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Der Israelit · 1896-06-01 · Heft 44 (1.6.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 44 (1.6.1896)
Date
1896-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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824 Millenniums-Ausstellung in Budapest nebst den geistlichen Chefs der Mohamedaner, Orthodoxen und Katholiken unserer Provinz — Bosnien war einst dem Königreiche Ungarn unterthan — auch der hiesige Chacham-Baschi, Rabbi Abraham Avino, geladen wurde, welcher dieser Einladung auch bereitwilligst Folge leistete. In Bosnien und der Herzegowina zusammen leben etwa 6000 Juden, die also kaum einen nennenswerthen Bruchtheil der Bevölkerung dieser zwei Provinzen bilden. Und doch sieht der Reichsfinanzminister Freiherr v. Kalley, welcher diese zwei Provinzen verwaltet, stets strenge darauf, daß bei jeder Gelegenheit auch die Synagoge unseres Landes gehörig und würdig vertreten sei. Aus Siebenbürgen, im Siwan. Am Erew Schowuos veranstaltete das Comitat Solnok-Doboka in der Hauptstadt Dees eine sollenne Millenniumsfeier, die vielleicht einzig in ihrer Art war. Die geistlichen Vertreter aller Confessionen hielten am Hauptplatz, vor einer nach mehreren Tausenden zählenden Menge ihre Festreden, die die Einleitung zur Feier des ganzen Tages bildeten. Die jüdische orth. Gemeinde hat zu diesem Zwecke den in unseren Kreisen von jeher hochgeschätzten Oberrabbiner aus Also-Rubin Herrn I. Horwitz eingeladen, der auch dem Wunsche der Iudeuschaft gütige Folge geleistet hat. Die Mitwirkung des ehrw. ObcrrabbinerS war für unsere Gemeinde hochehrend. Keine Rede wurde mit solchen Beifalls-Kundgebungen ausgenommen, als die des Herrn Rabbiners. Jeder Satz wurde mit stürmischen „Eljen's" der vielen Tausenden begleitet. Sein herzerhebendes Gebet für das Vaterland hat viele Anwesende zu Thränen gerührt. Und als der ehrw. Redner zum Schlüsse erwähnte, daß er als Rabbiner und Vertreter der jüdischen orthodoxen Gemeinde den Segen aller Segnungen, aus dem laufenden Wochenabschnitte, allen Anwesenden Patrioten ertheile, da war der Jubel am großartigsten. Während dieses Gebetes haben über Anregung des O b e r g e s p a n s alle Honoratioren den Kopf bedeckt. Der Obcrgespan beglückwünschte hierauf den Rabbiner, sprach ihm seinen herzlichsten Dank dafür aus, daß er die weite Reise nicht gescheut und lud ihn persönlich zur Ehren-Sitzung des Comitates. Als der Rabbiner in die Wohnung des Vorstehrs ging, wurden ihm auch auf der Straße herzliche Ovationen bereitet. Am Nachmittag war großes Bankett und nebst den 1160 Theilnahmern, unter denen zahlreiche Magnaten, Deputirte, hohe Beamte und Militärs, waren circa luo Juden, streng religiöser Richtung, für die der Obergespan unter Aufsicht der Gemeinde für streng koschere Speisen sorgen ließ. Mit Rücksicht auf die jüdischen Theilnehmer speisten alle Anwesenden bedeckten Hauptes. Von den Gästen aufgerufen, hielt der Rabbiner auch hier eine zündende Tischrede, die jeden geradezu zur Bewunderung hinriß, der Obergespan dankte dem Cultusvorsteher Herrn S. Rosenberg für die hochpatriotische Theilnahme feiner Gemeinde und versicherte denselben, daß diese Kundgebung unser er Ge me in de den Glanz der Milleniumsfeier sehr wesentlich erhöht hat. Auch andere Theilnehmer, den verschiedenen Confessionen angehörend, überbrachten dem Rabbiner Horowitz korporativ ihre Glückwünsche, der auch in einigen Trinksprüchen sehr ehrend gefeiert wurde. Notorisch bekannte Antisemiten erklärten, nun eines Bessern belehrt zu seien. — Am darauffolgenden Schowuos wurde der hochw. Gast in unserer Gemeinde mit allen gebührenden Ehren und Würden ausgezeichnet. Bei der Abreise begleiteten die Cultusvorstände ihren hochgeschützten Gast zum Bahnhof und dankten ihm innigst für die in ihrer Vertretung ausgeübtc, in der Gemeinde und im Comitate unvergeßlich bleibende Theilnahme an dem großartig gelungenen Feste. Italien. (P. M.) Venedig, 4. Mai. ivin uidj. Wir machen Rückschritte, und kehren hierzulande langsam wieder zum Götzencultus zurück. So hat der hiesige Rabbiner, Herr Porto-Coen, jetzt gestattet, daß man auf dem Friedhofe auf dem Grabe eines Verstorbenen dessen Statue aufstellen dürfe!!! Türkei. Konstantinopel. Der muselmännische Papst, der Scheich ul-Jslam, empfing vor einiger Zeit in Konstantinopel den Correspondenten eines deutschen Blattes, und während einer längeren Unterredung, die er mit dem deutschen Journalisten hatte, betonte er ganz besonders die Toleranz, welche die Grundlage der Glaubenslehre des Islam bildet: „Es ist ganz falsch," sagte der Scheich, „wenn man behauptet, daß der Islam Haß gegen das Chriftenthum predigt. Nichts Aehnliches findet sich in unseren Dogmen, die keinen Religionshaß zulassen. Nach unseren Gesetzen sind alle U'ckerthanen des moslemischen Staates gleichberechtigt, seien sie Juden, Mohammedaner, Christen u. dgl. Alle, ohne Unterschied des Glaubens, erfreuen sich bei uns gleicher Rechte. Ueberhaupt darf der Islam eine absolut demokratische Religion genannt werden. Die Türken gehen in ihrer religiösen Toleranz viel weiter als die Christen. Es wäre wahrlich Zeit, daß Europa zu der Uebezeugung käme, wie irrig die Vorstellungen über türkischen Fanatismus und mohammedanisch religiöse Unduldsamkeit sei." Beim Abschied sagte nochmals der

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