Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 45 (4.6.1896)
- Date
- 1896-06-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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840 die in der Persönlichkeit selbst und ihrer sittlichen Vollendung wurzelt und gipfelt. Das ist die Höhe, in der alles Weh seinen Stachel und jeder unlautere Genuß seinen Reiz verliert, die Höhe, welche zurück zu ihm führt, der uns die Thora gereicht, und zu dem den Weg nur Derjenige findet, der sich von Gottes Thora leiten laßt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 20. Mai. Hinsichtlich des Selbstmörders, des Lehrers Höxter aus Diepholz, der sich in der dortigen Synagoge erschossen, haben wir nach gewissenhaften Erkundigungen erfahren, daß es sich hier um einen geistig gestörten Menschen handelt, der sich in einem Augenblicke geistiger Umnachtung das Leben nahm, nachdem er schon längst den Glauben verloren und die Gebote unserer heiligen Religion derart mißachtet, daß er Anlaß gegeben, daß das zuständige Rabbinat sich in dieser Hinsicht mit ihm zu befassen hatte. Wir können also im Gegensatz zu anderen jüdischen Blättern weder die Gemeinde Diepholz noch sonst Jemand für die That eines Wahnsinnigen verantwortlich machen und bedauern nur den Unglücklichen, der mit sich, mit der Welt und mit seinem Gotte verfallen, so enden mußte. B. Königsberg, 27. Mai. Ueber die Abreise des Kaisers aus Prökelwitz schreibt man der „Elb. Ztg.": Am Samstag früh 4 Uhr fuhr der Kaiser wieder zur Jagd. Gegen 8 Uhr kam der Kaiser nach der Bahn gefahren. An der Haltestelle hatte sich ein zahlreiches Publikum eingcfunden. Unter dem Publikum befand sich auch der Spediteur Adolf Behrend aus Christburg, welcher früher, als der Kaiser noch Hauptmann war, beim Militär diente. In dem Pavillon auf der Haltestelle hatten die sämmtlichen Gäste des Kaisers Aufstellung genommen und verabschiedete sich hier der Kaiser von denselben. Hierauf rief der Adjutant den Vehrend mit lauter Stimme zum Kaiser. Der Monarch reichte dem B. die Hand, welche dieser ehrfurchtsvoll küßte. Der Kaiser unterhielt sich eine zeitlang mit Behrend, fragte nach seinem Ergehen und wie es mit seinem Geschäft stehe. Als B. hierauf geantwortet, sagte der Kaiser lachend : „Ra, Sie werden ja alle Tage vierkantiger." Bei der Entlassung gab der Kaiser dem Behrend nochmals die Hand und drückte ihm gleichzeitig ein Andenken in die Hand. Schlimm, 27. Mai. Vom 24. bis 26. d. M. weilte der Erzbischof Herr Dr. Stablewski aus Posen in hiesiger Stadt. Während dieser seiner Anwesenheit machten auch unser Herr Rabbiner Dr. Bamberg er in Begleitung zweier Vorstandsmitglieder demselben ihre Aufwartung. Herr Dr. Bamberger hielt eine kleine Ansprache, in welcher derselbe das gute Wirken des Herrn v. Stablewski für Erhaltung des religiösen Friedens hervorhob. Der Erzbischof erwiederte mit freundlichen Worten und erwähnte unter andern:, daß der Frieden ein Moment ist, dessen Beherzigung manche tiefe Schmerzen beseitigt hätte. An den Herrn Rabbiner sich wendend, bemerkte er noch, daß der Friede erforderlich sei und schloß mit den Worten: „Möge der Herr unsere gemeinsame Wirksamkeit segnen." —d. O e st er r. - U n g a r. Monarchie. Szezerzec (Galizien). Am vorletzten Samstag weilte der Metropolit Cardinal Stembratowitsch aus Lemberg bei Gelegenheit einer Kirchenvisitation in unserer Mitte. Roch bevor dieser edle Kirchenfürst seinen Einzug in unser Städtchen hielt, ging ihm der gute Ruf voran, und eben dieser Ruf brachte es mit sich, daß die jüdische Gemeinde beschloß, ihm entgegen zu gehen und ihn zu empfangen. Die Elite der Gemeinde begab sich, eine Sefer-Thora unter dem Baldachin in ihrer Mitte, zum anberaunrten Platz, wo sie der Ankunft des Cardiuals harrte. Run kam der Wagen gefahren unb der Aet, der vor sich ging, überzeugte uns, daß der edle Kirchensürst seinem Rufe vollkommen entspreche. Der Kutscher nämlich fuhr vorbei, ohne den Wagen anzuhalten. Als aber der Cardinal durch das Fenster eine jüdische Deputation gewahrte, befahl er dem Kutscher, anzuhalten. Obschon ein Greis, entstieg er dem Wagen und ging zu den ihn Erwartenden. Im Namen der Gemeinde begrüßte ihn Cultusvorstand Herr M. Klinghoffer und gab deren Freude bei Gelegenheit des Empfanges Sr. Hochwürden Ausdruck. Während dieser Ansprache stand tiefbewegt und gesenkten Hauptes und die Hände gefaltet über die Sefer-Thora der Kirchenfürst und erwiederte darauf in überaus freundlichen Worten Folgendes: „Ich danke Ihnen für die Ehre, die Sic mir crtheilt haben, ich danke Ihnen. Gott, der über uns alle regiert, der segne Euch! Amen." Darauf entfernte er sich. Doch damit begnügte sich der edle Kirchenfürst nicht, tagsdarauf hielt er in der Kirche eine Rede, in welcher er die vorzüglichen Eigenschaften der Juden hervorhob. Er ermahnte zugleich seine Zuhörer, mit den Juden in Eintracht zu leben; denn sie seien das erste Volk, von dessen Lehren das Christenthum viel in sich ausgenommen hat, und wie Fische ohne Wasser, so können die Nationen ohne Juden nicht leben. Die Rede machte aus die Zuhörer einen großen Eindruck und sie gaben ihren Gefühlen mannigfachen