Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1896)
- Date
- 1896-05-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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715 England. Carviss. Die Grundsteinlegung der neuen Synagoge in unserer Gemeinde, die am 29. April stattfand, hat sich zu einer Feier gestaltet, die für das ganze englische Judenthum und die Achtung, deren sich dasselbe bei den Nichtjuden erfreut, ein rühmliches Zeugnist ablegt. Zu der Feier waren nicht nur die jüdischen Notabilitäten zugegen, sondern auch eine große Anzahl von angesehenen Christen wohnten der Feier bei. Der Grundstein wurde gelegt von dem Obersten Goloschmid. Die vier Ecksteine dagegen von folgenden Persönlichkeiten. 1) Oberrabbinec Adler, 2) Lord Windsor, Mitglied des Geheimen Rath von England und Bürgerinerster von Cardiff, 3) Lord Fredegar, 4) Sir James M. Maclean, Parlamentsmitglied für Cardiff. Alle fünf Herren hielten entsprechende Reden, während Chor gesang die Feierlichkeit begann und schloß. Es wird nicht oft in der jüdischen Geschichte vorgekommen sein, daß die Grundsteine einer Synagoge von christlichen angesehenen Persönlichkeiten gelegt worden sind. Türkei. Korrstantittopel. Bei dem Besuche, den kürzlich Fürst Ferdinand von Bulgarien in Konstantinopel machte, bewilligte er auch dem Chacham Baschi eine Audienz, damit dieser ihm eine Adresse überreichen könnte, welche dem Danke der hiesigen Juden für seine freudtichen Gesinnungen gegen seine jüdischen Unterthanen ausdrückt. Bei der Uebergabe der in spanischer Sprache geschriebenen Adresse dankte der Fürst für die guten darin ausgedrückten Gesinnungen und hob hervor, daß er besonders die spanischen Juden in Bulgarien immer zu den besten Bürgern seines Landes gerechnet habe, denn sie respektirten die Gesetze und arbeiteten für die allgemeine Wohlfahrt. Mit Bezug auf den Antisemitismus sagte der Fürst: „Der Antisemitismus wird niemals in Bulgarien aufkonimen, denn ich bin fest entschlossen, ihn jederzeit zu bekämpfen." Brasilien. Port Elizabeth (Natal). Die hiesige Gemeinde hat den zweiten Feiertag, der aus dem Gottesdienst abgeschafft worden war, auf Grund von wiederholten Gesuchen des Rev. D. Wafferzug wiedereingerichtet und am zweiten Peßachtage war, trotzdem dieser Tag gerade auf einen Markttag siel, die Synagoge überaus voll. — Oberst Harris, der Kommandeur der West-Geiqualand-Brigade, hat sich für den Matabelekrieg zur Verfügung des englischen Kommandos gestellt. — In Klerhdap (Transval) versammelte sich die jüdische Gemeinde zu ihrer jährlichen Generalversammlung, bei welcher ^Gelegenheit beschlossen wurde, den Friedhof entsprechend einzurichten und einige Grabsteine für arme Mitglieder zu setzen. Eine Sammlung zu diesem Zwecke ergab sehr reichliche Beträge. Palästina. Palästina. Vor einiger Zeit wurde berichtet, daß ein griechischer Missionär in Jerusalem in Folge des Verschwindens eines mohamedanischen Kindes das absurde Blutmärchen anklagend gegen die Juden vorbrachte. Der Oberste der Missionsgesellschaft schreibt darüber an den „Habazeleth": „Seien Sie versichert, daß dieses Individuum mit uns in keiner Verbindung steht, und daß die Legende des Ritualmordes uns ebenso widerstrebt als Ihnen, denn wir sind überzeugt, daß sie entgegen Ihrem Glauben und Gefühle ist. Wenn der böswillige Verleumder unserer Körperschaft angehört hätte, wäre er schon lange nach Gebühr bestraft worden. Jerusalem. Kürzlich weilte Herr Elie Scheid, der Vertreter des Herrn Baron Edmund v. Rothschild, wieder hier, und ist, wie stets, mit vollen Händen gekommen. Er zahlte für die Jerusalemer Gemeinde die „Askeria", (Milrtärtaxe) und spendete außerdem den Hospitälern und den Armen der heiligen Stadt 25000 Francs, deren Vertheilung er selbst vornahm. Afrika. Tunis. Die Kultur dringt seit der französischen Okkupation unaufhaltsam auch hier vor. Nachdem im vorigen Jahre das große Ereigniß die der Ackerbauschule in Tunis gewesen ist, kam in diesem Jahre die große Ausstellung für Kunst und Industrie. Auch hier haben sich eine ganze Anzahl Juden ähnlich hervorgethan, was um so mehr anzuerkennen ist, als es sich fast nur um eingeborene Juden handelt, die noch vor wenigen Jahren mit dem Weltverkehr in gar keiner Beziehung standen. Es erhielten Preise. 1 Industrie: Salomon Sitruk (Parfümerien), Ehrendiplome, Ha Belhasien (Klempnereien), Nizard freres (Wagenbau), Gabriel Cohen (Färberei), gleiche Ehrendiplome, M. Effadik (Seidenwaaren), Hai Kaiah (Seife), Haddar Cohen (Bleiwaaren), Rahmiu, Affous (Goldschmiede), Jakob Lambrosso (Confiserien), Joseph Cohen (Schuhwaaren), Elie Sarfati (Paffamentrie), Rahmui Tibika (Schneider), sämmtliche Medaillen zweiter Klaffe, Mr. Guilla und Frl. Emma Darmon (Malerei) ehrenhafte Erwähnung. Der Bey von Tunis zeichnete bei der Preisvertheilung noch zwei der oben erwähnten Glaubensgenoffen, nämlich Salomon Sitruk und Hai Belhaffen durch Verleihung des Ordens Nichom Jftika aus.