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Der Israelit · 1896-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1896) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1896)
Date
1896-05-28
Page
– (sequence 26)
Language
German
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.W%jWqn|PRfpPV9PR|!liPq 818 senden Personen waren durch Handschlag zum Stillschweigen verpflichtet worden. Sie waren auch selber zu froh, einmal durch einen grausigen Vorfall, der so angenehm-tragische Folgen haben konnte, etwas aus der Lethargie der täglichen Langweile gerissen zu werden, als daß sie sich um diesen Genuß durch eine Anzeige bei der Polizei gebracht hätten. Und als Isidor vor dem Schlafengehen die Eltern zärtlich küßte und zu Pauline sagte: „Wecken Sie mich morgen um 5 Uhr, ich habe mit den Herren, die heute bei mir waren, einen kleinen Ausflug verabredet," da war die Mutter ganz stolz auf die vornehmen Bekanntschaften ihres Sohnes. Dem Kellner aus der „goldenen Gans" drückte das Verschweigen des Vorfalls, dem er als Zeuge beigewohnt hatte, fast das Herz ab. Er hatte versprochen, Nichts zu sagen, aber errathen lassen konnte er es doch wenigstens Jemanden, ohne daß er dafür zur Rechenschaft gezogen werden konnte. In der Frühe des anderen Morgens — die Ungeduld hatte ihn zeitig Hinausgetrieben — stand er daher schon vor der Thür und lauerte auf einen Bekannten, der ihm die Last von der Seele nehmen sollte. Da geschah es, daß gerade zu dieser Zeit Herr Bär Friedländer seinen Laden öffnete und breitspurig, die Hände in den Hosentaschen und die Pfeife im Mund, davor stehen blieb. „Morsen!" nickte der Kellner herablassend hinüber und der spiegelglatte Scheitel glänzte in der ausgehenden Sonne. „Was giebt's Neues?" „Das möcht' ich eher Sie fragen," rief Friedländer hinüber. Darauf hatte der Kellner gewartet. Er kam eiligst über die Straße. „Mein lieber Herr Friedländer," sagte er gönnerhaft, „Neuigkeiten genug — aber Sie wissen — meine Vertrauensstellung verlangt Discretion." Er machte die Miene eines Diplomaten, der ein Staatsgeheimniß zu bewahren hat. „Na, ich kann mir schon denken, was Sie mir nicht sagen dürfen," erwiederte Friedländer kopfschüttelnd. „Die Herren haben wieder die ganze Nacht durchgespielt, der Herr von Wickede obenan. Auch ein Vergnügen!" kritisirte er von seinem subjectiven Standpunkte aus und zog die Augenbrauen verächtlich hoch. „Was — was wissen Sie von Herrn v. Wickede?" fragte der Kellner mit affectirter Aengstlichkeit. „Hat Ihnen Jemand etwas gesagt? Wir Herren, die dabei waren, haben ja alle Stillschweigen gelobt. Discretion Ehrensache!" setzte er mit erhobenem Finger dumpf hinzu. „Gar nichts weiß ich," wehrte Friedländer ab. „Ich mein nur so, weil das doch oft genug bei Ihnen vorkommt." „So, so, ich glaubte schon, es hätte Ihnen Jemand etwas verrathen, weil Sie doch mit Graumann's befreundet sind." „Warum? Was ist mit Graumann?" fragte Friedländer, aufmerksam werdend. „Nichts, nichts," sagte der Kellner mit schlauem Gesicht. „Ich meine übrigens auch nur den jungen Graumann, den Referendar." Wie durch diesen Namen magnetisch herbeigezogen, stand auf der Schwelle, die in eine angrenzende Stube führte, Fräulein Regina. „Was ist mit dem jungen Graumann?" erkundigte sich der Vater. „Gar nichts!" sagte der Kellner mit erkünstelter Gleichgültigkeit und schlug ein Bein über das andere. — Und nach einer Pause, als Niemand Miene machte, ihn weiter auszufragen, setzte er aus freien Stücken hinzu: „Wohl der einzige Sohn unter den vielen Töchtern?" c>. >/ „Hm! hur! hm!" machte er bedauernd. „Die armen Eltern!" „Was ist denn los, Herr Georg?" fragte Friedländer ängstlich und zog ihn in den Laden und Regina trat aufhorchend näher. „Na — wenn Sie die armen Eltern vielleicht vorbereiten wollen — Sic sind ja dort Hausfreund — sagen Sie jedenfalls, sie sollen sich auf's Schlimmste gefaßt machen, damit sie nicht §it sehr erschrecken, wenn sie's plötzlich erfahren. — Mehr darf ich nicht sagen, Discretion Ehrensache!" „Sie Schlemihl, reden Sie schon raus und ziehen Sie einem die Neschome nicht stückweise aus dem Leib!" schrie Friedländer, den die gewohnte Höflichkeit bei der Angst um den Freund verließ. „Was wissen Sie vom jungen Graumann?" Erfaßte Georg beim Rockkragen und hielt ihn krampfhaft fest. „Ja, wenn Sie Gewalt anwenden, dann ist Diskretion keine Ehrensache mehr," sagte der Kellner, hocherfreut seine schreckliche Neuigkeit endlich an den Mann bringen zu können. „Aber Sie müssen mir bezeugen, daß ich nur der Gewalt gewichen bin. Also! Der Referendar Graumann und Lieutenant v. Wickede baben soeben ein Pistolenduell im Wäldchen." Ein schriller Doppelschrei folgte dieser Mittheilung und der Kellner fühlte eine stolze Genugthuung über die Wirkung seiner Worte. „Warum? Was ist denn vorgefallen! Barmherziger Gott!" rief Regina außer sich. „Reden Sie doch schon!" schrie wüthend ihr Vater. „Ja, wenn Sie mich durchaus zwingen," sagte selig lächelnd der Kellner. Dann ergoß er sich in eine ausführliche Schilderung des gestrigen Vorfalls. Friedländer und Regina ließ die Unruhe nicht

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