Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 40-41 (21.5.1896)
- Date
- 1896-05-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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774 stellte und eine schöne Ansprache im reinem klassischen Hebräisch, die dem Feste ein besonderes Colorit verlieh, hielt. Nach Entgegennahme der Gratulationen, nahm der Jubilar das Wort. Sehr ergriffen durch alle diese Ehrenbezeugung, sagte derselbe daß er nicht wisse, ob er diese auch verdient; wenn er sie anzunehmen sich dennoch entschlossen, dies nur wegen m’nn tdd geschehen sei, die sich hier so imposant manifestirte. Er pries den Allgütigen, der ihn in bester Geistesfrische dieses Alter erreichen ließ. Schließlich dankte er dem Vorstande dem Festcomitee, allen Gemeindemitgliedern für die ihm dargebrachten Ovationen. Alle Anwesende waren durch diese herzlichen Kundgebungen tief bewegt. Als der Jubilar sodann den Saal verließ, erbrauste abermals ein schmetterndes „Hoch" und alles drängte sich, um ihm ehrfurchtsvoll die Hände zu küssen. Soinit war das erhebende Fest im Schulgebäude zu Ende, das jedoch zu Hause noch seinen Fortgang nahm. Den ganzen Tag über kamen von Nah und Fern Gratulanten, die sich verspätet oder keinen Platz im Schulgebäude «lehr fanden. Von den Schülern, Freunden und Verehrern kamen aus weiter Ferne Gratulations-Briefe und über 100 Telegramme. Unter diesen ist besonders hervorzuheben: Die Gratulation des Ehrw. Dr. Hildesheimer-Berlin, Herrn Oberrabbiners in Prag sammt dem Vorstande des Prager «-ron Dr., Auerbach- Halberstadt, Dr. Friedmann-Straßnitz, Rabbiner Lipschitz-Szünto, dermalen Präses der Durchführungscommission in Budapest, Dr. Singer-L. S. Miklos, Rabbiner Nobel-Halberstadt, Rabb. Kirsch-Obvrnik, Gemeindevorstände St. Weißenburg, Totis, Eperjes, Tyrnau und noch viele andere. Möge den Jubilar bis an die äußerste Grenze des menschlichen Lebensalters uns erhalten, zunl Stolze der Gemeinde zum Wohle der ryvr und zur Zierde des GesammtjudenthumS, damit er noch lange Jabre mit Kraft mtb That zum Wohle des treugläubigen Judenthums fortwirken möge. _F. Bl. Uersonakien. Karlsbad. Am ersten nnnaw - Tage feierte der rühmlichft bekannte Oberkantor der jüd. Gemeinde in Amsterdam, Herr Jsak Heumann *"j, sein vierzigjähriges Dienstjubiläum in dieser Gemeinde. Der Jubilar hat sich durch seine Fachtüchtigkeit, wahre Frömmigkeit und tadellose Führung die Liebe und Achtung der ganzen Gemeinde erworben und kann daher mit Freude auf sein bisheriges Wirken zurückblicken. Mögen ihm von Gott noch viele Jahre «npri rvr3yi> beschieden sein! Feuilleton. Auf des Leöens Köh'. Erzählung von S. B. R 0 s n e r. 2) (Alle Rechte Vorbehalten.» „Es scheint als ob auch die Herren sich dessen bewußt wären und aus diese«! Grunde mein Anblick sie nicht sonderlich erfreute, denn sie mieden mit merklicher Beflissenheit meine Gesellschaft. Ich werde an sie nur dann erinnert, wenn der Lärm im anderen Trakt des Gebäudes, wo sie sich aufhalten, so zügellos wird, daß er auch hier vernehmbar ist. Dann zieht der Schwarm uub mit ihm auch Elen<'»r wieder fort, um dieselbe Wirthschaft an einem anderen Orte von Vorne ailznfangen. Doch ist diese Zeit der öden Einsanikeit für mich noch tausendfach angenehmer, als jene, wo diese Räume sich mit dem Prunke aristokratischen Gesellschaftslebens füllen. In den Herbstmonaten heischt es die Repräsentation Bälle zu veranstalten, zu tvelcheil der Adel der Umgebung geladen wird und hinwieder die Bälle seiner adligen Nachbarn zu besuchen. O — ihre Stimme begann zu zittern vor innerer Kränkung - Du weißt es nicht, welche Kette von Denlüthignngen, welche Seelenfolter da täglich meiner harrt. Bei aller glatten Höflichkeit auf jede«! Schritt die maskierte Gering schätznng und Verhöhnung herauszufühlen; überall das Bewußtsein mit sich zu tragen eine Fremde, Geduldete zu s ein; vor all' den lächelnden und sich tief verneigenden Larven die schnöden Gedanken zu ahnen, von welchen dieselben erfüllt sein mögen; stets wie von einem unsichtbaren Schatten begleitet zu sein, der einem höhnend schadenfroh: Jüdin, Jüdin! ins Obr raunt und zu alledeni die marternde Ueberzeugung der völligen Verlassenheit unter all' den gehässigen Menschen, das — das ist mehr, als ein schwaches Weib zu ertragen vermag. Oft ist es mir auch, als ob «litten in den lichtsprühenden Sälen, unter der lebensfrohen, glänzenden Menge ein schwarzer Schleier vor meinem Blick niederwallte und ich im nächsten Augenblick unter der auf mir sich thürmenden Last znsammenbrechen müßte. Nur mit dem Aufge bot meiner ganzen Kraft gelingt es mir dann, mich aufrecht zu erhallen. Schier gebrochen, von Haß und Widerwillen gegen niich und andere erfüllt kehre ich dann stets in mein liebeleeres Heim zurück. - Und doch ist wuch das noch nicht das schwerste Leid, das er über mich gebracht; ich könnte ihm vielleicht Alles noch verzeihen, wenn er mich nicht gefühllos aus Euren Armen gerissen, mir nicht Eltern mtb Geschwister geraubt hätte!" Sie schwieg und vergrub das Gesicht tu den Händen. Arthur war erregt aufgesprungen; mit großen Schritten, die Fäuste unbewußt geballt und