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Der Israelit · 1896-05-21 · Heft 40-41 (21.5.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 40-41 (21.5.1896)
Date
1896-05-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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770 ntanb bezweifelt, daß es noch zwölf Leute in der Welt geben mag, die nicht nur das Vogelstein'sche Gebetbuch, die vielleicht wie der Täufling-Rabbiner Lichtenstein selbst das Neue Testament mit dem Judenthum vereinbar erklärt, es sogar als höchsten Ausbund allen Judenthums hinstellen. Was einem aber billig wundern kann, das ist der Umstand, daß der Rabbinerstand in Deutschland wirklich noch 1 Dutzend Exemplare zählen soll, die von ihrem zweifellosen Recht sich vor aller 'Welt zu blamiren, so ausgiebigen Gebrauch machen. Mau mag das Ding von der dogmatischen, von der wissenschaftlichen, oder von der rein praktischen Seite aus anschauen, man wird immer erstaunt den Kops schütteln, daß sich 1 Dutzend amtirender Rabbiner noch heute in Deutschland bereit finden läßt, den: westphälischen Schinkenjudenthum Handlangerdienste zu leisten. „Im Vertrauen auf den Beistand Gottes" hat der größere Theil dieser zwölf Rabbinen im Februar 1893 erklärt was folgt: „Die heilige Schrift, welche Gemeingut der ganzen gesitteten Welt geworden ist, bildet die Grundlage für die Lehre des Judenthums. „Außer der heiligen Schrift, welche die „schriftliche Lehre" heißt, besitzt das Juden thu'n n o ck e ine R c li g ion s alle ll e. den Talmud, der. weil er ursprünglich nicht n i c d e r geschrieben wurde, die „m ü ndlichc Lehr c" genannt wir d." Der Talmud, soll den ehrwürdigen Herren für heute geschenkt sein. Rur betr. der heiligen Schrift möge hier eine leichte Auffrischung ihres Gedächtnisses folgen. Wenn die heilige Schrift die Grund lage für die Lehre des Judenthums bildet, so widerspricht der Lehre des Judenthums, was der heiligen Schrift widerspricht. Im fünften Buche dieser heiligeil Schrift im vierten und fünften Verse des dreißigsten Eapitels ist nun folgendes zu lesen: „W enn deine Verstoßenen am Ende des H i m m e l s s e i n w e r d e n, von dort wird dich sammeln G o t t, d e i n Gott und von dort wird er dich n e h m e n. U n d es bringt dich Gott, dein Gott in das Land, welches deine Väter als Erbe besaßen, und du wirst es in Besitz nehmenund er wird d i r G u t e s erweisen und dich vermehren mehr als deine Väter." Wer die Rückkehr der Zerstreuten Israels in das Land ihrer Väter leugnet, der steht mit dieser Leugnung doch ohne allen Zweifel mit der Lehre des Judenthums in Widerspruch. Ein Gebetbuch, das gar alle Stellen ausgemerzt hat, welche diese Rückkehr zum Gegenstände haben, verleugnet eitle Grundwahrheit des Judenthums und steht mit der Lehre des Judenthums in Widerspruch! Wo nehmen zwölf Leute, die sich Rabbiner nennen, die Stirne her, der jüdischen öffentlichen Meinung solchen Sand in die Augen zu stretlen, in einer so planen, klaren, schlichten Sache, wo jeder halbwegs bibelkundige Schuljunge den geistlichen Herren die Wahrheitswidrigkeit ihrer Behauptung Nachweisen kann. Vielleicht hat der Rabbiner von Leipzig, Herr Dr. Porges so etwas geahnt, als er einräumte, daß das westphälische Gebetbuch, mit t>cu Lehren des sogenannten orthodoxen Judeuthums in Widerspruch steht. Aber wenn die Anerkennung der heil. Schrift als Grundlage für die Lehre des Judeuthllms das Kriterium der jüdischen Orthodoxie ist, dann war ja Herr Dr. Porges im Februar 189."! noch selber orthodox, und hat dafür den Namen Gottes und seinen Beistalld angerufen. Er kann es füglich den bösen Orthodoxen nicht übel nehmen, daß sie nicht alle zwei Jahre die Farbe wechseln! Eilte ähllliche Concession, die Herr Prediger Dr. Selig m a n il von der H a m b u rger Tempelgeuleinde dem Stalldpmlkte des orthodoxen Inden thunls illacht, wollell wir nicht zu unserell Guilstell ausnützen. Sie komntt vielleicht auf's Conto „des gerade j e tz t st a t t s i n d e n d e n W o h u u ngs- Wechsels u n b b c r bc v v r st e h e n d e n Festtage," von welchen uils Herr Dr. Seligmann erzählt, daß sie ihn gehindert hätten, näher auf den Inhalt des Gebetbuches einzugehen. Das Gutachten ist vom 23. März datirt. Die Festtage sind somit die Peßachtage. Mau weiß, wie tun diese Zeit die Hamburger Tempelherren ihren Prediger mit über pon p-vdd u. dgl. bestürmen: besonders dieses Jahr, wo pidd my am Sabbat war. Wir wollell daher ein Wort, das dem Gehege der vielbeschäftigteil Predigerlippen lim diese kritische Zeit entflohen ist, nicht allzuerilst nehmen. Aber diese dogmatische Seite ist es nicht, für welche wir bei den Verfassern dieser Gutachten die rechte Würdigung voraussetzen. Wer bcu Leugnern unseres Zukunftsideals, wie es in der Thora, Newiim, Kesllwim, im Talmud und den Midraschim verkündet und geschildert wird, wer diesen Leugllern öffentlich bescheinigt, sie bcfäubcn sich nicht mit den Lehrerl des Judenthums in Widerspruch, der schreckt vor keiner doglnatischcn Ungeheuerlichkeit ritehr zurück. Je itngenirter sich diese Herren über alles dies hinlvegsetzen, um so sicherer sind sie vor der der jüdischen öffentlichen Meinung gerichtet, welche ja durch diese Gutachtenmacherei irre geführt werden soll. Wenn eilte Hand voll Zwitterjuden aus der westphälischen rothen Erde zusammentritt und erklärt, sie könnten nicht mehr mit ihren Brüdern und Schwestern auf dem weiteil Erdeilrund zusammen aus einem und demselben Gebetbuch beten, so ist das betrübend. Sie vindieiren sich den ausgepräg-

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