Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1896)
- Date
- 1896-05-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DWWWMMWW 727 Bescheidenheit gewählt. Denn als der Sinai sah, daß sich der Hermon und der Sirjon um den Vorzug stritten, wer von ihnen zu diesem größtem aller weltgeschichtlichen Ereignisse als Schauplatz dienen soll, da erniedrigte sich der Sinaiberg und Gott sah seine Demuth und ließ seine Herrlichkeit auf ihm ruhen (Rabbah zum Deealog). Selbst die allmächtige Gottheit kann in Bezug auf die Demuth zum nachstrebenden Vorbild dienen. So lehrte Rabbi Jochanan: Ueberall, wo Du die Größe des Heiligen, gelobt sei Er, findest, dort bekundet sich auch dessen Herablassung. Es findet sich diese Thatsache in der Thora verzeichnet, in den Propheten wiederholt und in den heiligen Schriften bestätigt. In der Thora heißt es: denn der Ewige Dein Gott, Er ist der Gott aller Mächte, der Herr aller Herrn, der große, allmächtige und allgefürchtete Gott, der kein Ansehen achtet und keine Bestechung annimmt. Und gleich darauf steht geschrieben: Er verschaffet Recht der Waise und der Wittwe und liebet den Fremdling, ihm zu geben Brod und Kleidung. Daffelbe ist wiederholt in den Propheten, wo es heißt: Denn so spricht der Hoch- und Erhaben-Thronende, deffen Name heilig ist. Ich wohne in den Höhen der Heiligkeit und auch bei dem Niedrigen, bei dem gebeugten demuthsvollen Gemüthe, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu erquicken das Herz der Gedemüthigten. Bestätigt ist dies auch in den heil. Schriften in den Worten: Lobsinget Gott, preiset seinen Namen, verherrlicht den, der auf den Wolken einherfährt. Und gleich darauf folgt der Vers: Er ist der Vater der Waisen, und der Anwalt der Wittwen. (Megillah 29, d). Der Mensch liebt es, die g a n z e n Gerüche den zerbrochenen vorzuziehen. Nicht so Gott, er bevorzugt das gebrochene Herz, denn so spricht der Psalmist: Der Herr ist nahe, denen die gebrochenen Herzens sind (Rabbah zu Zaw). Weßhalb, so heißt es im Talmud, ist der Mensch zuletzt erschaffen worden, damit wenn er hochmüthig wird, man ihm sagen kann, die kleinste Mücke hatte vor Dir den Vortritt in der Schöpfung (Sanhedrin 47, a). Darum geize nicht mit Deiner Freundlichkeit, sei nicht schroff und abweisend in Deinem Benehmen, nicht engherzig in den Achtungsbezeigungen Deinem Nächsten gegenüber; erwäge nicht erst auf der Goldwaage, ob er genau so hoch in Ehren und Würden steht wie Du, ob er Dir ganz gleich und vollkommen ebenbürtig in socialer Stellung ist, würdig Deines Umganges theilhastig zu werden, sondern sei ein Freund jedem Rechtschaffenen, jedem Anständigen, auch wenn er im gesellschaftlichen Leben gering und unbedeutend ist. Und bist Du ein Weiser, ein Gottesgelehrter, so glaube nicht, daß Du die Segnungen der Lehre erwirbst, wenn Du auf den minder Wiffenden oder auf den Unwiffenden mit Stolz und Hochmuth herabblickst, nein, denn die Thora kann nur erworben werden durch Bescheidenheit (Aboth 6), durch das Meiden jeder Ehrsucht (oas.), durch das Sich - Nichthervorthun. Der wahrhafte Talmid Chacham muß bescheiden in seinem Wesen sein und berühmt und hochgeehrt durch seine Thaten, er strebe nach Wahrheit und nicht nach falschem Schein, nach Aufrichtigkeit und nicht nach Macht, nach Demuth und nicht nach Stolz, nach Frieden und nicht nach Kampf. (Derech Erez.) Ist es im Talmud geboten, jedem Andern mit Bescheidenheit zu nahen, so ist es heilige Pflicht dem Gelehrten, dem Thorawissenden mit besonderer Hochachtung und Verehrung entgegen zu kommen und ihn zu ehrfürchten gleich einem höheren göttlichen Wesen (Kiduschin). Ein schönes nachahmenswertheS Beispiel hiefür gab Jehoschafat, der König von Jehuda. Wenn dieser einem Gottesgelehrten begegnete, so verneigte er sich ehrerbietig vor ihm. und küßte ihn und nannte ihn Vater, Lehrer und Erzieher. (Makoth 24, a.) (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 8. 7'. Berlin. Jedes geschriebene Wort vermag nur einen sehr unvollständigen Begriff von jener mächtigen Wirkung zu geben, die das Miterleben von erhabenen Ereignissen unmittelbar übt. Trotzdem will ich versuchen, die Eindrücke wiederzugeben, die die verschiedenen freudigen Momente hervorgerufen, die wir im Synagogen-Verein B e t h Zion miterlebt haben. Ein Gefühl wahrer Genugthuung ergreift den treuen Juden, wenn er sieht un) hört, wie ernstes, redliches Streben von Erfolg begleitet ist und sich mehr und mehr die Anerkennung und Würdigung weiter Kreise verschafft. Das ist thalsächlich bei Beth Zion der Fall, welches heute unter den verschiedenen Gemeinden Berlin's eine der geachtetsten Stellungen einnimmt. Schon das innige Verhältnis das zwischen Rabbiner und Gemeinde herrscht, derart, daß in religiöser Beziehung nichts geschieht, ohne vorher das Urtheil des Rabbiners zu hören, ist die beste Bürgschaft für die gedeihliche Wetterentwicklung der Gemeinde. Sie steht mit ihren synagogalen und gottesdienstlichen Einrichtungen auf dem Boden des alten, traditionellen Judenthums. Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn hochangesehene Mitglieder der jüd. Gemeinde der Gemeinde Beth Zion ihr besonderes Wohlwollen zuwenden. Edelsinn und reines uneigen-