Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1896)
- Date
- 1896-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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745 verliehen hat. Der Rath hatte bereits in Gemeinschaft mit anderen öffentlichen Körperschaften in und außerhalb Persiens die Vorbereitungen getroffen, dem Schah zu seinem 50jährigen Regierungsjubiläum ein Beglückwünschungsadresse zu überreichen. Daß der Verstorbene viel dazu beigetragen, um die traurige Lage seiner jüdischen Unterthanen zu mildern, wird niemand bestreiten. Unter seiner Regierung hatten die fortgesetzten grausamen Verfolgungen seiner Vorgänger aufgehört; eine vor einigen Jahren stattgehabte größere Ausschreitung gegen die Juden war mehr lokaler Natur. Im Ganzen war der Schah wohl gesinnt gegen seine jüdischen Unterthanen, was er auch bei Gelegenheit seiner Reisen in Europa in seinen -Unterredungen mit Rothschild, Saffoon und Crämieux unverhüllt zu erkennen gegeben hat. Wenn er trotzdem, außer Verhinderung von Judenverfolgungen, für die soziale und bürgerliche Hebung der Juden nichts Erhebliches leistete, so ist dies die Folge des großen Fanatismus der muhamedanischen Bevölkerung Persiens, welcher nur nach und nach Reformen nach dieser Richtung hin zuläßt. R u m ä n i e n. (F.) Krajowa, 29. April. Die Juden Rumäniens geben sich der Hoffnung hin, daß bis zum Beginne des neuen Schuljahres das aus dem Jahre 1893 stammende Schulgesetz, das den jüdischen Kindern den Besuch der Volksschulen sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich macht, von den Kammern schon außer Kraft gesetzt sein wird. Möge sich diese ihre schöne Hoffnung auch bewahrheiten! Für jetzt deutet jedoch nichts darauf hin, daß die Regierung oder die Kammern von einem toleranteren Geiste beseelt worden seien, und daß sie daher entschlossen wären, den Juden Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Man fragt sich, wieso unser Kriegsminister fordern kann und darf, daß die jüdischen Rekruten die Landessprache schreiben und lesen sollen können, wenn die Regierung den jüdischen Kindern den Schulbesuch unmöglich macht. Es ist daher auch kein Wunder, wenn in manchen Gegenden so in, der nördlichen Moldau, in Bessarabien und dann in der kleinen Walachei das Analfabatenthum unter den jüd. Kindern noch so vorherrschend ist, da die Regierung selbst es ihnen unmöglich macht, die Schulen zu besuchen, um sich hier das nöthige Elementarwissen anzueignen. > Personalien, -f Jnowrazlaw, 6. Mai. Der Trauerbotschaft von dem Hintritt des trefflichen Herrn Julius Masur, der am 1. d. M. erfolgte und von dem ich Ihnen noch an demselben Tage berichtete, möge heute der von mir zugesagte Nachruf — wenn auch in möglichster Knappheit — folgen. Wie bereits gesagt, ist der' Verlust, den unsere Stadt und Gemeinde erlitten, ein ungemein schwerer, und besonders der harte Schlag, der die nächsten Angehörigen — die trauernde Wittwe und die schmerzgebeugten Kinder—getroffen, ein nahezu unüberwindlicher. Beinahe ein volles Halbjahrhundert lebte und wirkte der Verblichene am hiesigen Platze als ein leuchtendes Vorbild der Leutseligkeit und Herzensgüte, der Berufsfreudigkeit und Pflichttreue, der flammenden Begeisterung für Lehre und Wiffenschaft; er nahm innigen Antheil an dem Wohl und Wehe seiner Mitbürger, und seine Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft für die Armen und Hilfsbedürftigen suchte ihres Gleichen. Er war ein Mann der rechten und rechtlichen Arbeit und entfaltete durch seine humanitären Bestrebungen eine nach den verschiedensten Richtungen hin mannigfache gemeinnützige Thätigkeit. Herr Masur war aus Lissa gebürtig und entstammte einer, wenn auch nicht begüterten, so doch durch Intelligenz und Biederkeit sich auszeichnenden Familie. Ec besuchte in seiner Vaterstadt das Gymnasium, zu dessen besten Schülern er gehörte. Insbesondere waren es die Gegenstände der Mathematik und Geschichte, der klassischen Sprachen und deutschen Literatur, für die er ganz besonders veranlagt war und in denen er sich auch die ganze fernere Zeit seines arbeitsvollen Lebens mit rastlosem Eifer noch immer weiter fortbilvete und vervollkommnete. Durch die äußeren Verhältnisse gezwungen, verließ er die Prima des Gymnasiums und bereitete sich, um schneller zu einer Selbständigkeit und Existenz zu gelangen, zur Lehrerprüfung vor, bestand in Posen dieselbe glänzend und erhielt bald darauf eine Anstellung zuerst als Lehrer und später als Hauptlehrer an der hiesigen Volksschule, an der er vom Jahre 52 an bis zum Jahre 90 segensreich wirkte. Im letztgenannten Jahre trat er nach 88jähriger rastloser und aufreibender Arbeit in den wohlverdienten Ruhestand. Gleichwohl ließ er es sich nicht nehmen, auch dann noch seine vorzügliche Lehrkraft der Religionsschule zu erhalten, an der er bis zu dem Tage, an welchem ihn ein zwar verhältnißmäßig kurzes, aber schweres Leiden auf das Krankenlager warf, den Unterricht mit den gewohnten vorzüglichen Erfolgen ertheilte. Während seines thatenreichen Lebens stellte er es sich zur besonderen Aufgabe, talentvollen armen Kindern kräftig unter die Arme zu greifen, sie unentgeltlich zum Gymnasium oder Lehrerseminar vorzubereiten und ihnen auch die erforderlichen materiellen Mittel zu verschaffen, um ihnen Gelegenheit zu bieten, sich zu nützlichen und tüchtigen Menschen heranzubilden. Viele Männer in hochgeachteter, ja hervorragender Lebensstellung, wie Aerzte, Rechtsanwälte, Rabbiner und Volksschullehrer haben ihm ihr Glück zu verdanken. Auch der