Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1896)
- Date
- 1896-05-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXTO Jahrgang. fitiittfle }u M 37 des Jlsrnelit“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 2. Mai. Der Vorstand des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde hat vor Kurzem in einem vom Steuerfiskus gegen ihn angestrengten Prozesse in allen Instanzen obgesiegt. Es handelt sich um den Anspruch des Steuersiskus, daß das Krankenhaus für eine ihm zugefallene Stiftung, ans welcher arnren Krankett Geldunterstützungeii gewährt werden, Erbschaftssteuer zahlen sollte. Glicht jeder Zuwendung au eine milde Stiftung steht ttämlich Steuerfreiheit zu, sondern nur einer solchen, deren Zweck sich mit der milden Stiftung deckt. Der Stenerfiskus bestritt, daß die Zuwendung von baaren Unterstützungen an Arme zur Krankenbehandlitng zu den Zwecken des Krankenhauses gehöre. Das Reichsgericht hat nun ein dem jüdischen Krankenhause günstiges Urtheil gefällt und darin unter anderem folgendes ausgesührt: Zitgegeben ist, daß es im Ällgemeinen im Begriffe einer Kratckenanstalt liegt, daß der Kranke in die Anstalt ausgenommen wird und daselbst Krankenpflege erhält. Durch diesen allgemeinen Begriff tvird aber nicht ausgeschlossen, daß in besonderen Füllen auch außerhalb der Anstalt ärztliche Behandlung oder eine Geldunterstützung gewährt wird. Der eigentliche Zweck eines Krankenhauses besteht darin, dem Kranken Heilung zu verschaffen, und ztvar einem armen Kranken unentgeltlich. Kann dieser Zweck dadurch erreicht lverden, daß in besonderen Fällen dein armen Kranken eine Unterstützung in Gelde gewährt wird, so erscheint dies zulässig und dem Begriffe des Krankenhauses jedenfalls alsdann nicht widersprechend, wenn das Statut selbst dahin gehende Bestimmungen getroffen hat. In Artikel 7 des Statuts ist nun dem Vorstande des Krankenhauses die Gewährung von Unterstützungen in baarem Gelde an hilfsbedürftige Kranke in dringenden Fällen ausdrücklich gestattet; die Gewährung soll „nach Maßgabe der für diesen Zweck durch besondere Stiftungen und Gaben oder durch den Haushaltsetat zur Verfügung gestellten Mitteln" erfolgen. Die Zwecke des Krankenhauses und der qu. Stiftung decken sich also jedenfalls darin, hilfsbedürftige Kranke behufs vollständiger Wiederherstellung ihrer Gesundheit durch Gewährung von baarem Gelde zu unterstützen, gleichviel, ob sie sich in der Anstalt befunden haben oder nicht. Aus der Provinz Posen, H3to by iTDnro nA! Wehe uns, wir haben einen unersetzlichen Verlust erlitten! Wiederum ist ein geistesgewaltiger Träger unseres heiligen Gottesgesetzes dahingegangen, wiederum hat das Judenthum einen seiner größten Söhne verloren. W n"io p"ixri lixnam ist nicht mehr. Am 8. Jjar hat ihn der unerbittliche Tod den Seinen, seiner Gemeinde und der Gesammtheit Israels entrissen. Der Verewigte ist zu Rogasen, in der Provinz Posen, im I. 5556 (1806) geboren. Sein Vater o”n mo pnsn stammte ans einer uralten, durch rabbinische Gelehrsamkeit ausgezeichneten Familie und war ein Mann von erstaunlicher Belesenheit in den talrnudischen Schritten, ein Meister der hebräischen Grammatik, der aber auch in profanen Fächern eine für seine Zeit ungewöhnliche Bildung besaß. Frühzeilig führte O"n der s. Z. das Rabbinat in Rogasen verwaltete, seinen Sohn in das Studium der Thora ein, und als Knabe von 9 Jahren konnte -''ne ‘*i selbstständig „lernen." Außer dem Unterricht seines Vaters genoß er noch den des damaligen Rogasener Rabbiners ’iSn ppver>"io, der später das bedeutende Rabbinat zu Fordon (bei Bromberg) bekleidete. Schon damals zeichnete sich >n tnd G durch ein ungewöhnliches, eisernes Gedächtniß, eine blitzschnelle Auffaffung und einen geradezu verblüffenden Scharfsinn aus. Als er nach Posen ging, um dort zu den Füßen des großen Meisters in Israel des m -U'N rzppy ", ,011 imo -pinn ivo den Worten der Lehre zu lauschen, ging ihm schon der Ruf eines nAy voran. Bald war er dem großen Rabbiner pro,di :son ToVn geworden, der es keineswegs scheute, beim Typ im wogenden Kampfe der Meinungen Ansichten zu äußern, die denen des großen Lehrers entgegenstanden. Nicht selten ward ihm die hohe Auszeichnung zu Theil, daß der größte unter den Großen schließlich seiner Meinung beitrat, Momente, an die der Verklärte bis in sein höchstes Alter mit Hochgefühl sich erinnerte. Etwa 4 Jahre weilte er auf der N2'v' zu Posen und kehrte, ausgestnttet mit den ehrendsten Zeugnissen des großen Meisters und des berühmten Talmudiften R. Jacob Ealvari, des derzeitigen p-, r>o dx zu Posen, in seine Vaterstadt zurück. Hier vermählte er sich, wurde jedoch bald verwittwet und schritt nach einigen Jahren zu einer zweiten Ehe mit der ihrer tiefen Frömmigkeit, ihrer großen Menschenliebe und Klugheit der Verehrung weitester Kreise sich erfreuenden Gattin, die ihm bis zu seinem Tode 57 Jahre lang die treueste Begleiterin durch des Lebens Fahrnisse gewesen ist. , tn» h wurden verschiedene RabbinatSsitze angeboten; er mochte jedoch seine tiefe Thorakenntniß nicht gebrauchen als „Spaten, um damit zu graben".