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Der Israelit · 1896-06-01 · Heft 44 (1.6.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 44 (1.6.1896)
Date
1896-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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822 liches fremd. Wenn er in seiner Thora z. B. Hilchot Schabbos nvre-d lernt, so macht ihn die Vertiefung in die 39 verbotenen Werkthätigkeiten mit dem Pflügen, Säen, Ernten und den Verrichtungen des Landmanns, des Jägers, des Webers, Schneiders, Schreibers u. f. w. bekannt. Masechoth Erubin führt ihn in das Gebiet der Mathemathik und Stereometrie, Kilajim eröffnet ihm die Botanik, Chullin macht ihn zum Physiologen und Anatomen, Seder Nesikin zum Kaufmann und Juristen, Kiddusch Hachodesch zum Astronomen u. s. w. Wo gäbe es ein Gebiet, für das sich Jemand Rath bei einem Thoragelehrten suchen möchte, auf dem er sich nicht heimisch wüßte, für das sein Studium nicht eine Fülle von Beziehungen und Anwendungen hätte?! Und nicht nur Rath nxy, auch rmn, tatsächlichen Beistand wird der aufrichtige Jünger der Thora jederzeit spenden, soweit es nur seine Mittel gestatten. Er wurzelt ja in seiner Thora, bei der nicht Wisien, sondern Thun und Leisten, der Maßstab für menschliche Werthschätzung ist, die ihre Großen nicht nach ihrer Gelehrsamkeit jno »iwn no:n ’bun, sondern nach ihrer Lebensart 7wpv 'mn nennt. Selbst wo der Erfahrung und dem Können, dessen, der nvvd min lernt, die allem menschlichen Streben und Wollen gezogene Schranke entgegen steht, versagt seine Weisheit nicht. Er schließt und folgert das Unbekannte aus dem Bekannten, das Fremde aus dem ihm Geläufigen, kraft seiner geistigen Regsamkeit und Thätigkeit, welche hier rme d. i. Einsicht, oder richtiger s. v. v. Zwischen-Sicht genannt wird, weil sie w imo nm pao, einen Gegenstand aus dem andern abzuleiten, oder, wie wir sagen würden, zwischen den Zeilen zu lesen versteht. Mehr aber als alle diese geistigen Vorzüge, ist es die sittliche Ueberlegenheit, die mDj die sittliche Macht, mit welcher der ncfft» miro pmy seiner Umgebung durch sein anregendes Lebensbeispiel zum Glück und zum Segen wird. Im Besitz dieser sittlichen Macht, mit welcher nach unserem täglichen Morgengebet Gott selber Israel quittirt, sind die gefeierten Träger der Thora ihrem Volke das leuchtende Vorbild für die hingebende Treue geblieben, mit welchem es alle Drohungen und Lockungen abwies, die es seinen Idealen untreu machen wollten. Die Thora, welche die Welt in ihrer alles umfassenden Bedeutsamkeit bis zur Stunde verkennt, deren rückhaltlose Verwirklichung im Leben sie verfehmt, dieser Thora trotz aller Verkennung und Anfeindung das ganze Leben vom ersten erwachenden Bewußtsein bis zum letzten Athemzug zu weihen, dazu gehört eine wahrhaft königliche Macht, die ihre Besitzer mit und ,-6ipdd mit Königthum und Herrschaft ausstattet. Nicht als ob alle redliche Thorabeflissenen mit Hermelin und Scepter betraut würden; das ist gewiß nicht der Fall. Aber sie üben ein Königthum im Reiche des Geistes, eine Herrschaft über alle sich ihnen erschließenden Gemüther aus, die von keiner irdischen Majestät erreicht oder gar übertroffen wird. Unser todter Moses, wagte einst ein jüdischer Weiser dem blutdürstigen Kaiser Nero zu sagen, übt in seinem Tode noch heute eine größere Herrschaft aus, als Du in Deinem Leben. Wenn Du ein Gesetz erließest, daß sämmtliche Uuterthanen des großen römischen Reiches 24 Stunden lang kein Licht anzünden dürfen, hättest Du die Üeberzeugung, daß Dein Wille überall respektirt würde? Als Nero dies verneinte, entgegnete der Weise °, aber unser längst verstorbener Lehrer hat uns ein solches Gesetz hinterlassen und es wird noch Jahrtausende nach seinem Tode befolgt. Dieser römische Cäsarenwahn nützte seine irdische Majestät zur Verkümmerung des Rechts und zur Festigung seiner Gewalt aus; deßhalb reichte seine irdische Majestät nur soweit als die Gewalt reichte. Der mina pop steht aber mit seiner Thorakunde im Dienste des Rechts, in der Entscheidung, Feststellung und Klärung dessen, was Recht ist y"i mp-li. Deßhalb ist das Königthum, womit ihn der Geber der Thora betraut, ewig und unüberwindlich wie die Wahrheit, dein es dient. Diese materielle, äußere Schwäche verbunden mit einer die Geister und Gemüther in königlicher Machtfülle beherrschenden Macht, läßt den mit dieser Herrschaft Begnadeten eine Ahnung von der geheimen Wunderkrast aufgehen, mit welcher Gott seine Thora ausgestattet hat. mm nn r^jcn. Der Besitz dieser Wundrrmacht erfüllt ihren Besitzer nicht mit trägem Stolze, sondern drängt ihn aus sich heraus dieses göttliche Gnadengeschenk der nun noch zu ergänzen und zu vervollkommenen. Es macht ihn einer Quelle gleich, die nie versiegt und wie einen Strom, der aus sich heraus immer stärker wird. Er bleibt deßhalb zurückgezogen ohne jedes Verlangen mit seinen geistigen und sittlichen Vorzügen zu prunken, er bewährt die Ausdauer — das ist wohl “pn, während cdn -p« die Langmuth ist — die zur Aneignung seiner Thorakenntnisse nöthig war, nun zu ihrer immer größeren Vermehrung und erreicht damit eine sittliche Hoheit, die ihn jede Kränkung verzeihen läßt, weil sie von unehrlicher Böswilligkeit nicht erreichbar ist. Denn er steht in Wahrheit groß und hoch da und überragt in seiner sittlichen Größe seine ganze Umgebung, mm -cnnon -imei pme uw ppvv rwjw hy inDonoi uiaVv dp nn pwi jmx .D'tyycn b2 (Fortsetzung folgt.) i

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