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Der Israelit · 1896-05-11 · Heft 37 (11.5.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 37 (11.5.1896)
Date
1896-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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X XXVII . Jahrgang. M 87. Der Israelit. Si« Genlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Dr. Lehrnarm in Mainz. Montag, den 11. Mai 5656 (1896). Leitender Artikel. Die Vemilth lm Geiste der Dd. Kittenlelire. Von Rabbiner H. Ga tan datier in Soborten (Böhmen). III. Es heißt in der h. Schrift: „Sie (Die Lehre) ist nicht im Himmel oben, sie ist auch nicht jenseits des Meeres!" Hieraus können wir lernen, daß die Thorawissenschaft nicht bei dem anzutreffen ist, der in seinem Stolz zur Höhe strebt und auch nicht bei dem, dessen Hochmuth keine Grenzen kennt und gleichsam so groß ist als das Meer (das. 54.) Nicht einmal seine Verdienste darf man hervorheben, um als Lohn dafür die Hilfe Gottes zu erbitten, das ist unbescheiden; viel edler ist es in seinem Gebete auf die Verdienste Anderer hinzumeisen, durch welche man die Gnade des Himmels erlangen will. So that es auch Moses, als er für sein Volk betete, indem er sprach: Gedenke, o Gott, Deiner Knechte Abraham, Jsak und Jakob (Berachot y, b). Das mag auch die Moral der talmudischen Verordnung sein, welche lehrt, daß man beim Gebet nicht auf einer Erhöhung, sondern nur an einem niederen Ort stehen soll, da auch der Psalmist singt: „Aus der Tiefe rufe ich dich an, o Herr!" Das heißt, man soll dabei nicht seine frommen Werke hervorheben, sondern auch da bescheiden und demüthig bleiben. (Berachot 9, b.) Auch der Weise und Gelehrte muß in seinem Umgang freundlich, liebevoll und jedem, selbst dem niedrigsten Menschen zugänglich sein, tx darf sich nicht vornehm von der allgemeinen Welt zurückziehen, zugeknöpft und reservirt verhalten oder genau und engherzig erst erwägen, ob dieser oder jener würdig genug sei, daß er freundlich mit ihm verkehre. Nicht umsonst ist die Thora in der Wüste geoffenbart worden, das will uns lehren, daß der Gottesgelehrte jedem Menschen zugänglich sei, wie die Wüste für Jeden frei und offen ist. Verschließt er sich aber in seinem Stolz vor der Welt, so wird ihn Gott erniedrigen und seinen Hochmuth beugen. (Erubin 59). Hierin zeigt sich deutlich der Gegensatz zwischen unseren großen Ahnen und den Großen und Hervorragenden anderer Völker. Wenn Gott unseren Großen und Edlen Würde und Ansehen verlieh, so bekundeten sie erst recht ihre Demuth und Bescheidenheit. So war es mit Abraham. Als ihm Gott seinen Segen verhieß, da sprach Abraham bescheiden: Ich bin nur Staub und Asche. So war es mit Moses und Ahron, welche sagten: Was sind wir. So war es mit David, welcher demüthig ausrief: Ich bin nur ein Wurm und kein Mensch. Das sollen unsere Vorbilder sein. Nicht so bei den Vornehmen anderer Völker. Gott verlieh Größe dem Nimrod. Da überhob er sich und sprach: Wohlan, wir wollen einen Thurm bauen bis zum Himmel. Pharao wieder sprach: Wer ist der Herr, auf besten Stimme ich hören soll? Sanherib rief stolz: Wer ist unter den Göttern aller Länder, der mir gleich wäre? Nebukaonezar sagte in seinem Hochmuth: Ich will die Höhen der Wolken emporsteigen und mich dem höchsten Gote gleichstellen. Chiram, König von TiiuS sprach: Ich habe meinen göttlichen Wohnsitz im Herzen der Meere. Das ist auch der Grund, warum Gott an Israel Wohlgefallen fand und es von allen Völkern auserwählte (Chulin 89, a.) Das untrüglichste Zeichen des wahrhaft Frommen und Gottesfürchtige« ist die bescheidene Schüchternheit und Zurückgezogenheit, denn Schamhaftigkeit hat unbedingt auch die Gottesfurcht z:r Folge; wem aber Schüchternheit und Schamhaftigkeit fremd sind, von dem ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß er nicht von jüdischer Abstammung ist, daß seine Ahnen nicht Zeugen der göttlichen Offenbarung am Sinai waren. (Nedarim 20), denn der Freche und

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