Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1896)
- Date
- 1896-05-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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794 Freude des Erfolgs wird es die siegreiche Minorität sein, die zuletzt der Anfeindungen lachend gedenkt. Mit dem Hinweis auf die hohe Bedeutung des Augenblicks, von dem noch die spätesten Enkel mit Stolz erzählen werden und der weit über die Grenzen Westfalens hinaus segensreich empfunden wird, schloß der verehrte Redner. Auch hier zeigte der tosende Beifall, daß es die Gefühle der Versammlung waren, denen der Redner vollendetsten Audruck verliehen. Ebenfalls von Beifall ausgenommen, setzte Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer auseinander, daß der Verein in keiner Weise Gehässigkeit gegen Andersdenkende fördern, sondern daß die Mitglieder nur für sich und ihren Kreis ihr Heiligstes reiten wollten. Hierauf ergriff Herr Eisberg aus Hamm das Wort, um des Mannes zu gedenken, der zu einer Zeit, als das gesetzestreue Judenthum scheinbar dem Verfalle entgegenging, durch sein zündendes Wort, das er in dieser Zeitschrift in der ganzen Welt verbreitete, es dahin brachte, daß die wenigen Gesetzestreuen die in Westfalen noch übrig waren, den Muth nicht verloren haben und hoffnungsfreudig ausharrten bis zu einer Zeit, wo es ihnen endlich vergönnt ist, sich zusammenzuschaaren, um in gemeinsamem Wirken das zu bethätigen, was sie seither auf vereinzelten Posten im Ansturm gegen eine ganze Welt sich schwer erkämpfen mußten. Der Sohn des Gefeierten dankte in gebührenden Worten dem Vorredner dafür, daß er das Andenken seines Vaters in so hohem Maße ehrte. Im Verlauf seiner Rede führte er aus, daß wir gleich dem Friedenspriester Aharon, wo es sich um die Wahrung des Gesetzes handelt, streng und charakterfest, den von Gott gebotenen Weg gehen muffen (vergl. den kommenden Wochenabschnitt innN p »jn Raschi: nr» jnrw bv ira» Yjrfc), wenn wir auch da, wo es sich um irdische und menschliche Dinge handelt, dem Frieden jedes Opfer zu bringen bereit seien. Nunmehr vereinigte ein heiteres Festmahl die versammelten Gäste. Tieftraurig mußte es stimmen, daß man in einer Stadt wie die hiesige, in der fünfhundert jüdische Familien wohnen, die zu dem Mahle erforderlichen nach jüdischer Art zubereiteten Speisen aus einer außerwestfälischen Stadt, aus Cöln hatte kommen lasten müffen. Als erster Tischredner sprach Herr Dr. David aus Düsseldorf seine Genugthuung darüber aus, daß endlich einmal aus Westfalen Segensreiches gemeldet würde. Die religiöse Gesinnung der Nachbarprovinz sei bisher eine stete Gefahr für das Judenthum des Rheinlands gewesen. Lange genug habe hier der Jrrthum geherrscht; doch wie das Weizenkorn, das seit Jahrtausenden in der Nacht ägyptischer Gräber verwahrt gelegen, an's Sonnenlicht gebracht auf's Neue gekeimt habe, so wohne dem der Vergessenheit entrissenen Worte Gottes stets neue Lebenskraft und Zaubermacht inne. Herr L e w e r t o f f betonte dann, welch' freudige Gefühle es erwecke, daß in einer Stadt, wie Dortmund, echt jüdische Männer zu einer nwo bw rroyo vereinigt sind und schloß mit dem Wunsche, daß die Mitglieder des Vereins stets in Frieden und Eintracht ihren hohen Zielen entgegengehen mögen. Herr Dr. B o n d i führte aus, wie der wahre Friede im Judenthum nur durch Gesetzeskenntniß und Gesetzestreue gefördert werde: D^yn diVsv a»aio D’ösn N'vdn. — Am meisten intolerant ist der Unglaube. Den Gesetzestreuen wurden durch Einführung der Reform die alten Tempel geraubt; sie waren es, deren heiligsten Gefühle man verletzt und die man durch Gewaltmaßregeln den alten Gesetzen entfremden wollte. Die heutigen Kämpfer des Judenthums hätten der Standhaftigkeit ihrer Ahnen in gefahrdrohender Zeit ihre Glaubcnstreue zu danken. Für Westfalen sei jetzt der entscheidende Augenblick gekommen und sollte das gegenwärtige Geschlecht dafür sorgen, daß seine Kinder und Enkel noch würdig seien, Juden genannt zu werden. Der heutige Tag habe die Ueberzeugung gebracht, daß der redliche Wille zum Guten vorhanden sei, und denjenigen, die der Reinheit zustrebten, würde Gott seinen Schutz nicht versagen, auf daß der Wille auch in segensreicher That erkannt werde. Dem Hochgefühle der Versammlung gaben in überaus gewandter Rede die beiden Söhne des Herrn L>. Kahn in Witten lebhaften, herzerwärmenden Ausdruck. Nachdem die in großer Menge eingelaufenen Depeschen verlesen worden waren, worin besonders Herr Rabbiner Dr. Plato—Köln, Herr Rabbiner Dr. Lob—Emden, Herr Rabbiner Dr. Munk—Marburg, Herr S amue^ S t r a u ß—Karlsruhe ihrem Bedauern Ausdruck gaben, dem Feste nicht theilnehmen zu können, wurde Herr Samuel Strauß. die erschienenen Rabbiner und Herr Direetor Dr. Hirsch, sowie der Leiter dieser Blätter zu Ehrenmitgliedern des neugegründeten Vereins ernannt. In launiger Weise dankte Herr Dr. Hirsch im Namen der Ehrenmitglieder. Von vielem Beifall unterbrochen, gab dann Herr Dr. Cahn—Fulda eine humoristische Kritik der Tischreden. In einem warmempsundenen Schlußworte faßte der Leiter dieser Blätter noch einmal alles Beherzigenswerthe der heutigen Versammlung zusammen und wies auf das vergebliche Beginnen aller Glaubensfeinde hin, den ewig dauernden herrlichen Bau des Judenthums anzutasten oder gar zu zerstören. Wir werden vielleicht ein andermal Gelegenheit nehmen, den Inhalt dieser Rede in diesen Blättern ausführlich wiederzugeben. Nachdem der Vorsitzende nach altjüdischer Weise für die Armen des hl. Landes gesammelt hatte, schloß mit dem Tischgebet die erhebende Feier. Nach dem Mahle fand der geschäftliche Theil der Tagesordnung seine Erledigung und wurden