Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1896)
- Date
- 1896-05-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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743 Zusammenfallen jüdischer und christlicher Feiertage zwei Gottesdienste abzuhalten. Dies Mittel hätte sich bei der hier üblichen Seelenfeier vortrefflich bewährt. Von Seiten des Vorstandes bittet Herr Direktor Hermann die Angelegenheit bis kurz vor Rosch Haschanah in 8U8p6N80 zu lasten, da bis dahin oben erwähnter Fall nicht eintreten wird, während Herr Joseph Fraenkel schon heute auf die am nächsten Sonntag Ereb Schabuoth eintretenden Schwierigkeiten aufmerksam macht. Hierauf stellt Herr Professor Lewin den Antrag, die in der Versammlung gehaltenen Reden stenographiren zu lasten, da hierdurch die Debatten abgekürzt würden. Herr Stadtrath Dr. Weigert verspricht sich kein Resultat davon, die Reden seien auch nicht so werthvoll. Es erfolgt Ablehnung. Eine Schenkung der Frau Julie Reumann geborenen Rathenow im Betrage von 12000 Mark wird angenommen. Die genannte Dame hat den Wunsch ausgesprochen, daß am 16. Tamus dem Todestage ihres Gatten Kaddisch gesagt werde. Der Gemeinde B'ne Brith wird vom 1. April bis zum 1. Sept. ein Zuschuß von 1000 Mark bewilligt, dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur 300 Mark. Der Vorstand des jüdischen Krankenhauses in Memel bittet für die Dauer von drei Jahren um einen Zuschuß von 50 Mark. Es wurden 100 Mark pro Jahr bewilligt. Dem Verein Emser Heilquelle wird eine Erhöhung von 75 Mark auf 150 Mark pro Jahr gewährt. In das Curatorium der Adolph Reichenheim'schen Stiftung wird statt des ausscheidenden Herrn A. Ruß, einstimmig Herr Sanitätsrath Dr. Blumenthal gewählt. Schließlich bittet Herr Hermann Landsberger um eine Verbesserung der Akustik im Saale, wofür ihm die Berichterstatter von ganzem Herzen danken. E. R. A. Aus Bayern. Bei der Berathung des Kultusetats im Finanzausschuß der bayerischen Abgeordnetenkammer am 1. Mai wurde mit den Postulaten für den jüdischen Kultus begonnen. Zur Aufbesserung des Einkommens gering dotierter Rabbinatsstellen sind wie früher 14,000 Mk. postuliert. Der Referent Dr. Daller hebt hervor, daß die bewilligte Summe nie verbraucht worden sei, will sie jedoch nicht beanstanden. Es liegt vor eine Petition des jüdischen Religionslehrer Maier Rosenberger in Unteraltertheim um Bewilligung staatlicher Atterszulagen für die geprüften israelit. Religionslehrer. Die Petition wird von verschiedenen Abgeordneten warm befürwortet, besonders hebt Abg. Maison hervor „der Staat habe ein großes Interesse an dem Erziehungswerke der Petenten, bezw. seiner Kollegen." Er meint, man sollte, da ja nur zirka 2000 Mk. erforderlich wären, diese dem Regierungspostulate entnehmen. Kultusminister von Landemann will jedoch dieses für die Pensionsbezüge der Rabbiner, zu welcher Materie auch eine Petition vorliegt, in Anspruch nehmen. „Er erkennt ausdrücklich das verdienstvolle Wirken der Petenten an;" es sei aber ein besonderer Fonds nicht da. Referent Dr. Daller stellt Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung, welcher schließlich angenommen wird. Es folgt die Berathung über die Petition der israelitischen Rabbiner um einen Zuschuß von 2127 M. zu deren Pensions- und Reliktenkaste. Aus der Petition ist ersichtlich, daß von 24 Rabbinen in Bayern nur 6 Pensionsrechte haben. Minister von Landemann beantragt, nachdem mehrere Redner für die Petition eingetreten sind, die 14,000 Mk. im Budget so zu theilen, daß unter 8 1 (Gehaltsaufbesserung) 12,000 Mk., unter 8 2 für Penfions- und Reliktenfürsorge 2000 Mk. eingestellt werden. Er meint, das Zweckmäßigste wäre, wenn die Rabbiner in den Gemeindebeamtenverein ausgenommen würden, nachdem sie wohl kaum einen eignen Verein bilden können. Die Rabbiner in den 6 größeren Städten, die gut bezahlt würden, sollten ausgeschlossen, den anderen sollte ein Zuschuß bis zur Hälfte der Jahresbeiträge zu ihren Pensionsbeiträgen geleistet werden, dazu brauche man nicht ganz 2000 M. Die Verwendungsart möge man am besten der Regierung überlassen. Dieser Antrag wird nach Befürwortung des Referenten angenommen und die Petition für erledigt erklärt. Ist es materiell auch wenig, was erreicht wurde, so muß es uns doch mit freudiger Genugthuung erfüllen, daß im bayerischen Parlamente manches warm schlagende Herz für das Judenthum und seine Vertreter sich findet und daß vom Ministertische ausdrücklich „das verdienstvolle Wirken der jüdischen Religionslehrer" anerkannt worden ist. Mülhausen i. <£., 8. Mai. Im Anschluß an den im „Israelit" Nr. 34 in kurzen Worten nur erwähnten Bericht betreffs des hiesigen Literaturvereins, erlaubt sich ein Mitglied dieses Vereins und ein langjähriger Abonnent und eifriger Leser des „Israelit" sowohl über den vom Kirchenrath, Herr Dr. Kroner aus Stuttgart, auf Einladung des Literaturvereins im hiesigen Börsensaale gehaltenen Vortrag : „Talmudische Gedanken über Erziehung", als auch über die Thätigkeit des Literaturvereins Näheres mitzutheilen. Bücher über die Geschichte der Pädagogik, so ungefähr begann der interessante Vortrag, sagen bisher so gut wie nichts über die alte, talmudische Erziehungslehre, und doch ist diese der Beachtung im hohen Grade werth. Jedem Vater liegt die Pflicht ob, seine Kinder zu unterrichten; wer dieser Pflicht nicht selbst genügen kann, hat die Pflicht, einen Lehrer anzustellen; Erziehung und Unterricht find dadurch