Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1896)
- Date
- 1896-05-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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802 So zielt die Beschäftigung mit der Thora, um ihrer selbst willen und die Erfüllung ihrer Pflichten aus Schritt und Tritt unabweisbar darauf hin g erecht zu sein und zu bleiben. Aber sie bleibt dabei nicht stehen. Ihr Geist erzieht nicht nur zur Jnnehaltung des strengen Rechts, sondern er geht noch darüber hinaus, und lehrt die von ihnen durchdrungenen Maßnahmen treffen, die weiter reichen, als es die bloße Pflicht verlangt. Aus dem pNL wird ein Ton. Aus dem Gerechten wird ein Frommer, der sich selbst Erlaubtes versagt, sobald dasselbe zur Antastung des gesetzlich Gestalteten und Verbotenen führen könnte. Während der Gerechte, wie wir gezeigt, die Liebe zum Gesetz erhebt, übt der Chasid das Gesetz aus Liebe, rwvi nuy die Bescheidenheit und die Gottesfurcht, in welche die Thora ihre Lieblinge kleidet, haben zur Folge, daß die D’pHä und O’Tm Gerechte und Fromme werden. Die Bescheidenheit, die den Eigenwillen und Eigennützen zurücktreten läßt vor dem Willen Gottes, wie derselbe in der Thora ausgesprochen ist, bildet den eigentlichen Boden für die Gesinnung, die diesem Willen und damit ihrer ganzen Umgebung gerecht werden möchte. Die Gottesfurcht, welche eben fürchtet diesem Willen zu nahe zu kommen, zieht die Grenze des gesetzlich Gestatteten noch enger und verzichtet freudig auf hundert selbst erlaubte Genüffe. ehe sie sich der bloßen Möglichkeit aussetzt, an Verbotenes auch nur zu streifen. Uno dennoch bleibt dieses mp-iy und nwon frei von aller Schwärmerei und Sentimentalität, frei von jeder Uebertreibung und Extravaganz. Wer durch Hingebung an dö*6 rrnn ein Toni pn» geworden ist, der wird eben kein nun? TDn, kein thörichter Chasid, er bleibt "w gerade und idw zuverlässig, treu. Der göttliche Born der Thora, aus der seine Frömmigkeit quillt, schützt ihn vor allen Abweichungen und Wandlungen, denen falsches Chaßidus so leicht ausgesetzt ist. (Fortsetzung folgt.) Zeltrrngsrrachrichte» und Correspondenzen. Deutschland. Gießen, 25. Mai. Die Entscheidung des Großherzoglich Hessischen Ministeriums: daß in der Provinz Starkenburg von Staatswegen zwei Rabbiner, ein orthodoxer und ein Reformer zu bestellen feien, hat auch bei den meisten Israeliten in Oberheffen einen freudigen Wiederhall gefunden. Was dort recht ist, ist hier billig. — Das Rabbinat in der Provinz Oberheffen zählt zu den größten im deutschen Reiche; da nicht weniger wie 108 Gemeinden dazu gehören. Die ganze Seelsorge dieser großen Provinz war bis vor Kurzem in den Händen eines 90jährigen Greises gelegt, der längst nicht mehr im Stande war, seine Fürsorge sämmtlichen Institutionen so zu widmen, wie es die Juden der Provinz, die zumeist religiös sind, wünschen. — Wo die Gemeindevorstände nicht selbst für ihre religiösen Interessen eintraten, da lag alles brach. Da thaten sich vor Jahresfrist etwa 50 Männer aus der Provinz zusammen, gründeten einen Verein zur Erhaltung der heil. Emunah und bestellten einen Rabbiner in der Person des Hr. Dr. Hirschfeld, der sich unendliche Mühe giebt, die verwahrlosten Zustände zu verbessern und unsere DTn zu erhalten. Da diese Stelle wohl von der Regierung genehmigt, aber bis jetzt nicht wirklich staatlich errichtet ist, so hat der obengenannte Verein an das Ministerium die Bitte gerichtet, Herrn Dr. Hirschfeld von Staatswegen anzustellen. Der Vorstand der Hauptgemeinde, dem Hr. Dr. Hirschfeld wegen seiner strengen Religiosität ein Dorn im Auge ist, suchte diesen Wunsch zu vereiteln. — Man sandte Flugblätter an die Vorstände in Oberhessen, in welchen behauptet wurde, daß der Großherzogl. Rabbiner noch rüstig und es pietätlos gehandelt sei, wolle man bei Lebzeiten des Herrn Dr. Levi einen zweiten Rabbiner anstellen. Die ganze Reform wirkte in diesem Sinne und ein anderer Vorsteher einer Provinzgemeinde, der als Reformer bekannt ist, machte bei der Negierung eine Eingabe, die u. A. die von ihn: selbst wohl nicht geglaubte Behauptung enthielt, daß es ein Unglück für die Provinz wäre, wenn ein orthodoxer Rabbi bestellt würde. Run tritt die Reologie mit einem anderen Projcet hervor, welche der Tendenz ihres früheren Flugblattes völlig entgegen läuft. Alan bittet die Regierung einen Rabbiner von gemäßigter Richtung (darunter verstehen die Herrn, wie sie es Jedem sagen, die Richtung des Dr. Levi) zu bestellen, so daß längstens bis 1. Januar 1897 die Stelle besetzt fei. Obgleich die ineisten Juden der Provinz religiös sind und einen streng religiösen Rabbiner wünschen, soll ihnen ein Reform-Rabbi vom Schlage des Herrn Dr. L.vi aufoktroyirt werden. Wenn man in Betracht zieht, daß die Gemeinde Gießen erst ein Fünftel zum Gehalt des Rabbiners zahlt, während vier Fünftel von den jüdischen Bewohnern der Provinz aufgebracht werden muß, so ist es selbstredend, daß die Landgemeinden auch mitzusprechen haben. Die Juden der Provinz werden gewiß keinem Neologen ihre Stimme geben. Darum haltet Wache Ihr Israeliten von Oberheffen r-^i D*r vb Hin not*. Auch Er wacht; Er schläft und schlummert nicht der Hüter Israels — der himmlische Vater, der gewiß alles zum Guten lenken wird.