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Der Israelit · 1896-06-04 · Heft 45 (4.6.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 45 (4.6.1896)
Date
1896-06-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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m lichcs Kapital, sondern auch schon Jahre hindurch tägliche Mitarbeit an Ort und Stelle in Ahlem geopfert hat und das, wie kaum ein zweites in Europa, berufen ist, dem gesammten Judenthum zum Segen und zur Ehre zu erreichen. In Ausübung der religiösen Pflichten findet täglich zweimal gemeinsamer Gottesdienst in der Anstalt statt, während an Festtagen und in der Regel an Einem Sabbat im Monate der Gemeindegottesdienst in der Synagoge zu Hannover von unfern Zöglingen besucht wird. Die Freitag- und Festaasabende vereinigen Lehrer und Schüler in familiärer Weise; die Barmitzwoh eines Knaben wird durch Ausschmückung der Räume und festliche Beköstigung von allen Schülern und Lehrlingen mitgefeiert. Allerdings — das sei nochmals betont — ist das Werk - zu groß, um dessen Vollendung auf den Schultern weniger Männer, oder gar nur eines Mannes — des Stifters — ruhen zu lassen. Dazu bedarf cs der entschiedenen und nachhaltigen Mitwirkung vieler, ja aller Israeliten, der Mithülfe eines jeden in seiner Weise und nach seinen Verhältnissen. Mit aufrichtigem Dank wollen wir bekennen, daß sich bereits hochherzige Männer und Frauen gefunden, welche uns durch Rath und That unterstützt und unserer Anstalt schon manche Gabe zugewendet haben; nicht minder sprechen wir unfern christlichen Nachbarn und Freunden sowie den Behörden, unter deren Aufsicht und Schutz unsere Anstalt steht, unfern Dank aus für das Wohlwollen, das sie ihr haben zu theil werden zu lassen. So fühlen wir uns denn in unserm Vertrauen bestärkt, daß der Appel an die Gesammtheit ein allseitiges, freundliches Gehör finden werde. Entsprechend dem Charakter der Anstalt als Wohlthätigkeits-Jnstitut sind, die Kosten für Unterhalt, Bekleidung und Unterricht der Zöglinge nicht durch die Einnahme an Pensionsgeldern und sonstigen Vergütungen gedeckt worden. Die fraglichen Ausgaben betrugen. . . M. 35,091. 72 Die fraglichen Einnahmen betrugen . . . „ 23,859. 57 mithin Mehrausgabe . . M. 11,232. 15. zu deren Deckung zur Verfügung standen : einmalige Spenden und Jahresbeiträge „ 12,462. 80 so daß sich hier ein Ueberschuß ergab von . M. 1,230. 65. Ebenso, wie bei dem Haushalts- und Schulbetriebe war eine Mehrausgabe bei dem Land- und Gartenbaubetriebe zu verzeichnen, unb es werden auch in den folgenden Jahren noch erhebliche Kapitalien erforderlich sein, bis die Obst-, Gemüse- und Blumen-Anpflanzungen auf einen gewissen Beharrungszustand gebracht sind, der eine regelmäßige Rein- Einnahme erwarten läßt. Schon bis zum 1. Juni 1895 erforderte der Land- und Gartenbaubetrieb, die Kultivierung und Düngung des Landes, Anlage der Wege, Anschaffun; des Oekonomie-Jnventars, der Pflanzen, Einfriedigung :c. laut Rechnungsabschluß abzüglich der Einnahmen aus verwerte en Erzeugnissen.M. 56,815. 91 dazu kommen für das Grundstück.. 90,000. — für Gebäude und Inventar.... „ 75,275. 77 zusammen . . . . M. 222,091. 68. wogegen bislang an Stiftungs-Kapitalien nur eingegangen sind.M. 203,000. — mithin Mehrerfordernis . . . M. 19,091. 