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Der Israelit · 1896-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1896)
Date
1896-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII. Jahrgang. M 42 & 48 Der Israelit. St« Kentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenIHum. Begründet von Dr. Lehmas« in Mainz. Donnerstag, den 28. Mai 5656 (1896). Leitender Artikel. In Mestfalen. Dortmund, 25. Mai. Das gesetzestreue Judenthum hat heute einen Triumph gefeiert, wie er in der neueren Geschichte desselben seit Langem nicht mehr zu verzeichnen war. Der religiöse Verfall hatte in dieser Provinz eine Stufe erreicht, die nachgerade schreckenerregend zu werden begann. Vogelstein'sche Gebetbücher, Jüdische Schweinemeister gehörten noch zu den Dingen, über die man sich hier nicht mehr wunderte. Nunmehr haben sich endlich die wenigen Gottesfürchtigen des Landes aufgerafft, um mit Aufgebot aller Kraft zu retten, was noch zu retten ist. Am 19. Januar fanden sich 22 Herren aus 15 westfälischen Gemeinden zusammen, welche einen Verein bildeten, der. wie es in ihrem Rundschreiben hieß, „es sich zur alleinigen Aufgabe machen soll, dafür zu wirken, daß die Fahne des echten altüberlieferten, unverfälschten Judenthums in Westfalen wieder zu der ihr gebührenden Ehre gebracht wird." Heute nun fand die constituirende Versammlung dieses neuen Vereins statt, und wir können mit großer Freude berichten, daß deren überaus glänzender Verlauf unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen bat. Von Nah und Fern mar man herbeigeeilt, um Theil zu nehmen an dieser, um Gottes Willen einberufenen Versammlung und wohl über 150 Personen füllten den weiten Raum in Vogell's Restaurant. Eine Anzahl auswärtiger Rabbiner, die Herren Dr.Dr. Bond i—Mainz, Cah n—Fulda, Davi d—Düffeldorf, Mannh eimer—Oldenburg, Im. Plato— Frankfurt a. M., sowie Herr Dir. Dr. Mendel H ir sch—Frankfurt a. M., und der Leiter dieses Blattes fanden sich hier zusammen, um an dem großen Werke mitzuarbeiten. Der verdienstvolle Vorsitzende und Gründer des Vereins, Herr A. Le wert off—Höxter, hieß in warmen Worten die so zahlreich Erschienenen im Namen der heiligen Sache willkommen und machte durch Verlesung der Statuten die Anwesenden mit den Zielen des Vereins vertraut. Der nächste Punkt des Programms war die Festrede des Provinzial-Rabbiners Herrn Dr. M. Cahn—Fulda. Gestützt auf zahlreiche in sinnvoller Weise erklärte Bibel- und Midraschworte schilderte der bekannte Redner in meisterhafter Weise die zerfahrenen religiösen Zustände, die seit Jahrzehnten Westfalen zum Vaterlande des Jndifferentismus unseren heiligen Gesetzen gegenüber machten. Der Redner wußte aber auch die Mittel anzugeben, wie durch zielbewußtes, opferfreudiges Zusammenarbeiten des, wenn auch kleinen gesetzestreuen Häufleins hier Hilfe und Rettung gebracht werden kann. In lichtvoller Weise zeigte er an der Geschichte der aus Babylon zurückkehrenden Exulanten, wie durch eine Reihe gottbegeisterter Männer das Volk selbst aus verzweifelter Lage der religiösen Verhältniffe zum wahren Glauben wieder emporgehoben wurde. Durch den Hinweis auf die zahlreichen Berührungspunkte mit dem hiesigen jüdischen Leben wußte der Redner auf der einen Seite die tiefe Trauer über den gegenwärtigen Zustand, die frohe Zuversicht und die Hoffnung auf die Zukunft auf der anderen Seite bei den andachtvoll Lauschenden zu erwecken. Die Wirkung dieser Rede war unbeschreiblich, nach einigen Augenblicken tiefer Ergriffenheit kam die Stimmung der Zuhörer in jubelndem Beifall zum Ausdruck. Ein Meister löste den Andern ab. In beredten Worten suchte Director Dr. M. Hirsch das Selbstbewußtsein und den Muth der neuen Gemeinde zu heben. Selten hatten wir noch in so überzeugender Weise von der Bedeutung der Minoritäten im Juden- , thume reden hören. Wie der Sieg der Wabrbeit unabhängig davon ist, ob Viele oder Wenige ihre'^^ ^- Träger sind, ob man höhnt oder lacht, mit derMäM^

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