Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 40-41 (21.5.1896)
- Date
- 1896-05-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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!üj ^1W M WffMÜ>YIHML'?M^M! 778 Lebens ist, wer sich mit der Thora rwvh beschäftigt und dem das ganze Leben in der Sehnsucht aufgeht irmro up^n ^m, daß auch ihm sein Theil, wie winzig er auch sei, an der Verwirklichung der Thora beschieden sein möge, der überträgt seine hingebende Liebe für Gott auch auf die Menschen. Und diese Liebe für Gott und die Menschen bleibt keine tönende Phrase, sie reift zur warmen Liebesthat, so daß Gott und die Menschen ihrer froh werden. Wer not£6 min lernt und übt, erfreut Gott und die Menschen nopo nman nw noipo, Dipon. Er erfreut Gott, denn er ist der treue Vermittler des Glückes und der Segenssülle, den Gott seinen Menschen zugedacht hat und er erfreut die Menschen, welchen dieses liebethätige Wirken zu Gute kommt. Diese Menschenliebe ist von keiner Laune und gutmüthigen Regung abhängig; sie ist Pflicht und Gesetz. Sie erfüllt daher denjenigen nicht mit Hochmuth, der sie übt, wie sie auch denjenigen nicht erniedrigt, der sie empfängt. So wenig der Steuer-Empfänger etwas Verletzendes darin findet, daß man ihm Geld bietet, so wenig der Steuerzahler sich etwas darauf zu Gute thut, daß er seine Steuer zahlt, so wenig wird der Arme beschämt, der die von Gott gebotene Liebessteuer hinnimmt, so wenig erfüllt die Uebung dieser Liebespflicht den Spender mit Stolz. So lange Genuß, Erwerb und Besitz die Ziele menschlichen Strebens und Ringens sind, so lange scheidet der größere und kleinere Besitz die Menschen in Klasien, die sich mit lieblosen, neidischen Blicken gegenseitig äußern und eifersüchtig darüber wachen, daß nicht einer das Gebiet des anderen berührt, so lange bleibt Menschenliebe ein Phantom oder eine vereinzelte Ausnahme wie die Blume des Feldes. Erst wenn Gott, sein Wille, wie er in der Thora niedergelegt ist, das angelegentlichste menschliche Streben bilden, werden die Menschen sich ihrer gegenseitig selber froh und auch Gott freut sich mit der Freude seiner Kinder, welchen sein Gesetz mit der Erlösung von Schuld und Uebel die unverlierbare Freude am Dasein gebracht hat. Die Jagd nach Besitz und Genuß, welche den Einsatz aller körperlichen und geistigen Kräfte fordert, um reüssiren zu können, wandelt das Leben in einen Kampf ums Dasein um. In diesem Kampfe sind die Kämpfer darauf bedacht durch Klugheit, Ausdauer und Gewandtheit den Sieg sich zu sichern. Besitzen sie diese Mittel nicht, so suchen sie wenigstens den Schein zu erwecken, als verfügten sie darüber, um den Gegner einzuschüchtern, daß er sich in seinen Schranken halte. Jeden Kämpfer aber erfüllt die Furcht, daß er morgen unterliegen kann, wenn er auch heute noch seinen Platz behauptet, sobald der Gegner ihm nur an Macht und Einfluß überlegen ist. Prahlende Hervorkehrung dessen, was der Einzelne besitzt, Täuschung über das, was er nicht besitzt, ein künstlich aufgestacheltes Selbstbewußtsein und schrankenlose Ueberhebung sind daher charakteristische Zeichen dieses ganzen Gebahrens; aller Momente, die wahrlich nicht geeignet sind, die Liebe unter den Menschen zu fördern. Die Unterordnung unter den Willen des einzigen Gottes, hat dagegen denjenigen, der sich mit der Thora nna6 befaßt, so gewöhnt seinen Neigungen zu entsagen, sein Denken und Wollen von der höheren, göttlichen Intelligenz leiten zu lassen, und nichts mehr zu fürchten als die Möglichkeit dem ausgesprochenen Gesetz dieser sürsorgenden, göttlichen Weisheit entgegen zu handeln, daß ihn diese fortwährende Rücksichtnahme auf Gott bescheiden und gottesfürchtig macht, oder wie es hier heißt: nsa^ci nmM mp ihn in Demuth und Gottesfurcht kleidet. — Die heilige Sprache hat für Eigenschaften und Kleider eine und dieselbe Bezeichnung: nno. Wie der Körper durch die Kleider, die ihn umhüllen, äußerlich in die Erscheinung tritt, die dann einen Maßstab für die äußere Beurtheilung bieten, so sind die Cha» raktereigenschaften das Gewand der Seele, durch welche sie sich äußert. In Demuth und Gottesfurcht gekleidet sein, heißt somit in jeder Seite des Lebens und Wirkens mit diesen Eigenschaften in die Erscheinung treten. Demuth und Gottesfurcht gehören zu demjenigen, der sich mit der Thora ,1026 beschäftigt, wie das Kleid zum Körper. Indem ein solcher nicht seinen eignen Willen und sein eigenes Interesse zum Gegenstand seines Strebens hat, sondern den Willen eines Höheren und seine Anliegen, so führt diese fortwährende Rücksichtnahme zur Bescheidenheit. Aber diese Bescheidenheit maat stark. Weil sie nicht der eigenen Macht vertraut, fürchtet sie auch keine andere. Sie fürchtet nur Gott; denn diese Gottesfurcht ist es, aus welcher die Bescheidenheit sich ergibt. Beide aber vereinen sich, um ihre Krone demjenigen aufs Haupt zu setzen, der Thora in reiner Absicht lernt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Italien. Rom. Gelegentlich des Kongresses der italienischen Journalisten, der Ende April in unserer Stadt abgehalten wurde, sind zwei Büsten enthüllt worden, die eine von Bonghi, dem bekannten Journalisten und Minister, und die von Jacques Dina, dem ehemaligen Chefredakteur der Ginione. Bei der Enthüllung wurde Dina, der, trotzdem er Jude war, ein intimer Freund des großen Cavour gewesen ist, von dem Staatsrath Bonfadini, dem Vorsitzenden des Congresses, als das Muster eines Publicisten der gegenwärtigen Generation dargestellt.