68. Die Verbesserung und Kultivierung des Grundstücks durfte nicht aufgeschoben werden, ohne die ganze Anlage zu gefährden; die dazu notwendigen erheblichen Beträge sind zum größten Theile vorläufig angeliehen worden. Es wird Aufgabe des Kuratoriums und des Vorstandes sein, Mittel zu schaffen zur weiteren Kultivierung des Grundstückes, zum Bau von weiteren notwendigen Oekonomie- und Wirthschaftsrärrmen, sowie zu der Vergrößerung und Verbesserung des Anstaltsgebäudes und des Inventars; und es darf erwartet werden, daß, nachdem nunmehr der Antrag bei der Kgl. Regierung gestellt ist, der Anstalt die Rechte der juristischen Persoll zu erteilen, welchen: Anträge, wie lvir zuversichtlich bofferr, stattgegeben werden wird, diejenigen Stistungsgelder, welche der Anstalt unter Vorbehalt der landesherrlichen Genehnligung des Statuts zugcsagt sind, recht bald zur Auszahlung gelangen. Ueberdies aber erfordert die llnterbaltnng, Bekleidung und der Unterricht der Zöglinge fortdauernd erhebliche Mittel über die zu vereinnahmende Pension hinaus, so daß der Anstalt regelmäßige jährliche Beiträge höchst erwünscht sind; insbesondere sind sol e nothwendig, wenn, ivie beabsichtigt wird, arme Kinder umsonst ausgenommen werden sollen. Wir richten daher die dringende Bitte an unsere Freunde, durch Zeichnung solcher jährlichen Beiträge initzuhelfen u>n die Anstalt so lebensfähig zu gestalten, wie dies dem Stifter bei ihrer Errichtung in sichere Aussicht gestellt ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Elberfeld, 27. Mai. (Der Verein israelitischer Lehrer v o n R h e i n l a n d u n d W e stfalen) hielt am Nachmittag des eisten und am Vormittag des zweiten Pfingsttages hier im großen Saale der Gesellschaft „Parlament" seine 40. Jahreskonferenz ab, welche von ca. 70 Mitgliedern besucht war. Als Ehrengäste waren die Herren Rabbiner Dr. Auerbach-Elberfeld, Dr. Frank-Köln, Dr. Samuel- Essen, Seminardirektor Dr. Guttmann-Münster und Dr. med. Apfel-Köln, letzterer als Delegirter des „Deutsch-israelitischen Gemeindebundes", erschienen. Ueber den Verlauf der Konferenz wird den „N. N." berichtet: Nachdem der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf-Essen, die Sitzung eröffnet hatte, begrüßte Herr Rabbiner Dr. Auerbach die Versammlung Namens des Vorstandes der hiesigen Synagogen-Gemeinoe, worauf in die Berathungen : Kassenbericht, Aenderung re. eingetreten wurde. Hieran schloß sich ein Vortrag des Herrn Hauptlehrer Andorn-Krefeld über: „Anwendung der wiffenschaftlichen Pädagogik auf den israelitischen Religionsunterricht." Rach Schluß dieses nach Form und Inhalt gleich vorzüglichen Vortrages und der daran sich anschließenden sehr lebhaften und interessanten Diskussion, erstattete Herr Prediger Lippmannsohn-Minden einen längeren Bericht über den gegründeten Verband der jüdischen Lehrervereine Deutschlands, womit die Konferenz am ersten Tage ihr Ende erreicht hatte. Abends versammelten sich die Theilnehmer zu einem gemeinschaftlichen Essen im Hotel Falk. Am zweiten Sitzungstage nahm die Versammlung zunächst den „Bericht der Kommission zur Herbeiführung einer gesicherten Stellung der jüdischen Lehrer" (Res. Herr Baum-Rheine) entgegen, schritt dann zur Nachwahl eines stellvertretenden Vorstandsmitgliedes und trat schließlich in den letzten Punkt der Tagesordnung: „Freie Besprechungen" ein, die sich bis gegen 1 Uhr Mittags ansdehntcn.

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