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Der Israelit · 1896-06-04 · Heft 45 (4.6.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 45 (4.6.1896)
Date
1896-06-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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848 schaftliche Verhältnisie überall zum Wucher führen, der vollständig international und interkonfessionell ist. Palästina. Jerusalem. Man meldet aus Jerusalem, daß Hyacinthe Loysun (1^6 pöre K^ueintde) einen Vortrag veranstaltet hat mit dem Thema, die Versöhnung der Juden, Christen und Mohamedaner. Dieser Vortrag fand am 26. April im Hotel Lloyd statt, und die Bekanntmachung dazu erging in französischer, arabischer und hebräischer Sprache. Es wird uns nicht mitgctheilr, ob der Vortrag auch von Juden besucht gewesen sei. Afrika. Süd-Afrika. Wieder hat sich eine neue jüdische Gemeinde gebildet und zwar in Germistown in Transvaal. Obschon die Gemeinde in diesem kleinen Dorfe ganz jungen Datums ist, bat sie sich bereits eine kleine Synagoge gebaut. — Mr. Julius Weil in Masching ist zum Abgeordneten dieses Distrikts in Kapparlament gewählt. Es ist dies derselbe Großkaufmann, der sich kürzlich erbat, aus Buluwayo alle Frauen und Kinder auf seine Kosten in Sicherheit zu bringen. Bekanntlich hat der englische Oberkommiffar das Anerbieten mit den schmeichele Haftesten Ausdrücken des Dankes für Mr. Julius Weil angenommen. Australien. Melbourne. Kürzlich kam hier bei Gericht ein interessanter Zwischenfall vor, der auch europäischen Gerichtshöfen als Muster dienen könnte. Ein Advokat erklärte vor Gericht, mein Klient fiel in die Hände eines jüdischen Geldmannes und muß deshalb jetzt Bankerott anmelden, worauf ihm der Richter Williams erwiederte: Nach meiner Erfahrung, sowohl als Advokat, wie als Richter, sollte man den Ausdruck jüdischer Geldmann niemals in dem beschimpfenden Sinne des Wuchers gebrauchen, welcher nur ein Ueberbleibsel veralteten Rassenhasses ist. Es thut wohl in heutiger Zeit, solchen aufgeklärten Richtern zu begegnen. Melbourne. Das Bedürfnis, besser für die religiöse Erziehung der Jugend zu sorgen, macht sich auch hier gellend, und daher fand der vor erst 8 Monaten gegründete Verein zur Förderung der religiösen Erziehung lebhaften Anklang in der Gemeinde, so daß er bereits in den Stand gesetzt war, mehr als 300 Kindern Religionsunterricht ertheilen zu lassen. Die Ausgaben für diesen Unterricht betrugen 4500' M., denen ungefähr gleiche Einnahmen gegenüber stehen. Dermischles. Wien, 1. Juni. (Verein zur Abwehr des Antisemitismus.) Samstag hat die statutenmäßige Jahresversammlung dieses Vereines unter Vorsitz des Freiherrn v. Suttner stattgefunden. In der Versammlung, welcher die Ehrenpräsidenten Hofrath Nothnagel und Baron Leitenberger beiwohnten und über deren Verlauf wir noch berichten werden, gelangte folgendes interessante Schreiben Carneri's aus Marburg zur Verlesung: Diesmal bedauere ich ganz besonders, der Einladung zur General-Versammlung nicht Folge leisten zu können. Hätte so gern mein Herz ausgeschüttet'. Ein unglückseligeres Erperiment, als mit welchem unsere Regierung meinem geliebten Wien emporhelfen will, kann ich mir gar nicht vorstellen. Im Namen der Religion werden die Grundlagen nicht nur der Freiheit und Gerechtigkeit, sondern auch dessen, was ich als Christlichkeit zu verehren gelernt habe, in Frage gestellt. Es ist dies eine Ungeheuerlichkeit, die ich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Allein gerade einer solchen Ungeheuerlichkeit gegenüber, die, wie hoch auch der Preis sein mag, schließlich zu Schanden werden muß, hat unser Verein nicht Ursache, zu verzagen. Was wir zu thun haben, läßt in ein einziges Wort sich zusammenfasscn, und dieses Wort ist Ausdauer. Unter diesem Zeichen werden wir siegen. Budapest. (Ein I u d e a l s G a st des Königs.) Zum fünften engeren Festessen, welches Seine Majestät für etwa 25 Notabilitäten gegeben, war auch ein Glaubensgenosse geladen. Es ist dies der Fabrikant Berthold Weiß, welcher das einzige bürgerliche Mitglied der erlesenen Tafelgesellschaft war. Wie hiesige Blätter melden, sei es der König selbst gewesen, der die Anwesenheit des genannten Glaubensgenossen wünschte, — so sehr hatten ihm die Ausstellungsobjekte der Firma Berthold und Manfred Weiß gefallen. Paris. (Eine Episode alls dem Leben des Baron Hirsch.) Ein höchst charakteristischer Zug aus dem Leben des verblichenen Philant, open sei hier mitgetheilt. In Karlsbad wurde ihni ein reicher jüdischer Fabrikant aus Rußland vorgestellt, der eine Million für ein jüdisches Spital gespendet hatte. Jin Gespräche erwähnte er, daß er in seinen Fabriken durchwegs Christen beschäftige Da sagte Baron Hirsch: „Es wäre besser, Sie hätten ein Spital für die Christen erbaut und würden dafür lieber Juden als Arbeiter in Ihren Fabriken beschäftigen." Briefkafteu der Expedition. F. in E.r Hauptblatt Nr. 45/4t> des 28. Jahrgangs nicht vorräthig. Ueberhaupt können nur Nummern von dem laufenden Jahrgang nachgeliefert werden. Bad Soden. Dem Jahresbericht der Verwaltung der Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus 1895 entnehmen wir: Bei Veröffentlichung unseres diesmaligen Jahresberichts dürfen wir zwar mit (^01119*1)1111119 konstatiren, daß unsere Anstalt in stets fortschreitender, gedeihlicher Entwickelung sich befindet, können aber dennoch nicht umhin, unserem lebhaften Bebaue n Ausdruck zu verleihen, daß die Kuranstalt in manchen Kreisen sich noch immer nicht der Theilnahme erfreut, die sie vermöge ihrer Leistungen, sowie auch wegen der au sie gestellten Anforderungen, wie kein anderer Zweig der Wohlthätigkeit zu verlangen berechtigt ist. -

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