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Der Israelit · 1896-06-04 · Heft 45 (4.6.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 45 (4.6.1896)
Date
1896-06-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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839 Ideale der Ahnen verlacht, und die von ihnen überkommenen Vorzüge des Geistes und Gemüthes lediglich benützt, materielle Interessen zu fördern, die gleicht dem unreinen Thiere, das mit goldenem Ring im Schlamme wühlt. Das Thier steigt nicht in der Achtung durch den goldenen Ring im Rüffel, man wird es abweisen und der Berührung mit ihm aus dem Wege gehen. Aber der Ring fällt in seinem Werthe. Er, der doch an und für sich begehrenswerth ist, theilt die Mißachtung des Trägers. Oder das seinem Lebensberus untreu gewordene Israel gleicht einem Weibe, das mit körperlicher Schönheit sittliche Häßlichkeit verbindet. Für die bittere Wahrheit, die in diesem Weheruf liegt, haben in unseren eigenen Reihen viele das Verständniß verloren. Sie glauben das Gold im Rüssel könne, müsse die Abneigung gegen ihn überwinden. Sie glauben, wenn die tiefer Blickenden und unbefangen Urtheilenden ihrer Umgebung, selbst im Morast das verunstaltete Gold noch zu würdigen wiffen, so gelte diese Würdigung ihnen! Von dem Pfuhl, in dem sie wühlen, möchten sie nicht laffen. Das dünkt ihnen ihre Freiheit, aus die sie sich viel zu Gute thun und sie allen denen absprechen, welche diese Rüsselweisheit verachten und die schmalen Wege wandeln, welche die Thora ihnen vorzeichnet. Deshalb knüpft R. Jehoschua ben Levi an diesen Weheruf vom Horeb, die tröstliche Ueberzeugung, daß er sich doch noch einmal Gehör verschaffen werde, selbst bei denen die ihm seit Jahrtausenden Ohr und Herz gewaltsam verschließen. Sie hat ja schon härteres, als Menschenherzen bewältigt, sie hat als Schrift den Stein selbst durchdrungen, und diese steinernen Gesetzestafeln zu n T;n nn1-, zu Tafeln des Zeugnisses für die unwiderstehliche geistige Macht gemacht, mit welcher Gottes Stimme und Gottes Schrift den festesten Kiesel selbst bewältigt. Was ist es denn, was die Herzen solchen Widerstand entgegensetzen läßt? Sie fürchten für ihre Freiheit, die sie verloren glauben, sobald sie sich unter das Gottesgesetz stellen und die sie in unbeschränkter Fülle zu besitzen wähnen, solange sie dieser göttlichen Lebensnorm scrupellos den Rücken kehren. Und doch ist diese ganze Voraussetzung eine Selbsttäuschung, in welcher die Menschen nicht ewig befangen bleiben können. Nicht derjenige ist frei, der thun kann was er will, sondern der ist es, der wollen kann was er soll. Wer thut was er will, der ist abhängig von seinem Willen. Er mag über alles Herr sein, über sich selbst, über seinen Willen ist er es nicht. Er ist der Slkave seiner Launen, seiner Leidenschaften, seiner Begierden, seines Magens und seines Sinnenkitzels. Wer ist frei? derjenige, der Morgens sich so lange der Ruhe hingeben kann als er will, oder derjenige, der sein Ruhebedürfniß so beherrscht, daß er sich schon in früher Stunde aus den Armen des Schlafes reißen kann? Wer ist frei? wer nach vollendetem Tagewerk spazieren gehen, Theater und Concerte besuchen kann, oder derjenige, der leichten Herzensauf diese Zerstreuungen verzichten und seine Mußestunden der eigenen Ausbildung und Vervollkommnung widmen kann? Um dieses zu können, muß Gotteswille das Menschenherz durchdringen, wie die Gottesschrift die Steintafel. Aber diese festen, gedrungenen, durch und durch gehenden Gotteszeichen, sind durch den Stein der sie umschließt, nicht beschränkt. Nicht der Stein begrenzt und beherrscht sie, die Gottesschrift durchbricht, vergeistigt und trägt den Stein, wie den Körper der Geist, wie den Leib die Seele. Stein und Schrift, Körper und Seele sie sind beide Gotteswerk, die in dieser Vereinigung den schneidenden Gegensatz zwischen Geist und Materie in vollendeter Harmonie auflösen. Der ist wirklich frei, der, wie tief auch die Thora und die Beschäftigung mit ihr im Kurs gesunken ist, dennoch die Einsicht und die sittliche Energie bewahrt, sich ihr voll und ganz hinzugeben, ohne sich durch das Kopfschütteln des groben Troßes darin beirren zu lassen. Allerdings gehört viel dazu Thora no«6 zu lernen und zu bethätigen und so dieser Freiheit theilhaftig zu werden, welche die Höhe und Größe ausmacht, die ihren Jünger über alles andere erhebt. Aber wen die unerreichbar scheinende Höhe dieses Hochziels abschrecken wollte, es anzustreben, dem legt R. Jehoschua ben Levi die tröstliche Versicherung nahe, nbpno ni nn mma po*yr ’o t>ai höher hebt die Thora jeden, der sich mit ihr befaßt. Wenn das höchste Ideal auch nur von dem erreicht wird, der rein und selbstlos der m*n sich hingiebt, so schließt das doch nicht aus, daß selbst eine Beschäftigung mit der m*n, welcher diese vollendete Lauterkeit der Gesinnung abgeht, ohne veredelnden Einfluß bleibt. .rvva VteSru n:noo Sie ist und bleibt die höchste, beglückendfte Himmelsspende, die der himmlische Vater der Menschheit gereicht, sie ist die nd'» na n'bn nsd unona, die fleckenlose Perle, der keine noch so schlechte Fassung ihren Glanz benehmen kann. Sie ist das Gotteserbe, das uns bleibt, wenn alle anderen Errungenschaften unserer Hand entsinken, ja, die sich in ihrer wahren Größe erst dann bewährt, wenn sie Ersatz leistet, für alles das, woran das Menschenherz hängt. Das Menschen-Erbe, womit wir bei unserem Scheiden unsere Kinder bedenken mögen, verschwindet bei allem Glanz gegen dieses unverlierbare Gotteserbe. Es allein zeigt die wahre menschliche Werthschätzung, die im Besitz und Genuß zu suchen und zu finden ist,

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