Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 40-41 (21.5.1896)
- Date
- 1896-05-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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780 Daraus wurde diesLeiche in die Gruft gesenkt und weherfüllt verließ nunmehr das Gefolge die Trauerstätte. Von dem Hingeschiedenen gilt das Schriftwort: rann qni oya cn nayn pjp npno Den schwergeprüften Hinterbliebenen aber rufen wir zu: 1]cn ivs *wr oy ddok onr 'i T-z. > Vermischtes. < Mainz. An der Privatteal- und Handelsschule von A. Schickert Hierselbst unterzogen sich am ö., 6. und 8. Mai unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulraths Soldan, der Herren Prof. Klingelhöffer und P>of. Winter 43 Abiturienten der Prüfung für den einjährig'-freiwilligen Dienst. Dieselben haben sämmtlich bestanden. Hagen, 16. Mai. Eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung ist von der hiesigen Srrafkammer gefällt worden. Die „Rhein.-Westf. Ztg." berichtet darüber: Einige Zeit vor Weihnachten vorigen Jahres erschien hier ein vom hiesigen deutsch-sozialen Verein herausgegebenes, im Wortlaut von der deutsch-sozialen Partei verfaßtes, auch anderwärts viel verbreitetes Flugblatt, das von Haus zu Haus verbreitet wurde. Der Inhalt des Flugblattes gipfelte darin, die Weihnachtseinkäufe nicht bei Juden zu machen, deren Gcschäftsgebahren mit Lug und Trug durchsetzt sei. Vier hiesige jüdische Kaufleute fühlten sich beleidigt und stellten Strafantrag gegen zwei Mitglieder des deutsch-sozialen Vereins. Die Strafkammer lehnte die Eröffnung des Hauptverfahrens ab, weil der Inhalt des Flugblattes sich allgemein auf die Juden, nicht speziell auf die in Hagen beziehe und diese nicht zur Stellung des Strafantrags legitimiri seien. Das Oberlandesgericht ordnete hierauf die Strafverfolgung an. In der Verhandlung vor der Strafkammer wurde nunmehr die Stellung des Strafantrages für berechtigt erachtet und cs erfolgte die Verurtheilung der Angeklagten, eines Verwaltungs-Sekretärs Hugo Steinbeck und eines Kommis H. W. Beckmann zu je 50 Mark Geldstrafe. Wie«, 19. Mai. Heute fand die Beeidigung des Bür germeisters Strohdach statt Statthalter Kiclmannsegg hielt eine Ansprache, -n der er sagte, eine gedeihliche Thätigkeit des Gemeinderaths sei ausgeschlossen ohne Gerechtigkeit und Achtung der Mitbürger, ohne Rücksicht aus deren Partei stellung oder Confession. Ter Statthalter betonte, daß eine Thätigkeit der Gemeindeverwaltung nur deutbar sei auf dem Boden der Gesetze, welche die Negierung genau auszuführen verpflichtet und entschlossen sei. Die strikte Beschränkung auf die Aufgaben der Gemeindethätigkeit werde hoffentlich eine wesentliche Milderung der Parteigcgensätze zur wohlthuenden Folge haben, so daß der bittere und verbitternde Ton verstummen werde, der so oft inner- und außerhalb dieser Räume vernommen wurde. Mögen in diesem Saale nur Gründe zu Worte kommen, nie aber Vorurtheile und Gehässigkeiten. Bürgermeister Strohdach hielt nach der Eidesleistung eine Rede, in der er auf das patriotische Opfer verwies, das Dr. Lueger gegen den Willen des Volkes brachte. Die Wahlen haben den Willen des Volkes zum Ausdruck gebracht; die Mehrheit des Gemeinderathes werde sich diesen Willen des Volkes zur Richtschnur nehmen. Brünn. (Das Testament des Freiherrn v. H i r s ch.) Beim hiesigen Landesgerichte als der Realinstanz des Schlosses Eichhorn, des Wohnsitzes des verstorbenen Freiherrn v. Hirsch, wurden dieser Tage durch den Advocaten Dr. Gustav Haas, den langjährigen vertrauten Berather des Verblichenen, die letztwilligen Versügungen desselben überreicht, welche in Paris ausbewahrc waren. Dieselben bestehen in einem Testamente, ddo. 14. November 