Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1896)
- Date
- 1896-05-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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746 russischen Talmudjünger, die über die Grenze hierher gekommen waren, um ihren Wissensdurst zu stillen, nahm er sich liebevoll an "und unterichtete sie fleißig in den prosanen Wissenschaften, — er soll sogar, um diesen jungen Leuten Kenntnisse in der Mathemathik beizubringen, wie mir von den Angehörigen mitgetheilt wird, eigens ein Buch für sie ins Hebräische übertragen haben — während er selbst in seiner glühenden Liebe zur Wissenschaft des Judenthums sich wiederum von^diesen in der rabbinischen Gelehrsamkeit unterweisen ließ. (Schluß folgt.) > Vermischtes < AlSfeld. Einem jungen Mediciner, Dr. M. Rothschild aus Angenrod, Kreis Alsfeld, welcher noch in Würzburg studirt, ist es gelungen, die Frau eines Landwirths aus Bernsburg, welche 17 Jahre stumm war, in kaum 14 Tagen wieder so herzustellcn, daß sie jetzt wieder laut u. deutlich spricht. Die Frau hatte vorher bedeutende Professoren consultirt, war aber für unheilbar erkürt worden. Die Heilung hat bei der fast durchweg antisemitischen Bevölkeruug des Ortes einen vollständigen Wechsel der Gesinnung hervorgerufen u. überall spricht man in hiesiger Gegend mit Anerkennung von dem jungen jüdischen Arzte, umsomehr, als er lediglich aus wissenschaftlichem Interesse die Untersuchung annahm u. dann die Heilung durch geschickte innerliche Elektrisirung ohne Operation bewirkte. Görlitz. Anläßlich des 70. Geburtstages seiner Mutter, der Frau Komnierzienrath Ephraim Hierselbst, hat Herr Martin Ephraini dem Magistrat der Stadt ein Stiftungskapital von 10000 Mark überwiesen, aus dessen Zinsen daselbst wohnende Bedürftige und würdige verheirathete Wöchnerinnen ohne Unterschied der Konfession verpflegt und unterstützt werden sollen. Die Stiftung soll den Namen „Henriette Ephraim-Stiftung" führen. Scheveningen Von autoritativer Seite werden wir erfucht den Lesern des „Israelit" mitzutheilen, daß im hiesigen Dorfe kein jüdischer Metzger unter rabbinatlicher Aussicht steht und daß deshalb die israel. Hotels Hierselbst ihren Fleischbedarf aus dem Haag beziehen. Es mutz deshalb jeder Jehudi, der hier selbstständige Küche zu führen beabsichtigt, das Fleisch ebenfalls aus dem Haag kommen lassen und zwar von Metzgern, die unter Aufsicht des Rabbinats stehen. Wien. Frau Baronin Clara Hirsch auf Gereuth hat zur Vertheilung an Arme in Wien ohne Unterschied der Confession anläßlich des Ablebens ihres Gatten den B»trag von hunderttausend Francs gespendet. Bezirkshauptmanu Dr. v. Friebeis hat sofort ein Schreiben an die Spenderin gerichtet, in welchem er Namens der Stadt Wien den Dank für diese munificente Widmung ausspricht. Wien- (I sraelitische Trauungen) Das Ministerium des Innern hat in Einvernehmen mit dem Ministerium für Cultus und Unterricht und dem Justizministerium an alle Landesstellen folgenden Erlaß gerichtet: „Es wurde wahrgenommen, daß bezüglich der Frage, ob die israelitischen Seelsorger berechtigt sind, außerhalb des Cultusgemeindesprengels, für welchen sie bestellt sind, Trauungen von Angehörigen ihres eigenen Sprengels vorzunehmen, verschiedene Anschauungen herrschen und demgemäß bei derartigen Eheschließungen in der Praxis ein ungleicher Vorgang beobachtet wird. Zur Hintanhaltung von Competenzcouflicten und zur Erzielung eines gleichen Vorganges, insbesondere auch bei der Matrikenführung findet das Ministerium des Jmum iiu Einvernehmen mit k. k. Ministerien für Cultus und Unterricht, daun der Justiz die k. k. Stadtbalterei (Landesregierung) aufzufordern, die Israelitischen Cultusgemeinden und deren Organe darauf aufmerksam zu machen, daß im Hinblick auf die Bestimmungen der §§ 81 und 82 des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches im Zusammenhang mit den Bestimmungen des Gesetzes vom 21. März 1890 die Rabbiner, sowie die nach den §§ 13 und 14 des letzteren Gesetzes bestellten Stellvertreter der Rabbiner zur Vornahme von Trauungen innerhalb des Cnltusgemeindesprengels, für welchen sie bestellt wurden, berufen sind, daß jedoch bei Eheschließungen, wenn diese außerhalb der Cultusgemeinde, in deren Sprengel die Ehewerber ihren ordentlichen Wohnsitz haben, vorgenommc» werden sollen, die Trauung nur nach erwirkter Ermächtigung iDelegation) seitens dev Rabbiners des Trauungsoitcs oder seines Stell ertretcs erfolgen darf. In den letzteren Fällen ist die Trauung im Sinne der bestehenden Matrikenvorschriften in die Trauungsmatriken jenes Bezirkes mit fortlaufender Reihezahl einzntragen, in welchen: die Trauung vorgenommen wurde. Die im S 33 des Jsraelitengesctzes vom 21. März 1890 berufenen Behörden werden die Befolgung dieser Vorschrift zu überwachen und Uebertretungen derselben 31t bestrafen haben. Hievon sind auch die israelitischen Matrikenführer entsprechend zu verständigen." Feuilleton. Auf des Lebens Köh'. Erzählung von S. B. R 0 s n e r. 1) (Alle Rechte Vorbehalten.) Herbstliches Abendroth färbt goldig die Pappelkronen des Parkes und ruhig flackert der Reflex der untergehenden Sonne auf den hohen Bogenscheiben des Schlosses, die Felder und Fluren aber beginnen sich allmählich in die Schleier der Dämmerung zu hüllen. Stolz blitzt vom Giebel des Schlosses ein gräfliches Wappen über die dunkelnde Landschaft; unter demselben leuchten die Scheiben einer mächtigen Flügelthüre wie geschlagene Goldplatten. Auf den marmornen Stufen der Freitreppe, auf welche diese Thüre mündet, scheint ein feingewobener Purpurteppich zu liegen. Geisterhaftes Schweigen ruht über Schloß und Park; der Zauberspruch eines Magiers scheint einen tiefen Schlaf über die Gegend verhängt zu haben. Kein Schritt erklingt auf den Marmorstufen der Freitreppe, keine Bewegung erwacht auf den beschatteten Alleen, auf welche durch das dichte Laub einzelne gluthrothe Streiflichter fallen. Manchesnial fällt mit niclancholischem Säuseln ein rothes Blatt aus der Höhe herab zu den übrigen, die, schon halb verwelkt, auf dem Boden herumliegen. Auch das Schäumen einer Fontaine, welches matt aus einem entfernteren Theile des Parkes herüb erklingt, bringt kein Leben in dieses Bild der tiefsten Ruhe; fremdartig tönt es wie das Geräusch von geheimnißvollen Wesen, die hier wohl Hausen mögen. Horch-- —! Der klagende Ruf eines Pfaues erschallt im Parke und schneidet scharf durch die