Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1896)
- Date
- 1896-05-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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m 729 die Verwaltung ihm, dem liebenswürdigen Kollegen, stets ein ehrendes Andenken bewahren wird. Noch ganz unter dem erschütternden Eindruck dieses schmerzlichen Ereigniffes stehend, wurden wir von einein zweiten schweren Verluste betroffen durch das wenige Tage später erfolgte Ableben des Herrn Benny Benjamin, welcher, vor zwölf Jahren in den Vorstand gewählt, seitdem ununterbrochen diesem angehört hatte. Auch er war stets sorgsam bemüht, die Jntereffen der von ihm vertretenen Anstalt gewiffenhast wahrzunehmen und nach Kräften zu fördern. Das ruhige, besonnene Wesen, das ihn auszeichnete, verbunden mit der menschenfreundlichen Milde, welche in seinem Urtheil stets vorwaltete, haben seiner Mitwirkung bei der Verwaltung unserer Anstalt einen hohen, bleibenden Werth verliehen und ihm ein dauerndes Ehrengedächtniß in der Anstalt und in deren Verwaltung geschaffen. An Stelle des Herrn Selig Goldschmidt wurde dess n Sohn, Herr Meyer Gol'schmidt, an Stelle des Herrn Benny Benjamin, Herr Leo Hamburger — beide den Statuten gemäß für den noch übrigen Theil der Amtsdauer der Verewigten — in den Vorstand gewählt, der nunmehr nach erfolgter Wiederwahl der statutengemäß ausscheidenden Herren L. Ellinger und L. Mainz aus den Herren Jsaac DreysuS, Leo Ellinger, Meyer Goldschmidt, Adolf L. A. Hahn, L. Hamburger, L. Mainz, Wilhelm Schames, Moses Salomon Schwab, Michael Schwabacher, J rcob H. Weiller und dem Vorsitzenden, Herrn Dr. I. Werner besteht. Die den Ehrenmüttern obliegenden Funktionen wurden auch in diesem Jahre von Frau Freifrau W. C. von Rothschild, Frau Mathilde Ellinger, Frau Helene Fuld, Frau Babette Goldschmidt und Frau Rosalie Schwarzschilo mit dankenswerther Fürsorge und zu wahrem Nutzen für die Zöglinge der Anstalt versehen. Durch die ärztliche Hilfe, mit welcher sie der Anstalr zur Seite standen, haben diese zu bestem Danke verpflichtet die Herren Dr. Deutsch. Dr. Günzburg. Dr. W. Hirsch, Dr. Krüger, Dr. H. Mayer, Dr. Pinner, Dr. Rosenbaum und Dr Seeligrnann, als Zahnarzt Herr Dr. R. Hirsch und als Wundarzt Herr Karl Holdefeh". Ebenso danken wir den verehrlichen Verwaltungen des Palm ngartens und des Zoologischen Gartens für die Liberalität, mit welcher den Zöglingen unserer Anstalt der freie Besuch der genannten Etablissements gestattet wurde, desgleichen auch den löblichen Redactionen der „Frankfurter Zeitung" und des „Israelit" für die unentgeltliche Aufnahme der zur Besetzung erledigter Zöglingsstellen erlassenen Ausschreiben. Dankend heben wir eine Schenkung hervor, welche, ein Zeugniß ihrer kindlichen Pietät wie ihres ehrenden Jntcreffes für die Anstalt, von den Kindern des sel. Herrn Goldschmidt zur Erinnerung an ihre unvergeßlichen Ellern der Anstalt zugewendet wurde, und zwar der Mädchenabtheilung der Betrag von M. 15000 zur Errichtung einer Stiftung, welche den Namen Selig und Clementine Goldschmidt'sche Stiftung führen und als solche besonders verwaltet und in den Rechenschaftsberichten anfgeführt werden soll. Die jährlichen Zinsen sind den laufenden Einnahmen zuzuführen, während das Kapital unangreifbar bleibt, jedoch durch Zuwendungen vergrößert werden kann. Der Knabenabtheilung wurde zur Begründung einer Stiftung unter gleichem Namen und mit denselben Bestimmungen der Betrag von Mk. 5000 überwiesen. Mit geziemenden Dank berichten wir ferner, daß Frau Freifrau W. C. von Rothschild sich bewonen gefühlt hat, der Anstalt eine Spende von Mk. 5000 zuzuwenden, mit der Bestimmung, daß diese als besonderer Fond zu verwalten seien, um deremst bei Vergrößerung oder llmbau der Anstalt verwendet zu werden. Die Einnahmen betrugen: M. 15934.91, die bis auf M. 367.91 verausgabt wurden. Vermögensbestand am 1. Januar 1896: Mk. 81,500— Hypotheken, M. 367.06 Baarbcstand, Haus Seilerstraße Nr. 24. Pinne, 10. Mai. Unser Rabbiner, Herr Dr. Moses Schlesinger '"j wird, einem Ruse nach Bingen a. Rh. folgend, uns binnen Kurzem verlaffen, nachdenr er über 5 Jahre hier als Rabbiner amtirt hat. Herr Dr. Schlesinger hat trotz seines jugendlichen Alters eine segensreiche Wirksamkeit hier entfaltet, und erleidet die hiesige Gemeinde durch seinen Weggang einen großen Verlust. Unvergängliche Verdienste hat sich Dr. Schlesinger auf dem Gebiete des Unterrichtes erworben, er hat nicht nur den Knaben die Begeisterung für das Judenthum und seinen Glauben eingeflößt, sondern er hat auch die reifere weibliche Jugend, nachdem dieselbe schon die Schule verlassen, zu frommen, überzeugungstreuen Jungfrauen herangebildet, indem er seinen Unterricht besonders aus die Geschichte der jüdischen Geisteshelden hinlenkte und indem er die jungen Mädchen mit den religiösen Pflichten bekannt und vertraut machte. — Herrn Dr. Schlesinger dankt die Gemeinde die Erbauung einer neuen mpo, die er mit großem Eifer und nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten durchgesetzt hat; ferner die Gründung eines israelitischen Frauenvereins, durch dessen Thätigkeit schon manche Roth gelindert, mancher Kummer behoben worden ist. Wie jeder in der Oeffentlichkeit stehende Mann, so ist auch Dr. Schlesinger trotz aller seiner Vorzüge vor Anfeindungen nicht bewahrt geblieben; es ge-