Obliegenheiten voll und ganz Nachkommen zu können, dabei versäumte er fast keinen Thoravortrag, mochte dieser von dkm Rabbiner oder einem anderen Lehrer des Gotteswortes gehalten werden, und war er hie und da durch irgend welchen Umstand doch verhindert, den Vorträgen beizuwohnen, so drückte er oft dem Schreiber dieser Zeilen sein tiefes Bedauern darüber aus und gelobte Versäumtes später in doppelter Weise nachholen zu wollen. Ebenso mustergiltig wie sein Verhalten in der Gemeinde und sein geschäftlicher Fleiß, war die Art, wie er seine Aufgabe als Familienvater auffaßte. Daß er alle seine Kinder zur Gottesfurcht und zur Ausübung unserer heiligen Religion erzog, bedarf wohl kaum der Erwähnung, aber er that mehr als das. Obwohl schon leidend und siech, gab er trotz dem Drängen der Freunde und Verwandten, welche verlangten, daß er seinen ältesten Sohn sich als Stütze in das Geschäft nehmen möge, nicht nach; er ließ vielmehr, der in dem Sohne wachgerufenen Neigung zum Studium der heiligen Lehr .* freien Laus, indem er gestattete und verlangte, daß dieser sich dem erhabenen Beruf eines Rabbiners widme. Von dieser Thatsache sprach er noch in den letzten Tagen seines Lebens mit hoher Freude. Auch die Begründung des hiesigen Synagogen-Gesang- Vereins war zum großen Tbeil sein Werk. Wahrhaft rührend war die Anhänglichkeit, die der Dahingcschiedene an den Letter dieser Zeitschrift und dessen ganze Familie bekundete. Wie oft bat er uns, ihm ein „gutes Thorawort" von unserem Vater zu sagen und wie dankbar war er, wenn wir seinem Wunsche willfahrten. Das Leichettbegängniß des Dahingeschiedenen fand soeben unter großer Betheiligung statt. Auf dem Friedhofe schilderte Herr Rabbiner Dr. Boudi in tiefster Ergriffenheit die hervorragenden Tilgenden des Heimgegangenen, während der Sohn des Letzteren ein Lebensbild seines Vaters unter Erwähnung einzelner Eharakterzüge, vom Schmerze öfters unterbrochen, entwarf. Im Allst rage des Vorstandes der isr. Religiortsgcsellschaft und der Chewra Kadischa rief der Redaeteur dieser Zeitschrift dem scheidenden Freund und zweifachen Kollegen ein letztes Lebewohl zll. Möge der Allgütige in feiner Gnade der trauernden Wittwe nebst deren Kindern Trost senden, danrit sie diesen herben unersetzlichen Verlust zu überwinden vermögen. .jtj-o4? pnx idt ER. Berlin, 2. Juni. Um in gewohnter Weise den Geburtstag ihres verehrten Rectors feierlich zu begehen, hätten die Zöglinge des hiesigen Rabbiner- | seminars, deren Mehrzahl dem Verein Dibbuk Chawerim angehört, einen Ausflug nach dem Müggel-Schlößchen beschlossen. An der Jannaritz-Brücke hatte sich eine große Altzahl Mitglieder der Adaß-Jisroel, Männer, Frauen und Kinder, sowie alte uitd neue Gönner des Dibbuk eingesunden. Um 2 Uhr gab ein besonders geurietheter Dampfer vollen Dampf voraus. Nun ging es die Spree entlang an der Gewerbeausstellung vorbei; kurz vor vier Uhr gelangte man an das Ziel. Unter den Klängen des Tannhäusermarsches begaben sich die Insassen des Dampfers in das Restaurant, ivo der Caffee servirt lvltrde. Dann hieß Herr Stud. Auscher die Gäste willkommen. Herr Stud. Sachs wies auf den Gottesftreiter Israel hin, der ja auch Herr Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer sei. Herr Stud. Lehmann betonte, daß das Rabbinerseminar den Beweis liefere, daß Thorastudiunt sich sehr wohl mit Landessitte vereinen lasse. Für den Theologen sei es sehr wichtig, Menschenkenntniß zu erlanget:. Dies könne aber nur durch praktischen Verkehr erreicht werden. Für heute wünsche cr, daß man fröhlich zusammenbleibe, bis die Sonne den Schcidegruß bringe. Hierauf wurde ein Gang in den Wald gemacht. Die Jugend ergötzte sich am Reifspiel, die ernster angelegten Naturen lauschten den geistreichen Worten des Herrn Dr. Berliner und Dr. Hoffmanu über Gegenstände jüdischen Wissens. Etwas später erfolgte die Aufführung einer Parodie von Schiller's Ritter Toggenburg. Besonders hervorgehoben sei das vorzügliche Spiel des Frätllein Elfe Abrahanr, die sich auch sonst durch declamatorische Leistungen auszcichnete. Auch Fräulein Hilborn gab das Gretchen recht gut. Nach sieben Uhr begab man sich in das Müggel- Schlößchen-Restaurant zurück, wo die allzeit freigiebige Frau Dr. Hildesheimer ein kaltes Buffet aufgestellt hatte. Den Glanzpunkt der Tafel bildete die zugleich ernst- und scherzhafte Rede des Herrn Dr. Berliner, die wir hier leider nicht wiederholen können, doch hoffen wir, daß sie vielleicht gelegentlich zum Abdruck kommen wird. Auf die Damen toastete noch Herr Rabbiner Dr. Bär aus Prenzlau. 'Nachdem Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer, dem Gott seine Tage und Jahre mehren möge, das Tischgebet gesprochen, kehrte man heim. Den: Vorstand des Vereins Dibbuk Chawerim rufen wir zu: Herzlichen Dank! Auf fröhliches Wiedersehen im nächsten Jahre! Frankfurt a. M. Ein hiesiges Blatt meint, daß die auch von Ihnen erwähnte Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts für die hiesige israelitische Gemeinde von unabsehbarer Tragweite sein werde, und daß sich die Folgen dieses richterlichen Erkenntnisses nicht übersehen ließen. Wir theilen diese Auffassung nicht. — Das Oberverwaltungsgericht spricht der Gemeinde die rechtliche Befugniß ab, die innerhalb des Frankfurter

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