1894, und in einem Codicill, ddo. 12. Februar 1895, und sind von Freiherr« v. Hirsch eigenhändig geschrieben und unterfertigt. Im Zusammenhänge mit der antisemitischen Bewegung steht offen bar eine Bestimmung des Eodicills, wodurch eine Million Francs, welche für Wohlthätigkeitsanstalten in Wien bestimmt war, auf Humanitätsinstitnte in Mähren übertragen wird. Die eine Hälfte dieser Summe lut ausschließlich israelikisti en, die andere solchen Wohlthätigkeitsinsti>uten zu zufallen, deren Wirksamkeit Bedürftigen ohne Un erschied der Comession gewidmet ist. Die Auswahl der Wohlthätigkeitsanstalten ist vier Tcstamemscxelutoren überlassen. Das Vermächtuiß von Actien der Jewish Oolcmisation Association in London in; Betrage von zwei Millionen Pfund Sterling au die israelitischen Religlonsgemeiiiden von Brüssel, Frankfurt n. M. und Berlin sowie die genau re englische Gesellschaft ist dadurch gegenstandslos geworden, daß diese Actien von den; Erblasser den bedachten (Korporationen schon bei Leb zeiten überlassen word-n sind. Andere Legate sind weder in dem Testament noch in dem Eodicill enthalten. Das vorhandene Vermögen stillt der Wituve des Erblassers, Clara Freiin v Hirsch-Bischofshcim, und seiner achtjährigen Adoptivtochter Luc enne, einem Kinde des verstorbenen Sohnes Lucien, zu. Baronin Hirsch hat zur sofortigen Vertheilung an die Armen von Paris und Wien 200,000 Francs bestimmt und sirner verfügt, daß 60,000 Francs an die Beamten und das Personal der Herrschaft Rossitz-Eichhorn vertheilt werden. Budapest Die hiesige orthodoxe Gemeinde hat aus Anlaß der nationalen Jubelfeier einen „Millcniums-Pensionsfond" in; Betrage von 20,000 Kronen gestiftet, dessen Zinsen ihren Beamten zugute kommen sollen. Prag. Der berühmte Roman „Gabriel" von S. Kohn. welcher trotz zahlreicher Ausgaben völlig vergriffen ist, erscheint demnächst im Verlage von Cäsar Schmidt in Zürich in neuer Auflage. Es dürfte wenig ■ deutsche Romane geben, welche vierundzwanzig Jahre nach ihrem ersten Erscheinen noch eine solche Anziehungskraft ansüben. Prag Der hiesige Bczirk'chulrath schreibt den Kon kurs für die Besetzung der Direktorstelle an der Altstädter deutschen Volks- und Bürgerschule aus und stellt die Be dingung auf; Die Bestibigung zur Erlheilung des mosaischen Religions-Unterrichts. Die Mehrzabt der Kinder dies r Schule ist nämlich jüdisch, und nach einem Gesetze von; Jahre 1*83 soll nur derjenige zum Schulleiter bestellt werden, der die Befähigung zur Ertbeilnng des Religions-Unterrichts für die Mehrzahl der Schüler Nachweisen kann. Zehn Jahre hindurch;var die Stelle unbesetzt. Run scheint man sich zur Neubesetzung dock cnischlossen zu haben In der Volksschule waren in; letzten Jahre 144 Chnsteu und 280 Juden, in der Bürgerschule 130 Christen und 162 Juden. Sofia. Fürst Ferdinand von Bulgarien hat vor seiner Abreise von Konstantinopel den; Eigcnthümer des dort erscheinenden deutscheTagblattes „OsmanisRe Post" und der „Orientalischen Korrespondenz", Professor Dionys Rosenfcld, das Ritterkreuz des bulgarischen Alexander-Ordens verliehen. Während seiner Anwesenheit empfing der Fürst auch den Oberrabbiner von Konstantinopel, der ihm für sein Wohlwollen gegen die bulgarischen Juden dankte, und erwiederte auf dessen 'Ansprache: „Ich empfinde eine tiefe Sympathie für das jüdische Volk, getreu den Iraditionen meiner erhabenen Ahnen, der königlichen Familie der Bourbonen. Ich bin sehr befriedigt von dem Verhalten der spaniolischen Juden in Bulgarien, die die Gesetze achten und dem Lande wichtige Dienste leisten. Der Antisemitismus kann in Bulgarien nicht Wurzel fassen, und ich bin entschlossen, diese verdammenswerthe Bewegung stets zu bekämpfen."