Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1896)
- Date
- 1896-05-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXTII. -Jahrgang. Erste Seil. M M 42 5.- 43 -es ^Israelit". Leitender Artikel. Sprüche der Däter. Sechstes Buch. IV. Mainz, den 27. Mai. drvNTi p “npnici , jcnji -IL" ven P"!L nrnP irnttooi mojn m’3 n*^nm näj? pjrui rro* 'Tp <n:pp^ .'dt niDj *b nj’3 'Jn n’Kom nsy 'S „S ie befühigt ihn, gerecht, from ni, gerade und treu zu werden, sie hält ihn fern v o m Leichtsinn und bringt i h ni sittliches Verdienst, man hat von ihn: N ath und Beistand, Einsicht und Stärke, denn es ist gesagt: „Me in ist R ath und Be istand, ich bin Einsicht, mein ist Stärke." Die selbstlose Beschäftigung mit der Thora befäyigt ihre treuen Jünger g e recht zu werden. Wer Menschen und Dinge immer und ausschließlich mit Rücksicht auf das Gottesgesetz betrachtet, der wird sich und ihnen gerecht. Wem Selbstinteresse und Eigennutz die Maßstäbe sind, die er zur Würdigung seiner Umgebung und seines eigenen Sollens und Wollens anlegt, der muß ungerecht urtheilen und ungerecht sein. Im Grunde genommen sind die Vorschriften der Thora ja nichts anders als die Anleitung, lvie man Gott, sich selbst und seiner Umgebung gerecht wird, llm allein und allen gerecht zu werden, müßte man eine Kenntniß aller Personen und Dinge besitzen, die kurzsichtigen Menschen ohne Belehrung von dem Schöpfer aller Dinge unmöglich ist. Die Gerechtigkeit, welche Menschen ans Grund ihrer eigenen Eingebung üben, ist in vielen Füllen dem vollständig entgegen gesetzt, was Gottes weiser Wille als gerecht bezeichnet. Es ließen sich dafür unzählige Beispiele und Beweise anführen so mannigfaltig wie das Leben, dem sie entnommen sind und wie die Vorschriften der Thora, welche uns zu der von Gott geforderten Gerechtigkeit anhalten. Sich der Armen und Schwachen annehmen, ist nach gewöhnlicher menschlicher Auffassung eine Forderung der Menschenliebe und des Erbarmens. Rach göttlicher Vorschrift ist die Hilfeleistung, die wir Hilfsbedürftigen gewähren, eine Forderung der Gerechtigkeit, wie dies schon der Name np-ix ausspricht. Der Unterschied zwischen diesen beiden Anschauungen ist ein tief einschneidender. So lange die den Armen zu gewährende Unterstützung ein Akt der Gnade ist. so lange hängt sie von der Laune und dem guten Willen des Gebers ab, so lange ist sie geeignet den Spender hochmüthig zu machen und den Empfänger zu degradiren. Sie macht Begüterten zu Richtern, wo sie Helfer sein sollen und wie die tief gehenden Unterschiede alle heißen. Wer sich der Zeit und ihren jeweiligen Anschauungen hingibt, wird den Armen nicht gerecht und wenn er auch von seinem Ueberfluß mit vollen Händen Unbemittelte bedächte. Es entstehen dann die schweren Krisen, welche unserer Gegenwart ihre Signatur verleihen, daß die Enterbten und Zurückgesetzten bittend, trotzend, drohend ihr Recht verlangen. Wer aber den Anforderungen der Thora gerecht wird, wird auch denen gerecht, die nicht durch Almosen, sondern durch rechtmäßige Pflichtleistung zufrieden gestellt sein möchten. Nach menschlicher Anschauung ist es nur recht und billig, daß ich mein Kapital so gut ausnütze, als ich es eben vermag. Gottes Gesetz verlangt eine Einschränkung dieses Rechts und eine empfindlichc Einbuße des aus dem Kapital zu ziehenden Nutzens, indem es nicht etwa nur den Wucher, sondern jeden Zins von jedem zu nehmen verbietet, der ebenfalls mit mir auf dem Boden dieses Gesetzes steht. Die Welt, welche dieses Recht bestreitet, seufzt unter der Macht des Kapitals, die täglich größere Dimensionen anni'nmt und reibt sich in einem Kampfe auf, der undenkbar ist, bei der Verwirklichung des Rechts, welches die Thora lehrt. Was die Menschen eine Veredlung von Pflanzen und Thieren nennen, gilt dem Gesetz der Thora als eine Entartung und Verkümmerung. Sie lehrt allen Ereaturen durch gewissenhafte Einhaltung ihrer Eigenart gerecht werden und verbietet jede Mischung, welche die Eigenart aufhebt. Es gehört eine große Summe biologischer und psychologischer Kenntnisse dazu, um sich ein Urtheil darüber zu bilden, welche Tödtungsart die schonendste zweckentsprechendste, kurz welches Verfahren einzuhalten ist. um der Kreatur, nicht nur in: Leben, sondern im Tode selbst gerecht zu werden. Ob dieses Urtheil dann ein unbestreitbar richtiges ist, erscheint bei der großen Verschiedenheit der Ansichten über diesen Punkt in hohem Grade zweifelhaft. Wer die Thiere nach der Anleitung des Schöpfers der Lebens¬ und Todesbedingungen von Thieren und Menschen tödtet, hat das Bewußtsein, daß er dem Thiere gerecht wird, auch wenn er nicht in der Lage ist, dieses Verfahren wissenschaftlich zu begründen. Wir werden uns selber, unserer körperlichen, seelischen und sittlichen Seite unserer Persönlichkeit gerecht, wenn wir dasjenige genießen, was die Speisegesetze der Thora uns gestatten und dasjenige von uns weisen, was sie uns verbieten.