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Der Israelit · 1896-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1896)
Date
1896-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r'^ 798 Rußland. St. Petersburg, 15. Mai. Letzten Sonntag wurde der hiesigen jüdischen Gemeinde endlich Gelegenheit gegeben, einem ihrer hervorragendsten Mitglieder und Förderer eine alte Dankesschuld abzutragen. An diesem Tage wurde das fünfundzwanzigjährige Arzt-Jubiläum des gefeierten, erfolgreichen Vertheidigers unserer rituellen Schlachtmethode, des Herrn Hofrath Dr. I. Dembo, festlich begangen, und die hervorragendsten Vertreter der hiesigen Judenheit fanden sich zahlreich zusammen, um dem wackeren, unermüdlichen Kämpfer die wohlverdienten Ehrungen zu erweisen. Eigentlich war diese Feier schon für den 7. Januar d. I., als den Tag, an welchem Dr. Denrbo vor 25 Jahren seine medieinischen Studien abschloß, in Aussicht genommen, mußte aber wegen der Erkrankung und des bald darauf erfolgten Hintritts des Oberrabbiners von Kowno, Rabbi Jizchak Elchanan Spector ^xt, eines persönlichen Freundes und Verehrers des Jubilars, auf einen späteren Termin verschoben werden. Jndeß, wenngleich die Feier jetzt noch merklich unter dem Eindruck jenes schmerzlichen Ereignisses stand, insbesondere weil ja den Veranstaltern derselben der Antheil, den der verewigte Gesetzeslehrer an den Kämpfen und Siegen des Dr. Dembo für die heilige Sache unserer Religion und unseres Volkes genommen, bekannt war, so war doch der Verlauf ein großartiger, die Stimmung eine so gehobene, daß der gefeierte Jubilar für die eingetretene Verzögerung mehr als reichlich entschädigt wurde. An der Spitze des Conlites stand Baron David Günzburg, in dessen Hause auch die Feier stattfand. Dieselbe wurde durch eine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede des Herrn Barons Naphtali Horaz Günzberg eröffnet, in welcher derselbe die Verdienste des Gefeierten um die Bekämpfung der Anti - Schacht - Agitation in Rußland und in Westeuropa beleuchtete. Hierauf sprach Rabbiner Dr. Drabkin dem Jubilar Namens der Petersburger jüdischen Gemeinde für die mannigfachen Dienste, welche er derselben geleistet, herzlichen Dank aus. An die Verlesung der Telegramme und Glückwunschschreiben, welche Herrn Dr. Dembo aus Anlaß der Feier, von verschiedenen Gemeinden und Korporationen des In- und Auslandes zugegangen waren, schloß sich ein Festessen, welches durch zahlreiche Trinksprüche gewürzt wurde, von denen der des Herrn Prof. Chwolson, sowie der des Jubilars selbst einen geradezu sensationellen Eindruck machten. Letzterer theilte in einer geistreichen, formvollendeten Selbstbiographie interessante Einzelheiten aus seinem arbeitsreichen Leben mit, namentlich Episoden aus der Geschichte seines Kampfes für die Schechita. Bis spät nach Mitternacht blieb die illustre Gesellschaft in gehobener Stimmung beisammen, und die Erinnerung an die schöne Feier dürfte nicht so bald aus ihrem Gedächtnis; schwinden. Im Anschluß an diesen Bericht mag folgendes uns von Herrn Hofrath Dr. Dembo zugegangenes Schreiben eine Stelle finden: „Gestatten Sie mir, hochverehrter Herr Redacteur, durch Ihre werthe Z itung allen denjenigen Vereinen, Stiftungen wie auch Privatpersonen, die mich in den letzten Monaten zu meinem fünfundzwanzigsten Doctorjubiläum mit ihren Gratulationen, Danksagungen, Adressen, Telegrammen re. beehrt haben, meinen Dank auszusprechen. Im Bewußtsein, daß die allgemeinen Anerkennungszeichen, die mir zu Theil wurden, ein Lohn meiner beschei« denen wissenschaftlichen Untersuchungen der verschiedenen Schlachtmethoden sind, die so oft in Ihrer wer hen Zeitung wohlwollende Besprechung fanden, erlaube ich mir an dieser Stelle Ihnen, hochverehrter Herr Redacteur, meinen Dank zu sagen. Amerika. New Orleans. Aus der Generalversammlung des Touro-Kranken- und Unterstützungsvereins tvurde ein Bericht über die Thätigkeit erstattet, dem wir die folgenden interessanten Zahlen entnehmen. Im Hospital wurden im Laufe des Jahres behandelt 670 Kranke, wovon 35 starben und 550 als gebessert entlassen wurden. In der Klinik des Krankenhauses wurden behandelt 20,022 Fälle rc. 4000 mehr als im vorigen Jahr. Die Einnahme beliefen sich auf 24,000 M., die Ausgaben auf ca. 22,500 M. Das Institut ist von außerordentlichetn Segen .für die Armen der hiesigen jüdischen Gemeinde, und ist des Namen von Touro würdig, den es trägt. Vermischtes. Aus Baden Die vom Herrn Bezirks-Rabbiner L. Schleßiuger in Breiten au die Gemeinden seines Rabbinatssprengel zum Vortrage für das jüngste rnpw^-Fcst gesandte Rede, war auf der Ruthgeschichte aufgcdaut. In der Erörterung über den Zusammenhang dieses, am zweiten Festtage zu lesenden Buckes mit dem Feste selbst, wurden die schönen, erhabenen Eigenschaften der Schlichtheit, Freundschaft, Umsicht, Wohlthatigkeit, Dankbarkeit und Gottinnigkeit geschildert. Diese nteift traditionellen Erörterungen sind in gemeinverständlicher Sprache geschrieben und dadurch geeignet, belehrend auf sämmtliche Zuhörer zu wirken. Budapest. Die König!. Staatsanwaltschaft hat gegen den klerikal-antisemitischen „Magyar Allam" Anklage wegen Aufreizung wider die jüdische Konfession erhoben. Es handelt sich um Artikel, welche das Nrtheil in der Garam- Salloer-„Ritualmord-Angelegenheit glossirten." Lodz, 7. M. Ueber den Nachlaß von Hermann Kronstadt ist eine Einigung mit den Verwandten bevorstehend, die dahin geht, das Testament umzustoßen, um dann dem Willen des Verstorbenen gemäß den größten Theil des Vermögens ausschließlich jüdischen Institutionen zu überweisen. Die vor 1 Jahren gegründete Handmerkerschule entwickelt sich vorzüglich — einige Arbeiten kommen zur Ausstellung nach Nischny-Rowgorod. London, 21. Mai. Herr Joseph Sebag, der als Neffe des seligen Sir Moses Montefiore den Namen Sebag-Montefiore trägt, wurde in den Freiherrnstand erhoben und trägt nun den Titel Sir Joseph Montefiore.

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