Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-05-21 · Heft 40-41 (21.5.1896) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 40-41 (21.5.1896)
Date
1896-05-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448646--41816-2490791
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

779 Amerika. Aus New Nork wird uns unterm 24. April geschrieben: Gestern fand in New-Aork eine Versammlung des „National Council of Jewish Women" statt, an welcher etwa 300 bekannte Israelitinnen theilnahmen. Großes Aussehen erregte der bei dieser Gelegenheit von einem Frl. Annie Josephine L e v i gehaltene Vortrag über das Thema: „Die eheliche Verbindung zwischen Judenthum und Christenthum." Die Vortragende wandte sich entschieden gegen die Mischheirarhen ihrer Stammesgenossen mit Christen. Im Fortschritt der Civilisation sah die Rednerin eine Bedrohung der althergebrachten jü« dischen Sitten und Gebräuche. Glückliche Ehen zwischen Juden und Christen hielt Frl. Levi nur dann für möglich, wenn entweder der Mann oder die Frau gleichgiltig über seine oder ihre Religion dächten. Zum Schlüsse beklagte die Vortragende die wachsende Neigung ihrer Rafsegenofsen, ihre alten hebräischen Namen für moderne von „heidnischem" Ursprung zu vertauschen. Der „Council of Jewish Women" soll, wie das unter jüdischer Leitung stehende „New-Porker Morgen-Journal" bemerkt, etwa 4000 Israelitinnen an Mitglieder zählen, die über 40 Städte vertheilt sind. > Wersonalien. Burghaun (Kreis Hünfeld) Am D'cjnpi nriN 's pp starb im Alter von nahezu 70 Jahren der emer. Lehrer, Herr H. Strauß in Burghaun, nachdem er mehr als 40 Jahre das aufopferungsvolle Amt eines Elementar- und Religionslehrers und Cantors in der hiesigen zum Rabbinattzbezirke Fulda gehörigen Gemeinde verwaltet und etwa vier Jvhren in den wohlverdienten Ruhestand getreten war. Am Morgen dieses hatte er sich nach dem n>2 nDJDn begeben, um in gewohnter Andacht sein Herz auszuschütten vor seinem Schöpfer, und verließ, als der Letzte der Andächtigen, die ihm so lieb gewordene Stätte, wo er, scherzend einem Gemeindemitgliede gegenüber äußerte, daß er mit 2"pn noch zu reden gehabt hätte Kaum in seiner Wohnung angekommen, beeilte er sich, seine Kinder zu „benschen", und siel dann bewußtlos nieder, um darauf seine reine Seele auszuhauchen. Mit einer rD"D, einem inbrünstigen Segenswunsche auf den ersterbenden Lippen endete das Leben dieses onttf'N, das in seinem ganzen Verlaufe .nichts anderes war, als eine ns“D, ein Leben WüW □ttf1?, das auf den drei nimmer wankenden Säulen DHDn 5N7'MT moy min sich stützte. Er war, des weisen Hillels Lehre folgend, lHO'bnD UpW D7£tf DHiN pHM 7ttf, der des köstlichen Satzes D7&7D nrns p'fflD ’P sich wobl bewußt war, und seiner Gemeinde unentwegt als Muster der Friedensliebe vorlebte, ein “IKD uy, ein gar demüthiger und bescheidener Charakter, der zugleich dem Prinzipe des sp'tl ’OW gerecht zu werden wußte: 72 nn PvQ ’im min rwyi vyv “idn pp >min rwy .nie d’jd mos d*w Wie wohl kein Tag verstrich, an dem er nicht yaip rnina ony war, an dem er sich nicht ergötzte, an dem Studium unserer nt£Tipn mm, so weiß auch fast jeder Tag seines Lebens zu erzählen von den vielen Wohlthaten, die er im Stillen geübt, von den Thränen der Armen, die er getrocknet und der Noth, die er gelindert nttfyi üyo “iidn nrnn. Wenig sprechen und versprechen, destomehr thun und halten, das war seine Losung. Und mit welcher Freundlichkeit begegnete er allen Mitmenschen ohne Unterschied des Standes, Alters und Ranges. Ja, von ihm konnte man lernen, wie man ü“!8 n8 72pD niS’ D’JD "OD3 sein muß. Wie großer Beliebtheit der Verstorbene sich erfreute, zeigte sich bei der m7. Von nah und fern waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um dem Entschlafenen das letzte Geleite zu geben. Nachdem der Lehrer des Ortes, Herr I. E. Heinemann, die Vorzüge und Tugenden des Verblichenen in trefflicher Rede und würdiger Weise geschildert hatte, nahm der älteste Sohn, z. Z. Lehrer in Gelnhausen, mit vor Thränen erstickter Stimme und in tief empfundenen Worten Abschied von dem geliebten Vater, worauf Herr Lehrer Spiro, Schenklengsfeld namens der Lehrer des Bezirks dem lieben College» einen ergreifenden und zu Herzen dringenden Nachruf widmete. Möge der Allerbarmer die betrübte Wittwe und die trauernden Kinder trösten D’7rm '728 “inip *jro. Mögen auch die in die Herzen seiner vielen Schüler gleich Samenkörnern gestreuten guten Lehren und Ermahnungen Wiederhall und Beachtung finden, auf daß erfüllt werde ro“Q7 p'“>2 “DT. Jirowrazlaw, 6. Mai. (Schluß.) Kein Wunder daher, daß die ehemaligen Schüler des verstorbenen Masur ihm noch im späteren Leben ihre Anhänglichkeitbewahrten, so zwar, daß mehrere derselben, die an einer Universität graduiert wurden, ihm ihre Jnauguralschrift widmeten. Welcher Hochachtung, Anerkennung und Beliebtheit er sich zu erfreuen hatte, davon zeugen die ehrenvollen Nachrufe, welche ihm die städtischen Behörden, die Lehrer und Lehrerinnen an den städtischen Schulen, der Verein für Krankenpflege, desien Abtheilungsvorsteher er war u. s. w., widmeten. Am 3. d. M., Nachmittags 3 Uhr, wurde der Verblichene nach dem Friedhofe geleitet. Ein überaus zahlreiches Gefolge war erschienen, um dem Todten die letzte Ehre zu erweisen. Es befand sich unter denselben auch der erste Bürgermeister und der Stadtverordnetenvorsteher und auch tnehrere auswärtige angesehene Persönlichkeiten, wie Prof. Dr. Horowitz aus Thorn u. A. Auch die jüdische Schuljugend unter Führung ihrer Lehrer war vertreten. Auf dem Friedhofe hielt der Ortsrabbiner eine ergreifende zu Herzen gehende Rede, in der er unter Anlehnung an Daniel 12,3. die mannigfachen Vorzüge, den Reichthum des Wissens und das gesegnete gemeinnützige Wirken des Dahingegangenen ins rechte Licht setzte. Am Grabe selbst sprach noch als persönlicher Freund Dr. med. Warschauer und wies ganz besonders auf die Summe der Arbeit hin, die der Verblichene auf die Vervollkommnung feines Geistes und Veredlung seines Herzens verwendete, erinnernd an das Wort: „Schweiß verlanget die Gottheit, bevor wir die Tugend erreichen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.