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Der Israelit · 1896-05-11 · Heft 37 (11.5.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 37 (11.5.1896)
Date
1896-05-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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726 Hochmüthige verfällt dem Laster, der Hölle, derWescheidene und Schamhafte aber wird des Heils und der ewigen Glückseligkeit theilhaftig. (Aboth 4). Es sind drei Dinge, die den Schüler Abrahams kennzeichnen: Ein wohlwollendes Auge, bescheidenes Gemüth und demüthiges Wesen. Das Gegentheil hingegen gilt von den Schülern Bileams: Mißgünstiges Auge, hochmüthiger Sinn und stolzes Gemüth. (Aboth 5). Rabbi Jo sua Ben Lewi lehrte: Erwäge nur, wie hochgeachtet die Demuth bei Gott ist. Wer zur Zeit als der Zionstempel stand ein Ganzopfer oder ein Mehlopser darbrachte, dem wurde das gespendete Opfer als Verdienst angerechnet, wer aber bescheidenen Herzens ist, der wird von Gott wie Derjenige betrachtet, wie, wenn er alle Opfer dargebracht hätte, denn so heißt es (Psalm.): Die Opfer Gottes sind ein demüthiger Sinn, dessen Gebet auch Erhörung findet, (Sota 5, d). Ein Seher, ein Prophet sein, oder des göttlichen Geistes theilhaftig werden, kann nur der, welcher die Tugend der Demuth besitzt. (Nedarim 38.) Rabbi Jehuda Hanassi, der Fürst des Exils, der größte Mann seiner Zeit, der in hohen Ehren bei seinem Volke und selbst beim römischen Hofe stand, der einen ungeheueren Reichthum besaß, bei dem also alle Glücksgüter, die das menschliche Dasein verherrlichen, vorhanden waren, hatte ein so demüthiges Wesen und ein solch' bescheidenes Herz, daß man bei seinem Ableben allgemein die Ueberzeugung gewann, daß mit seinem Tode auch die Tugend der Demuth aus der Welt völlig geschwunden sei (Sota 46, 6). Dieser Rabbi wurde auch im Volksmunde „Der Heilige" genannt, weil nach talmudischem Grundsatz, Heiligung zur Demuth führt, und Demuth zur Gottesfurcht bringt (Aboda Sara 20) und Rabbi Jehuda alle diese schönen Eigenschaften in sich vereinigte. Man soll in Bezug auf die Demuth Folgendes stets vor Augen haben: on ro dsv^ (Aboth 1, 14.) Der einzelne Mensch für sich allein, ist nur von geringer Bedeutung für die Welt, er gelangt nur dann zu Werth und Geltung, wenn er in Gemeinschaft mit Andern für die Gesammth eit strebt und wirkt. Da er aber nur dann etwas ist, etwas bedeutet, wenn er mit andern Menschen für dieselben etwas thut und leistet, so kann auch jeder Ein zelne aus der Gesammtheit zur Erhöhung seines Werthes beitragen. Aus diesem Grunde soll man bei der bescheidenen Denkweise über seine eigene Person, die Person, die Persönlichkeit jedes Andern achten und kein menschliches Wesen geringschätzen, denn selbst für den Geringsten kann eine Zeit kommen, wo er dir nützlich sein kann. (Aboth 4.) Darum sei nie von Dünkel und Hochmuth über die Bedeutung Deines Jchs erfüllt, verlasse Dich nicht auf Deine eigene Weisheit, aus deine eigene Vernunft und Einsicht, für dich allein bist du nichts, du vergehst, schwindest dahin, wirst zur Beute den Würmern, die Menschheit aber in ihrer Gesammtheit besteht ewiglich. (Das. 4.) Als weise Lebensregel gilt auch bei den Talmudisten der Satz: Besser ist es unter Großen eine bescheidene Stellung einzunehmen, als unter Geringen die führende Rolle zu haben, oder mit andern Worten: sei lieber der Schweif beim Löwen, als der Kopf unter den Füchsen. (Das.) Der jüdische Gelehrte insbesondere hat sich an folgende Weisungen genau zu Hallen, wenn er zu Achtung und Werthschätzung gelangen will: Sei selbstlos in Deinem Studium. Sprich nicht, ich lerne deßhalb, damit ich ein Weiser genannt werde, damit ich eine hohe Würde erreiche, oder damit ich durch einen großen Schülerkreis berühmt werde, sondern lerne ans reiner Liebe zum Studium, ohne jede Nebenabsicht, und sei gewiß, daß am Ende auch der Ruhm, die verdiente Ehre nicht ausbleiben wird. (Nedarim 62, d). Schmücke Dich nicht mit fremden Federn, prunke nicht mit den Geistesprodukten Anderer, sondern nenne offen und bescheiden denjenigen, von dem Du die Sache gehört hast (Megillah 15 a). Entziehe Dich bescheiden jeder Würde. Setze Dir nicht selbst die Krone der Gelehrsamkeit auf, hast Du diese aber ohne Dein Hinzuthun erreicht, so ttberhebe Dich darob nicht, denn es ist eines Gelehrten unwürdig, ja es ist sogar üöchst unanständig und widerlich, wenn er überall mit seinein Wissen zu prunken sucht, groß thut mit seiner hohen Bildung, Jedem seinen Ruhm erzählt; er gleicht dem auf dem Wege liegenden Kadaver, dem jeder Vorübergehende ausweicht, weil es auch bei ihm unausstehlich ist, seine stolzen Worte von seiner Größe immer wieder anhören zu müssen. (Abot di R. Nathan 11). Die Weisheit schmückt Dich nur dann wie eine Krone, wenn sie mit Demuth gepaart ist, (Midrasch Rabbah zu Schir Haschirim). Wie hoch die Demuth im Talmud geschätzt wird, lehrt uns folgende Stelle: Wodurch gelangten Eldad und Medad zur Prophetre? Durch ihre große Bescheidenheit. Als sie sahen, daß Moses die 70 Nettesten aus dem Volke auswählte, da verbargen sie sich, denn sie hielten sich nicht für würdig genug zu einer solchen Würde. Da sprach der Heilige, gelobt sei Er: Da Ihr Euch so demüthig vor mir erweiset, so sollt Ihr zu großem Ansehen kommen (Sifri zu Bahalaußcho). Auch Moses hatte es nur seiner großen Demuth zu verdanken, daß er von Gott zum Künder seiner Lehre auserkoren wurde, weil die Demuth die höchste aller Tugenden ist. (Mechilta zu Jithroh). Auch der Sinai wurde unter allen Bergen zum Schauplatz der göttlichen Offenbarung wegen seiner

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