Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1896)
- Date
- 1896-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WWWWWWWDMMMW 795 hierbei die Statutenangenommen und folgende Herren in den Vorstand gewählt: Herr A. L e w e r t o f f—Höxter, I. Vorsitzender, A. Elsber g—Hamm, II. Vorsitzender, S. Kah n— Witten, I. Beisitzender, Oskar Löwenstei n— Gemen-Borken, und Lehrer Adle r—Dorstfeld, Schriftführer, Dr. Rubens—Gelsenkirchen, Rechnungsführer, D. Bend ix—Ahaus, Beisitzender. Wir schließen mit dem Wunsche, daß unsere auch außerhalb Westfalens wohnenden Gesinnungsgenossen den neuen Verein in finanzieller Beziehung recht thatkräftig unterstützen, damit derselbe init Gottes Hilfe recht bald in den Stand gesetzt werde, einen Mann einzufitzen, der als Rabbiner den Bau leitet, zu dem heute der Grundstein gelegt wurde. ZeitungsnachrichtLN und Correspondenzen. Deutschland. Bs. Berlin. Mittwoch den 20. Mai öffnete eine neue Abtheilung der Berliner Gewerbeausstellung ihre Pforten. In der Spezial - Ausstellung Kairo, wo der Khedive in Egypten seine Waffensammluug, die Börse von Alexandrien, die Produkte des reichen Bodens dieses Landes, Zucker und Baumwolle und eine Reihe hervorragender Orientmalern ihre Gemälde ausstellen, wo Hunderte von Arabern uns ein getreues Bild vorsühren von dem gesammten orientalischen Leben und eine erstaunlich genaue Copie der Straßen von Cairo mit seinen Moschee'«, Minarets, Brunnen re., mit einer Pyramide und Nachahmungen altegyptischer Tempel den Nahmen zu diesein Bilde bietet, in dieser echt orientalischen Umgebung hat eine Ausstellung der jüdischen Kolonien in Palästina ihren Platz gefunden. — In einer Weinstube kann inan den Wein, den jüdische Bauern im heiligen Lande gebaut und gekeltert haben, kosten und sich davon überzeugen, daß Rothwein, wie Weißwein, süßer Wein und ganz besonders Cognac den entsprechenden Sorten am Rhein oder Bordeaux Weinen w. vollständig gleichwerthig sind, sie zu'.n Theil in Güte, fast immer an Wohlfeilheit übertreffen. In einem Ausstellungsraum findet dann der Besucher die anderen Produkte des heiligen Landes aufgestellt, Weizen, Gerste, Sesain und andere Getreidearten, Honig, Oel, Seide in Cocos und im Faden, allerlei wohlriechende Pflanzen und Oele, sogar dort fabricirtes Bau de Oologne. Außerdem sind die Erzeugnisse jüdischer Handwerker in Jerusalem, Schnitzereien in Olivenholz und Steinarbeiten zum Verkaufe ausgestellt und eine Menge Photographien aus dem heiligen Lande zeigen uns die denkwürdigen Stätten ruhmreicher Vergangenheit, wie die Plätze auf denen die heutigen Juden wieder den Boden ihrer Väter bebauen. Sicher ist diese Ausstellung für Jedermann, ganz besonders aber für jeden Juden hochinteressant und wer zur Ausstellung nach Berlin kommt, wird nicht verfehlen, sie aufzusucheu. E. R. Berlin, 22. Mai. Im Bureau der jüdischen Gemeinde lag vor einigen Tagen die Adresse aus, welche der Vorstand Herrn Moritz Mannheimer zum siebzigsten Geburtstage übersandt hat. Dieselbe lautet: „Hochveehrter Herr! Zu dem festlichen Tage der Vollendung Ihres siebzigsten Lebensjahres sprechen wir Ihnen im Namen der hiesigen jüdischen Gemeinde herzliche Glückwünsche aus. Uns veranlaßt hierzu nicht das Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit gegen den treuen Mitarbeiter, der seit Jahrzehnten mit unermüdlichem Eifer den Interessen unferer Gemeinde dient, es bewegt uns auch die Pflicht, ehrende Anerkennung dem Manne zu zollen, welcher durch hervorragende gemeinnützige Thaten ein glänzendes Beispiel edler Mildthütigkelt gegeben hat. Getreu dem Spruche unserer Weisen, daß Wohlthun das höchste der Gebote sei, haben Sie, hochverehrter Herr, die Pflege edler Humanität zu Ihrer vornehmsten Pflicht erkoren. Es war Ihnen nicht genug, aus voller Hand reiche Gaben zu spenden — in liebevoller Hingebung haben Sie auch, unterstützt von Ihrer hochherzigen Gattin, jederzeit Ihre persönliche Thatkraft eingesetzt, um Ihre Bestrebungen für die Wohlfahrt der Glaubensbrüder zu verwirklichen. Darum wird Ihr 'Name mit Dank genannt. Das Obdach der Greise, das Heim der Gebrechlichen werden das Andenken Ihrer Wohlthaten späten Geschlechtern rlihnrend verkünden. Möge der Allgütige Ihnen seinen Beistand schenken, daß Sie an der Seite Ihrer liebevollen Gattin noch lange Jahre hindurch die Früchte Ihres segensreichen Thuns schauen, daß Sie wie bisher wirken zum Segen und zum Stolze unserer Gemeinde. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde." Ein Satz dieser Adresse, daß Wohlthun das Höchste der Gebote sei, ist sehr eum grano salis zu nehmen, er birgt eine große Gefahr in sich und trägt viel zu dem imerhörten Glaubensabfall bei. Diese Anschauuag kennzeichnete einst ein Großer in Israel, SamsonRaphael Hirsch, gesegneten Andenkens mit den Worten: „Thora und Aboda hat man jetzt in die Atmosenbüchse geworfen." Und in Berlin ist es glücklich so weit gekommen, daß das Gesetzesstudium sich in die enge Gipsstraße hat flüchten müssen. Dort lebt ein verehrungswürdiger Greis, der sein ganzes Leben ausfüllt mit Werken der Liebe und Barmherzigkeit. Bei ihm möge man sich Rathes holen, ob Wohlthätigkeit das Hauptgebot sei. — Ja selbst Herr Dr. Maybanm, den doch Niemand einen Anhänger der Orthodoxie nennen wird, bricht bei seiner Trauerede, gehalten an der Bahre des verewigten Doeenten Herrn Dr. Joel Müller, in die berechtigte Klage aus: „O, über das Elend des jüdischen Gelehrtenthums! Wann wird Israel endlich lassen von der Verkehrtheit, die man schon in alter