Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 45 (4.6.1896)
- Date
- 1896-06-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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842 Dorfe mit einer solch' zahlreichen Betheiligung stattgesunden. Auf dem Friedhofe angelangt, ergriff zunächst Herr Rabbiner Bamberger von Würzburg das Wort und betonte in inhaltsreichen Worten die zahlreichen Eigenschaften, die der Verblichene in sich vereinigt hatte. Hierauf sprach abermals Herr Rothschild und hob hervor, wie seine Gattin, die Tochter des Verschiedenen, nur der verständigen Erziehung ihres Vaters es zu verdanken hat, daß ihre Brust ein eisernes Kreuz ziert, welches sie nebst einem Dankschreiben vom huldvollen Kaiser Wilhelnr erhielt wegen den hervorragenden Leistungen bei der Krankenpflege des siegreichen 70er Krieges. Ihm reihte sich die vortreffliche Rede des Herrn Hauptlehreis Eschwege von Höchberg, des zweiten Sohnes des Verblichenen, an. Derselbe hob besonders hervor, daß sein Vaier, um das Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen, sein eigenes Leben der Todesgefahr aussetzte, daß derselbe nicht weniger denn 3 Menschenleben vor dem Tode des Ertrinkens gerettet. Zwei Menschen rettete er aus den Meklenburgischen Seen, da kein anderer hilfebereit war und einen aus der angeschwollenen Saale, wofür er vonr König Ludwig durch Verleihung des bayerischen Heimathrechtes, da der Verblichene von Fulda stammt, belohnt wurde. Ferner sprachen noch Herr Lehrer Blumenthal von Homburg im Namen der anwesenden Kollegen und Herr Simon Eschwege-Höchberg als ältester Enkel des Verschiedenen. Nach Beendigung der Reden folgte abermals ein ergreifender Trauerchoral von dem Karbacher Gesangverein. Hierauf, um 1^/4 Uhr,, wurden die sterblichen Ueberreste dem Schoße der Erde übergeben. Wenn wir es hier unterlassen, auf die Eigenschaften und Tugenden des Verblichenen näher einzugehen, so geschieht dies deshalb, weil die großartige wohl auf einem so kleinen Orte noch nie dagewesene Vetheiligung am Trauerzug volles Zeugniß ablegt, von der Trefflichkeit des Dahingegangenen. S. W E. > Vermischtes. Wreschen, 28. Mai. Bei der Feierlichkeit der Zarenkrönung am 26. d. M., war unsere benachbarte jüdische Gemeinde in Stubce durch den dortigen Rabbiner, den Gemeinde- Vorsteher und einen Expediteur ofsiciell vertreten Diese Herren wurden auch vom dortigen (Natschelnik) Landrath zum Galadiner geladen. Infolge desseil war die jüdische Gemeinde sehr erfreut und bewies ihre Kaisertreue außer anderen Kundgebungen auch dadurch, daß jedes Haus, in welchem Juden wohnen, reichen Flaggenschmuck angelegt hatte. Am 4 k. M. findet die Einführung unseres neugewählten Rabbiners, Herrn Dr. Moriz Lewin aus Berlin statt. AluK Württemberg. Nach dem Berichte des „Staatsanzeigers" über den Stand der gerichtlichen Strafanstalten Württembergs i. I. 1895 befanden sich unter 1809 Gefangenen 788 katholische, 1057 evangelische, 7 jüdische Gefangenen — 0,89 pEt., während die Prozentzahl der jüdischen Einwohner fast das Doppelte (— 0,6 pEt.) beträgt. Feuilleton. Auf des Lebens Aöh'. Erzählung von S. B. R o s n e r. 5) (Alle Rechte Vorbehalten.) Die großen Städte haben nicht minder, als die kleinen Krähwinkel ihre obronniue scandaleuse und zu deren Bedienung ein Heer pflichteifriger Chronisten und die Haute volee nicht minder, als der Kleinbürgerstand. Nur in den äußeren Umständen liegt der Unterschied. Dort glänzende Salons und Soireegesellschaften, hier einfache Stuben und Gevattersleute. Aber das Gemeinsame haben die ehrbaren Sippen hier wie dort, daß sie bei jedem neuen Anlasse in eine sensationelle Aufregung gerathen wie eine Schaar Spatzen, unter welche Samenkörner gestreut wurden, und lvelche im nächsten Augenblick über dieselben herfallen, um sie mit ihren Schnäbeln kurz und klein zu picken. Als ein solch willkommener Anlaß wurde von den vornehmen Kreisen der ungarischen Hauptstadt das unvermuthet plötzliche Auftauchen der Gräfin Kakay in der Stadt begrüßt. Die in der Familie herrschenden Verhältnisse waren genugsam bekannt, um diesem sonst so harmlosen Ereignisse die symptomatische Bedeutung als Vorboten nachfolgender, pikanter Verwickelungen zu verschaffen. Ilona that aus den Rath der Ihrigen wohl alles was dazu dienen konnte, ihre Anwesenheit in dem Lichte eines einfachen Besuches erscheinen zu lassen und vermied Alles, was die Klatschseelen in ihrer Witterung hätte bestärken können. Sie erschien oft in dem prächtigen Fichtenthal'schen Landauer an der Seite ihrer Mutter im Gewühle der Radialstraße und im Stadtwäldchen, ließ sich einen Abend im Opernhause sehen und Tags daraus wieder im Nationaltheater und fuhr bei allen Freundinnen und Bekannten vor, um ihre Visitenkarte abzugeben. Aber sie kürzte die Besuche nach Möglichkeit ab, denn sie mochte mit Recht besorgen, daß ihr unter den scharf firirenden Blickerl der Damen ihrer Bekanntschaft, bald die ruhige Maske entfallen würde, mit der sie ihr vor Schmerz zuckendes Herz verdeckte. Aber mit ähnlichen Kunstgriffen läßt sich der einmal wach gervordene tansendäugige wachgewordene Argus nicht wieder einschtäfern. Er verdoppelt vielmehr seine Achtsamkeit, und er that gut daran, denn so trafen ihn jene zwei Schüsse nicht ganz unvorbereitet, die eine Woche später an einem mürrischen Herbstmorgen unter dem gelichteten Laub eines Waldes in der Umgebung von Pest zwischen Arthur Fichtenthal und seinem gräflichen Schwager, Elömer Kakay gewechselt wurden und deren eine ihren Weg mitten durch's Herz des Grafen nahm. Diese zwei Schüsse befreiten