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Der Israelit · 1896-05-14 · Heft 38-39 (14.5.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 38-39 (14.5.1896)
Date
1896-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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744 geadelt, daß Gott sie an den Menschen ausübt. Die Schule gilt als die vornehmste und festeste Grundsäule der Gesellschaft und des Staatslebens. Eine Gemeinde ohne geordnete Schule ist werth, vom Erdboden zu verschwinden. Der Jugendunterricht muß ein allgemeiner sein und darf nicht auf einzelne Kreise und Stände beschränkt werden. Von dem Lehrer wird Freundlichkeit und Geduld, Gründlichkeit und Pünktlichkeit, tüchtiges Wiffen und sorgfältige Vorbereitung verlangt. Großes Gewicht wird auf des Lehrers sittlichen Lebenswandel gelegt, denn er soll den Schülern in seiner Person ein Vorbild sein. Der Schüler schuldet aber dann ihm auch unbegrenzte Ehrfurcht. Die größte Achtung genießt der Stand des Volksschullehrers. Der Unterrichtsplan darf keineswegs einseitig sein, er muß vielmehr alles umfassen, was für das Leben erforderlich. Auch ein Handwerk seinen Sohn erlernen zu lassen, ist jeder Vater verpflichtet, damit dieser auf ehrenhafte Weise sein Fortkommen finde; auch Schwimmeninuß der Vaterseinen Sohn lernen lassen, um dessen Körper abzuhärten und damit er in Gefahr, sich und andere retten könne. Der Religionsunterricht muß so gestaltet sein, daß der Schüler nicht nur religiöse Bräuche üben, sondern vor Allem ihren Sinn und ihre Entstehung begreifen lerne. In jedem Satze des Vortrages erkannte man den bewährten Schulmann, der ehedem in Preußen als Direktor zweier Seminare zahlreiche israelitische Lehrer ausgebildet hat. Diese Wahrnehmung ferner, die sympathische Erscheinung des Redners und seine edle und dabei für jedermann verständliche Sprache, vor Allem aber die Fülle bedeutsamer Belehrung fesselten die Zuhörer derartig, daß dieselben es gewünscht hätten, wenn der Vortrag sich noch länger ausgedehnt hätte. Am 29. April hielt dieser Verein seine ordentliche Hauptversammlung ab und hat damit das erste Vereinsjahr beschlossen. Die Zahl der Mitglieder beträgt bereits 140. Die Beiträge derselben belaufen sich auf 180 M. Bisher wurden folgende Vorträge gehalten: 1) „Die soziale Frage und das jüdische Alterthum", von Oberlehrer Dr. Heinrich Levy; 2) „Samuel ha-Ragiv, Staatsmann und Dichter", von Rabbiner Dr. Cohn in Basel; 3) „Armenpflege nach Bibel und Talmud," von Rabbiner Dr. Ginsburger in Sulz, Oberelsaß; 4) „Moses Mendelssohn", vom Bezirksrabbiner Dr. Lewin in Freiburg i. B.; 5) „Le Talmud et sa morale“, von Rabbiner Bloch, Remiremont; 6) „Aberglauben im Juoenthum". von Oberlehrer Dr. Heinrich Levy; 7) „Werthschätzung der Arbeit im jüdischen Alterthum", von Rabbiner Dr. Zivi in Winzenheim; 8) „Da femme juive", von Rabbiner Meyer in Valenciennes; 9) „Die Emancipation der Juden in Frankreich und das große Sanhedrin unter Napoleonl.", von Rabbiner Dr. Weill in Fegenheim; 10) „Talmudische Gedanken über Erziehung", von Kirchenrath Dr. Kroner in Stuttgart. Zu diesen Vorträgen erschienen jedesmal an 800 Personen. Außerdem hat der Verein zwei Cu.se eingerichtet, deren jeder wöchentlich einmal zweistündig abgehalten wirb; den einen für Erwachsene, leitet Dr. Wolf, Seminardirektor in Colmar, den andern für Knaben, Rabbiner Schüler in Bollweiler. Die Bibliothek des Vereins umfaßt gegenwärtig 60 Bände, darunter sehr werthvolle Werke. Italien. (A.) Florenz, 7. Mai. In Nr. 32 des „Israelit" fand ich eine Notiz des Inhaltes, daß die Cultusgemeinde von Reggio d'Emilia den Rabbiner von Fiunie, Herrn M. G o l d st e i n, zu ihrem Seelsorger ernannt habe. Diese Nachricht bedarf einer kleinen Berichtigung. Herr Rabbiner Goldstein hat sich wohl um den erledigten Rabbinerposten in Reggio beworben und erhielt er schließlich auch diesen Posten. Vor einigen Tagen traf jedoch ein Schreiben von ihm in Reggio ein, in dem er erklärte, er sei nicht in der Lage, die Stelle anzunehmen. R u ß l a n d. (X.) Tiflis, im Kaukasus, 22. April. Die im Kaukasus und au der westlichen Küste des Kasplsees lebenden einheimischen Juden die zumeist persisch oder cireessisch sprechen, wollten gleich ihren mohamedanischen Mitbürgern eine Deputation mit Geschenken zur Krönung nach Moskau entsenden, um sich so die Gunst des jungen Czaren zu erflehen. Sie wandten sich deßhalb an den General-Gouverneur hier, der ihren Wunsch nicht nur als einen recht loyalen, sondern auch als einen berechtigten fand, da solche Deputationen auch den Krönungen von Alexander I., Nicolaus I. und Alexander II. angewohnt hatten, und versprach, deren Fürsprecher in St. Petersburg zu sein und ihnen die Gewährung dieser Gunst des Czaren zu erwirken. Seine Schritte blieben jedoch fruchtlos, denn er wurde vom Ministerium des kaiserlichen Hauses verständigt, daß dasselbe die Anzahl der zu empfangenden Deputationen schon festgesetzt habe, und können daher neuangemeldete nicht mehr zugelassen werden. Die Juden im Kaukasus, die schon Jahrhunderte vor dem Erscheinen der Russen hier gelebt haben, werden bei der diesmaligen Krönung in Moskau nicht vertreten sein. England. London. Der Tod des Schah von Persien konnte in der jüdischen Gemeinde nur tiefes Bedauern erregen, ein Bedauern, dem der Rath der „Anglo- Jewish-Asiociation" in seiner letzten Sitzung Ausdruck

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