Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-06-04 · Heft 45 (4.6.1896) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 45 (4.6.1896)
Date
1896-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448649--41878-2490856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

838 und des Abfalls, den es dieser Stimme entzegenbrachte und der heiteren und schmerzlichen Consequenzen, die sich daraus für das Gottesvolk in seiner Gesammtheit, wie für jedes Glied in seiner Individualität ergeben. Die BundeStafeln und die heiligen Rollen der Thora sind nichts anders als die in Stein und auf Pergament fixirten Laute dieser Gottesstimme vom Choreb. Diese Stimme spricht vernehmlich zu Jedem, der diese heiligen Schriften öffnet, um sich ihren Inhalt anzueignen. Diese heiligen Laute sprechen noch heute zu keinem treuen Glieds des Gottesvolkes, ohne daß sich dasselbe diese Thatsache präsent hält und Gottes segnend gedenkt, nicht als denjenigen, der einmal die Thora gab, sondern als mw inu, als den, der sie noch heute täglich, stündlich jedem gibt, der sie entgegennehmen möchte. Diese Gottesstimme, die niemals aufhört, die immer neu das Ohr trifft und die Herzen ergreift, sie kennt und hört jeder. Aber das Ohr eines Rabbi Jehoschua ben Levi hört nicht nur diese Stimme vom Choreb, sondern auch den sie begleitenden Nachhall, welcher das Weh in Worte kleidet, das sich für die ganze Menschheit an die kränkende Mißachtung dieser Goltesstimme knüpft. Der unmittelbar vorangehende Spruch, welcher denjenigen, der sich in reiner Absicht mit der Thora befaßt, als hoch und erhaben über alle Geschöpfe stellt, findet die höchste Stufe dieser Höhe darin, daß er jede Kränkung verzeiht by ^nio\ Wer die Thora .ivvb lernt und erfüllt, ist über Mißachtung und Kränkung erhaben, die ihm seine Hingebung an die Thora einbringt. Wer aber deßhalb glauben wollte, man kann ungestraft die Thora und ihre Träger durch Mißachtung kränken, den erinnert R. Jehoschua ben Levi an das Weh, das vom Choreb herab über die ganze Menschheit selbst herabgerufen wird, wenn sie sich der Mißachtung der Thora schuldig macht. Alles Leid und alles Weh, an dem der Einzelne und die Gesellschaft leidet, alles fließt ausnahmslos aus der verächtlichen Geringschätzung, auf die Gottes Gesetze allenthalben stößt. Der herbste, schwerste Schicksalsschlag, dem alles einst anheimfällt, der Tod, der mit seinem Schatten auch das hellste Lebensglück verdüstert, er existirte nicht, wenn es keine Mißachtung der Thora gäbe, nvn ubi nrvo pn Es erfolgt kein Tod ohne Abweichen von der Lebensnorm, welche die D"n mm die Lebens-Thora Gottes vorzeichnet. Mit dem ersten Abweichen von Gottes Wille trat er in die Welt und er wird erst auf ewig verschwinden, wenn wir durch die rückhaltlose Hingebung an Gottes Gesetz, der Thalsache gewürdigt werden, daß Gott jede Thräne von jedem Antlitz trocknet und die Schmach seinem Volk abnimmt, unter der es schon lange leidet. Siechthum und Krankheit, diese Vorboten des Todes, sie nahten nicht dem Kreise der Menschen, wenn die Hochachtung vor Gott und seiner Thora im Menschenkreise heimisch wäre. „Wenn du sorgfältig hören wirst auf die Stimme Gottes deines Gottes und das in seinen Augen Rechte thust, ganz Ohr bist für seine Pflichten und beobachten wirst alle seine Satzungen, so werde ich alle Krankheit, die ich Mizrajim auferlegt habe, dir nicht auferlegen, denn ich Gott bin dein Arzt." (II. B. M., Cap. 15, V. 25). Armuth und Elend Mangel, und Hunger, Krieg und Verwüstung, alle diese harten Geißeln der Menschheit sie wandelten sich in Reichthum und Fülle, in Frieden und Harmonie um, wenn wir unsere Herzen der Thora öffneten und unser ganzes Leben und Genießen ihr unterstellten, wie sie dies selber an unzähligen Stellen ausspricht. Alle Krisen und Krämpfe, alle Zuckungen und Kämpfe, unter welchen ganze Raffen und Klassen sich vernichtend aufreiben, sie sind nichts als das verkörperte Weh, welches die Horebstimme über die Menschen wegen der Verachtung der Thora hinausruft. Gilt dieser Weheruf aber ausnahmslos allen Menschen, welche erschütternde Wahrheit hat er dann erst für die jüdischen Menschen! Israel hat seinen ganzen Beruf, und damit die Existenzberechtigung eingebüßt, wenn es der Thora verächtlich den Rücken kehrt. Israel ist thatsächlich *y>ni, lebt in Acht und Bann, ist hier und dort verloren, wenn es die bedingungslose Hochachtung vor seiner Thora verloren hat. Seine Propheten haben es mit Vorliebe mit dem Weinftock verglichen, der die edelste Frucht erzeugt, welche Gott und Menschen erfreut. So ist die treue, freie Erfüllung des göttlichen Willens, wie sie Israel durch unablässige Hingabe an seine Thora heiligen sollte, die herrlichste Frucht, welche dem Vater der Menschheit die Menschenerde zur Reife bringt. Erfüllt der Weinstock seinen Zweck nicht und trägt keine Früchte, so ist er zu nichts nutze, man kann sein Holz für keine Arbeit verwenden, er ist weniger werth als der letzte Baum in Feld und Flur. Dasselbe ist bei Israel der Fall. Wenn es seinen einzigen, ihm von Gott vorgezeichneten Beruf verfehlt, so ist es geringwerthiger als alle Menschen auf der Erde. Es gleicht dem Rüsielthier, das mit einem goldenen Ring geschmückt ist. Die Thora ist der goldene Reif — “it nryj ry *6 rwyj rc; — der in Ehren getragen, Israels höchste Würde bildet und dessen unwürdiger Gebrauch es verfehmt und ächtet. Der Flügelschlag des Thorageistes hat das Gottesvolk mit einer Regsamkeit des Geistes, mit einer Schärfe des Verstandes ausgestattet, die sich selbst bei einer Generation geltend machen, welche selbst bereits der Thora den Rücken kehrt, aber von den Eltern und Großeltern die geistigen Vorzüge ererbt hat, die von der Hingebung an die Thora unzertrennlich sind. Eine Generation, die aber die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.