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Der Israelit · 1896-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1896)
Date
1896-05-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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799 Feuilleton. Auf des Lebens Köh'. Erzählung von S. B. N o s n e r. 3) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Mein Gott!" hauchte sie bleich und zitternd, „der Graf! Er darf Dich nicht hier antreffen." Arthur schien ihre Worte überhört zu haben, den Kopf ein wenig vorgeneigt, lauschte er hinaus. Da erfaßte ihn seine Schwester hastig an der Hand und zog ihn ungestüm ein paar Schritte einer Thüre zu, derjenigen entgegengesetzt, durch welche er eingetreten war. „Hier durch", flog es von ihren bebenden Lippen, „fort, fort — durch den Park!" Er war ihr einige Schritte willenlos gefolgt. Plötzlich aber blieb er stehen und wandte sich um; eine mächtige Erregung blitzte aus seinen Augen. „Ich bin kein Dieb", rief er, während er mit stolzem Selbstgefühl den Kopf in die Höhe warf und fein Gesicht in einer hellen Röthe erglühte, „ich bin kein Dieb, daß ich heimlich fliehen soll. Ich bleibe und erwarte ihn. Ich will doch sehen, ob er den Muth hat, den Bruder seiner Frau aus seinem Hause zu weisen." Draußen kam man schon über die ersten Stufen heraus. „Arthur", flehte sie, „bei Deiner Liebe zu mir beschwöre ich Dich — gehe — gehe!" Ein scheues Entsetzen lag in ihren Blicken. Er fühlte Mitleid mit ihr und ließ sich, wenn auch widerwillig, von ihr hinausdrängen. Als die Gräfin die Thüre hinter ihm zugedrückt hatte, holte sie einigemal Athem, strich sich hastig glättend über das Haar und preßte ihr Battisttuch wiederholt auf ihre brennenden Wangen. Dann trat sie rasch an den Tisch und schlug ein auf demselben liegendes illustrirtes Heft auf. So sehr sie sich die Mühe gab, ruhig zu erscheinen, gelang es ihr doch nicht, die Zeichen einer tiefen Erregung ganz zu unterdrücken; ihre Finger zitterten und ihr Busen wogte stürmisch. Es dauerte nicht lange, so wurde die Thüre aufgemacht und Graf Elemer Kükay trat ein; seine Züge verriethen eine neugierige Spannung. Der jugendlich aussehende Mann konnte der Typus dessen genannt werden, was man unter aristokratischer Figur zu verstehen pflegt. Nichts mangelte ihm von den charakteristischen Zeichen des Kavaliers, von dem unsichtbaren Fluid weltmännischer Eleganz, der seine ganze Gestalt zu umfließen schien, bis zu dem verlebten, phlegmatischen Ausdruck seines farblosen Gesichtes, das ein dunkler, an den Enden gekräuselter Schnurrbart schmückte. „Ach", rief er überrascht, mit der Schnalle in der Hand stehen bleibend und im Zimmer umherspähend, „der Fuchs hat Lunte gerochen — durchgebrannt." Langsam wie ein Tieger seiner hülflosen Beute sich nähert, näherte er sich der Gräfin, indem er seinen höhnischen Blick unverwandt an den verstörten Zügen derselben gebannt hielt. „Von Ihrer Verwirrung zu schließen, Madame, sollte man meinen, daß dies Ihr erstes schüchternes Debüt ist. Wenn Sie etwa fürchten, daß ich von Eifersucht erfüllt bin, nach Blut und Rache schnaube, dann können Sie ruhig sein, meine Liebe. Nichts liegt mir ferner als das! Meinem glücklichen Mitbewerber soll kein Haar gekrümmt werden — bah. wer wirv so plebejisch sein, sich über eine derartige Bagatelle zu echaufsiren? Aber Sie werden es doch begreiflich finden, daß ich begierig bin, diesem Herrn vorgestellt zu werden und wenn er ein Junge nach »reinem Geschmack ist, so haben Sie mein Wort darauf, daß wir gute Kameraden werden! Also, Madame — wenn ich bitten darf —" Die Gräfin schien von der frivolen Rede ihres Gatten nichts vernommen zu haben; ihre Aufmerksamkeit weilte anderswo. Sie lauschte mit tödtlicher Angst hinaus.auf den Schall mit eilender Hufe.er wollte nicht laut werden. Jetzt . ... sie öffnete schon die Lippen zu einem erleichterten Athemug.Ach — es waren blos die wilden Schläge ihres eigenen Herzens! „Es ist doch sehr unvorsichtig von Ihnen", ließ des Grafen spottende Stimme sich wieder vernehmen, „mir Ihre geheimsten Gedanken so deutlich zu verraten. Es thut mir sehr leid, Ihnen eröffnen zu müssen, daß Sie die ersehnten Husschläge kam erwarten werden können, denn der flinke Rappe, von welchen sie herrühren sollten, wird unten an der Fontaine von meinem Bedienten festgehalten." Die Gräfin zuckte, wie ins Herz gestochen, zusammen. „Diese Nachricht scheint Ihnen ungelegen zu kommen," höhnte der Graf und setzte dann voll Verachtung hinzu: „Das also ist Eure mit so vielem Aufwand in alle Himmelsgegenden ausvosaunte jüdische Tugendhaftigkeit. . ." Da erhob sie das tiefgebeugte Haupt und ein stolzer Strahl aus ihren Augen kreuzte sich mit seinem in Haß leuchtenden Blick. „Lassen Sie die Tugendhaftigkeit der Juden unbehelligt", sprach sie mit tonloser Stimme, aber fest. „Uebrigens haben mich die drei Tropfen Wasser von allen Makeln der Juden gereinigt und wenn ich doch so lasterhaft bin., als Sie mich denken, so müßte ich das nur in der Gesellschaft geworden sein, die Sie mir erschlossen haben." „Ach — das ist doch zu stark oder richtiger gesagt — zu jüdisch! Diese un — — Gut denn,

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