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Der Israelit · 1896-05-11 · Heft 37 (11.5.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 37 (11.5.1896)
Date
1896-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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731 Herten an. Was ich meinem Neffen zufügen wollte, war blos zu seinem Besten. Wie ein Fluch haben Sie sich von jeher an meine Fersen geheftet. Als mein Gaston noch ein kleines Kind war, traten Sie mir als sein Vormund hindernd in den Weg, jetzt, wo er erwachsen ist und Ihrer Vormundschaft nicht mehr verlangt, suchen Sie ebenfalls meine Pläne zu vereiteln. Ich will Ihnen Alles gewähren, was Sie nur von mir wünschen mögen, wenn Sie meinen Gaston znnr Empfang der Taufe bestimmen wollen!" „Comtesse," rief Elchonon mit vor Zorn bebender Stimme aus, „wollen Sie denn gar keine Vernunft annehmen! Wahrlich! Sie wollten mich in ein Irrenhaus sperren und fast möchte ich Ihnen den Rath ertheilen, in einem solchen Hause für einige Zeit Heilung für Ihre aufgeregten Nerven zu suchen! Ist es denn möglich, daß ein Mensch von klarer Einsicht solche Dummheiten redet's Es besteht absolut keinerlei Beziehnng zwischen mir und Ihrem Geschlechte. Geben Sie also alle Ihre Pläne auf und denken Sie vernünftig. Ich will Ihnen ja dankbar sein für das Gute, das Sie an mir und meinen Eltern gethan, mit der Zeit werde ich Sie vielleicht auch lieben lernen. Verlangen Sie nur nicht, daß Ihre wahnwitzigen Anschauungen Anerkennung finden. Das Geschlecht de la Pelouse wird mit Ihrer Person erlöschen müssen; dagegen nützen weder gute Worte noch Gewaltstreiche. Und noch eins bedenken Sie, Gräfin; das Beste, das der Mensch besitzt wurzelt nicht im Namen und Reichthum, sondern in ihm selbst, insofern die Entwickelung seiner eigenen Welt, dessen Schöpfer er nur sein kann, planmäßig nach seinem geistigen Berufe und nach gereifter Ueberzeugung angelegt wird. Ja, im Kleinsten schlummert das Größte und der höchste Adel ist und bleibt der Adel der Gesinnung. Der Herd. des Hauses, an welchem eine Familie seine Begründung gefunden, ist ein geweihtes Heiligthum. Weh' dem, der die Bande dieser Familie zu zerreißen, das Heiligthum zu entweihen sucht. Lassen Sie daher ab von den falschen Bahnen, die <L>ie, Gräfin, bisher einschlugen. Im Kreise der Menschheit wollen wir Verwandte sein, in Eintracht und in Frieden leben, gemeinschaftlich edle Liebeswerke üben, Schulter an Schulter gegen die Lüge und Verkommenheit kämpfen. Im trauten Kreise der Religion aber sind und müssen unsere Bahnen geschieden sein. Doch jeden führt seine Religion zu der lichten Höhe der Zufriedenheit und an dem Born, der nie versiegenden Glückseligkeit, treffen die Gläubigen aller Religionen zusammen, insofern sie das Gute gewollt, das Edle zu erstreben"' suchten; dort schwingen sich die ewigen Banden der himmlischen Harmonie um die edlen Herzen von derMchsten Idee getragen, vom Strahlenglanze des höchsten Lichtes erleuchtet." Mit sichtlichem Interesse hätten die Zuhörer auf seine begeisternden Worte gelauscht; selbst in dem bewegungslosen Gesichte des Paters, schien ein milder Zug aufzuleuchten. „Sie sehen, gnädige Comtesse," hob Blum nach einer Pause wieder an, „die Hoffnung auf den Letzten Ihres Stammes müssen Sie ein für alle Mal aufgeben. Ich wünsche jedoch im Interesse nleines jungen Freundes, daß er in der Zukunft nicht von Ihrer Seite belästigt werde. Zu diesem Behufe werden Sie und dieser hochwürdige Herr mir diese Urkunde mit Ihrer 'Namensunterschrift versehen. Darin bekennen Sie, daß Sie heute einen Menschenraub gegen Elchonon Pelouse auszuführen versucht haben und im Augenblick der höchsten Gefahr von mir und meinen Freunden daran gehindert worden sind!" „Das soll ich durch meine Unterschrift bestätigend" rief der Pater mit vor Ingrimm verzerrten Zügen. „Niemals!" „Dann soll die Staatsanwaltschaft die Untersuchung wider Sie einleiten lassen, hochwürdiger Herr, und leid soll es mir thun, wenn Sie Ihre Zelle mit dem Zuchthause vertauschen müssen!" Der Pater knirschte mit seinen Zähnen, seine Gestalt bebte vor Zorn. „Ich bin in Ihrer Gewalt, ich unterschreibe!" sagte er mit vor Wuth erstickter Stimme und setzte seinen Namen unter das Schriftstück. „Fluch Dir!" „War sehr unchristlich," höhnte Blum, er drückte auf den Knopf, Jean erschien. „Der Kutscher soll kommen." „Hochwürden müssen doch^Dr/Roche vordem Vorgefallenen unterrichten. Sie werden daher den Kutscher dorthin begleiten. Bedenken Sie, daß Sie in meiner Gewalt sind." Dr. Blum einen haßerfüllten Blick zuwerfend, entfernte sich Pater Pierre. „'Nun, meine Gnädige, wollen Sie nicht ebenfalls diese Erklärung mit Ihrer Namensunterschrift versehen? Wie Sie sehen, ist sie unumgänglich zur Wohlfahrt des Letzten Ihres Stammes nothwendig." Dr. Blum keines Blickes würdigend, wandte sie sich an Elchonon. „So läßt Du Deine alte Tante peinigen? O, Gaston, komme zur Besinnung! Was ist denn Glauben? doch blos eine Form. O nehme meinen Glauben an, werde der Erbe meines Namens und Reichthums. Sonst werde ich Dich enterben und alle meine Reichthümer gehen auf Martha über. Doch was soll das bedeuten?" Ihr letzter Ausruf galt Martha, die soeben auf den Arm des Dr. Longini gelehnt mit vor Glück strahlendem Gesichte in den Saal trat. „Daß ich mich mit meinem geliebten Lucien verlobt habe und ich über alle Maßen glücklich bin!"

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