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Der Israelit · 1896-06-08 · Heft 46 (8.6.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 46 (8.6.1896)
Date
1896-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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858 WWWWWWWMWWWW MWWWWWWW gemacht den Himmel und die Erde, das Meer und alles was darin ist, und geruht hat er am siebenten Tage, deswegen hat gesegnet der Ewige den Sabbattag und ihn geheiligt." Noch an mehreren andern Stellen wird der Sabbatfeier gebietend und erinnernd Erwähnung gethan uitb die Übertretung derselben nicht nur mit den: Tode bedroht, sondern sogar bestraft. Schade, meine verehrten Zuhörer, daß das Gebot der Sabbat ruhe nicht mehr in dem vollen llnifangc gehalten wird, wie es in der alten ehrwürdigen Bibel vorgeschrieben wird; es würde sicher bester um die Gesundheit der gesamten Menschheit bestellt sein, als es heutzutage der Fall ist. Denn die Sabbatruhe steht der Arbeitsausübung, jener hygienischen Einrichtung, welche geistige Frische und körperliche Kraft schafft, als Korrelat zur Seite. Ich kann bei der knapp zugenlessenen Zeit nicht in eine volle Würdigung ihres hygienischen Werthes eingehen; nur so viel möchte ich hervorheben, daß die volle Entspannung der körperlichen und geistigen Kräfte von der Alltagsarbeit jene Wiederherstellung neuer Elastizität der Gewebe in den Organen bedingt, die einer ausdauernden und vollwirksamen Wiederaufnahme der Thätigkeit zur Grundlage dient. Ein aus dem Leben gegriffenes Beispiel möge Ihnen meine Behauptung bester illustrieren, als wcitschweifende Erklärungen. Es ist Freitag Abend und ich bitte Sie, mit mir im Geiste Ihren Fuß über die Schwelle eines jener bescheidenen Häuschen zu setzen, in dessen Inneren der Sabbat noch gefeiert wird, wie es unsere Altväter gehalten und wo durch die hell erleuchteten, mit blendend weißen Gardinen geschmückten Fenster der Lichterglanz einer siebenzackigen Lampe uns entgegenstrahlt. Eben hat die Herrin des Hauses Alles noch einmal mit prüfenden Blicken wohlgefällig überschaut, als sich die Thüre öffnet und das Haupt der Familie mit dem bekannten Gruße des guten Sabbats die Seinen freudig und freundlich begrüßt. Kaum erkenne« Sie in ihm den geblickten Mann, der noch vor einer Stunde unter der Last der Maaren und der Sorgen zusammenzubrechen schien, der von Dorf zu Dorf im Regen und glühender Sonnenhitze dahinkeuchte, um den Unterhalt für seine Lieben daheim kümmerlich zu verdienen. Wie jubeln ihm seine Kinder entgegen, ehrfurchtsvoll zu ihm aufzublicken und seinen väterlichen Segen zu erflehen! Und seine Stimme, die am Anfänge noch gedrückt erschien, wie wenn er den Wochenstanb im Halse hätte, wird immer freier und mächtiger; der kleine Mann, der die Hand zum Segen erhoben, er scheint zu wachsen; das von der Sonne Glut gebräunte Gesicht verklärt sich mehr und mehr, der gedrückte Jude wird zum Priester, zum Fürsten, zum Patriarchen und die Sabbatlampe bescheint nur zufriedene, glückliche Gesichter, denen man es ansieht, daß mit der Einkehr der Sabbatfeier die Sorgen draußen auf der Straße geblieben sind. Das, meine verehrten Anwesenden, ist das Ideal einer ächten Sabbatruhe und ich möchte denjenigen sehen, selbst wenn er ein Neologe ist, bei dem nicht beim Anblicke dieses Sabbatidylls eine schon längst verstummte Saite leise erklingt und vor dessen Geiste nicht lange vergessene und verblaßte Bilder und Gestalten aus der Tiefe der Vergangenheit emporsteigen. Und nun verlassen wir die Schwelle dieses trauten friedlichen Heimes und begleiten Sie mich in eines jener Häuser, wo sich der zur Ruhe geboteue siebente Tag durch nichts von den anderen sechs Arbeitstagen unterscheidet. Welch' ein krasser Unterschied zwischen beiden Bildern! Dort die beschauliche Ruhe nach der mühevolleu Sorge um das tägliche Brod, hier das beständige nervöse Haschen und Jagen nach Reichthümern; auf ruhelose Tage folgen schlaflose Nächte und wenn schließlich die zum Wohlleben nöthige Summe zusammengebracht ist, kann der Betreffende ansrufen: „Ich habe wohl viel Glück gehabt, doch glücklich bin ich nicht." Denn die Folgen des unausgesetzten Schaffens machen sich bald in einer vollständigen Zerrüttung des Nervensystems bemerkbar. Und wenn es soweit gekommen ist, was geschieht weiter? Es werden jetzt die verschiedensten Aerzte zu Rathe gezogen, die mit seltener Ucbereinstimmung eine mehrwöchentliche oder sogar mehrmonatliche Kur in einer Kaltwasserheilanstalt für dringend nothwendig erachten, damit die defekten Nerven wieder reparirt werden. Glauben Sie denn, meine Anwesenden, daß das Master das große Wunder thun wird, um den gebrochenen Mann wieder herzustellen? Mit Nichten! Das Wasser kann wohl die Kur unterstützen und den geschwächten Organismus widerstandsfähiger machen; es ist also Mittel zum Zwecke. Der Hauptsaktor dagegen ist die absolute Ruhe, das Fernbleiben von jeder geschäftlichen Thätigkeit, das Vermeiden jeder körperlichen und geistigen Anstrengung, die Abstinenz aller spirituösen Getränke, die vorher im Uebermaßc genommen worden sind, um die erschlafften Lebensgeister wieder aufzurütteln, das ..Dolce far niente‘‘, wie der Italiener sagt, das süße Nichsthun. Aber diese unfreiwillige und oft theuer erkaufte Ruhe hätte der Betreffende sich ersparen können, wenn er nach den sechs vorgeschriebenen Arbeitstagen den siebten Tag als vollständigen Ruhetag betrachtet und gehalten hätte. Und wenn die meisten von diesem sanitären Gesichtspunkte aus handelten, so würden die zahllosen Heilanstalten, die als böses Zeichen eines upge^zchen, nervösen Zeitalters wie Pilze aus der Erde Hervorschießen und bald nach ihrem Entstehen bis auf den letzten Platz mit Patienten angesüllt sind, von der Erdoberfläsche verschwinden, wie 1

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