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Der Israelit · 1896-06-04 · Heft 45 (4.6.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 45 (4.6.1896)
Date
1896-06-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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847 Aus Buden. Der achte Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden theilt den Mitgliedern mit, daß im Jahre 1895 die Mitaliederbeiträge 8779 M., die Schenkungen 8969 M. 05 Pfg., die Zinsen aus angelegten Kapitalien 3722 M. 98 Pfg., Zuschüsse von Gemeinden und Privaten 304 M. 41 Pfg. betrugen, so daß die Mittel zur Fürsorge von 91 Waisen (40 Knaben, 51 Mädchen) vorhanden waren, 26 Waisen sind in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, 65 befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bezw. Zuschüssen bei Verwandten oder ihren Lehrherrcn. Auch nach Entlassung aus der Schule erhielten zur Erlernung eines Berufes einzelne Waisen entsprechende Unterstützung. Die segensreiche Wirksamkeit des Vereins fand dadurch wieder freundliche Anerkennung, daß demselben wieder Stisungen und Vermächtnisse zugewendet wurden, so die Kinder des Moses Baruch Rothschild von Worblingen zum Andenken an den verstorbenen Vater 100 M-, Henry Nathan in London 100 Pfund Sterling, Privatier Hermann Mombert in Karlsruhe 5000 M., Bezirksälteste David Moses Wertheimer 100 M. Das Gesammtvermögen des Vereins betrügt am 1. Januar 1896 die Summe von 114,138 M. 87 Pfg. W. Frankreich. Paris. Im diesjährigen Salon in der Champs Elysecs finden sich eine ganze Anzahl von Bildern, die jüdische Gegenstände behandeln. Besonderes Aufsehen erregt ein „Jsmael in der Wüste" von Mme. Demont-Breton, der sich besonders durch die vorzügliche Zeichnung der Frauengestalt von Hagar auszeichnet. Die Malerin, Christin, ist Vorsitzende des Vereins der Pariser Malerinnen. Als bemerkenswerthe Werke mit jüdischem Thema nennen wir Daniel in der Löwengrube von Tanner, ferner die Auffindung Moses von Lalire, einen weißbärtlgen Rabbiner und einen betenden Juden mit Tallith, Tfillin von M. Moyse, Moses auf dem Berge Nebo von Demont, Elieser und Rebecca von Shomme, ein weiterer Jsmael von Mlle. Shmith, Elias von Despagnat und ein Portrait des alten Rabbiners .Haguenau von Seeberger. Endlich ist noch ein sehr interessantes Bild von M. Lix: Die Juden von Straßburg auf dem Scheiterhaufen unter der Anklage durch Brunnenvergiftung oie Pest herbeigeführt zu haben. So sind die jüdischen Themata in diesem Salon reichlich vertreten. — Aus Algier kommt die Nachricht, daß man von dort bei den Wahlen zu den Gemeinderäthen die jüdischen Wähler in ihrer großen Mehrzahl nicht zugelassen hat. So ist es gelungen der sozialistisch-antisemitischen Partei zum Siege zu verhelfen, da auch der Präfekt in ihrem Dienst stand. Der Terrorismus war äußerst stark, von 800 Wählern kamen nur 175 Juden dazu abzustimmen. Hoffentlich werden diese Wahlen ungiltig erklärt werden. Letzten Donnerstag fand in der Synagoge der Rue Cadet ein sehr feierlicher Gottesdienst zu Ehren des verstorbenen Oberrabbiners Jizchak Elchanan Spektor statt, dem sämmtliche Rabbiner von Paris beiwohnten. — Der Chemiker Mr. Siderski hat den Orden für Merite agricole erhalten. Das Comite de la bienfaisante hat eine Spende von 4000 Francs jährliche Rente aus dem Nachlasse des verstorbenen Adolphe Reitlinger erhalten. England. London, 29. Mai. Gladstone hat an den Parlamentsabgeordneten Sir Samuel Montague, der ihm die Broschüre Dr. Herzel's „Ein jüdischer Staat" zusandte, das folgende Schreiben gerichtet: „Der Gegenstand des zugesandten Pamphlets ist höchst interessant. Es ist nicht leicht für den Außenstehenden, sich ein Urtheil darüber zu bilden und es trägt vielleicht wenig zur Sache bei, wenn man es ausspricht, nachdem man sich eines gebildet hat. Es überrascht mich aber, zu sehen, wie weit das Elend der Juden geht. Ich bin natürlich stark gegen den Antisemitismus. In einem eigenthümlichen und ziemlich fesselnden Roman: „Das Glied" (The Limb) finden Sie eine ziemlich außergewöhnliche Behandlung des Judenthums." Türkei. Gaza. In der ganzen Türkei ist ein weitverbreiteter Krebsschaden der Wucher, der dem Fellachen den geringen Rest seines Wohlstandes, den ihm die türkischen Steuerbeamten lassen, noch entzieht. Sobald der Frühregen fällt, eilt der Fellache nach der nächst gelegenen Stadt, um Aussaat zu kaufen. Geld besitzt er nicht, folglich muß er beim Kaufmann Schulden machen. Kaufmann aber und Wucherer sind für die türkischen Verhältnisse fast gleichbedeutend, und der Bauer, wenn er Saat kauft, muß ungeheuere Zinsen zahlen, unter 40 Prozent wird er selten seinen Bedarf erhallen. Wenn aber nach dem Spätregen die Ernte bevorsteht, und der Steuereintreiber den Fellachen anfängt zu bedrängen, muß dieser wiederum die Hilfe des Wucherers in Anspruch nehmen, und der weitaus größte Theil des Werthes dieser Ernten fällt dem Kaufmann, der sie kauft, anheim. So geht es fort von Jahr zu Jahr und die Schuld wird immer größer, bis zuletzt der Wucherer sich des ganzen Besitzthumes des Bauern bemächtigt hat. Für uns ist interessant und bemerkenswerth, daß unter all diesen Wucherern, über deren Treiben in der ganzen Türkei geklagt wird, nirgends Juden sind, sondern Mohamedaner, Griechen oder Armenier. Es ist dies ein Beispiel, wie zurückgebliebene wirth-

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