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Der Israelit · 1896-05-07 · Heft 36 (7.5.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 36 (7.5.1896)
Date
1896-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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709 seiner Essays schwer entziehen, weil der Wiederschein jenes inneren Feuers ihre formvollendete Sprache beleuchtet, und auch wo inan sich abgestoßen fühlt, hört man zu bewundern nicht auf. Er war ein politischer Pamphletist, aber was für einer I Und wenn man seine „T eutsche Geschichte", die nun unvollendet bleiben wird, durchblättert, so staunt man über den merkwürdigen Zufall, daß gerade dieser subjektive Heißsporn in dem Amte des preußischen Staatshistoriographen der Nachfolger Leopold Nanke's wurve. Es gibt keinen schärferen Gegensatz, als den zwischen Ranke und Treitschke. Dort die kühle, kaum jemals durch eine lebhaftere Welle bewegte Gelassenheit in der Erforschung und Betrachtung der Dinge, „wie sie eigentlich waren", hier der stürmische Ungestüm einer säst gewaltthätigen Tendenz. Der Hofhistoriograph Treitschke entwirft ein Bild von Friedrich IV. so unerbittlich und rücksichtslos, daß ihm fast die Stellung, die er als Ranke's Nachfolger einnimmt, entzogen wird; er fragt als sechsundfünfzigjähriger Mann so wenig danach, ob er sein Amt gefährdet, wie er als zweiunodreißigjähriger Mann danach gefragt hat, ob er als fanatischer Kleindeutscher durch laute Unzufriedenheit mit der badischen Politik seine Heidelberger Professur aufs Spiel setze. Daneben bereitet er mit seinen Urtheilen über Heine und Börne, die er wegen ihrer Herkunft mit grandioser Ungerechtigkeit behandelt, den widerwärtigsten populären Jnstincten eine freudige Genugthuung. Es ist der Haß, der ihn furchtbar beredt macht, gleichviel, ob er ihn über Oesterreich, über die Social- Demokraten, über die Juden und die Clericalen ausschürtet, und es ist die Ehrlichkeit dieses Hasses, die ihn über die gewissenlosen Streber erhebt, welche sich auf ihn berufen. Nur daß gerade den Historiker solch wilve Leidenschaftlichkeit erfüllt, daß gerade dem politischen Publicisten solch erstaunliche Befangenheit den Blick trübt, ist das Befremdende, und in diesem Falle auch das Beklagenswerthe. Denn wer möchte sagen, wie viel Unheil dieser Universitäts-Lehrer unter der akademischen Jugend, die ihm zulief, angerichtet, wie viel Verwirrung er mit der blendenden Dialektik und der fortreißenden Verve seiner Schriften unter empfänglichen Lesern gestiftet hat? Die Impulse wechselten je nach dem Gegenstände, aber immer äußerten sie sich in einer fanatischen Energie, welcher gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche Rücksichten keinen Einhalt zu thun vermochten. Treitschke glich dem Lector unius libri des alten Seneca; er habe nur einen einzigen Maßstab, und der war der nationale in dem befangensten Sinne, den man sich denken kann. Und als er noch vor Stöcker in den „Preußischen Jahrbüchern" gegen die Juden loszog, war er naiv genug, zu glauben, daß dies seinen gesellschaftlichen Verkehr mit hervorragenden Juden nicht zu tangiren vermöchte. Die Naivetät geht immer mit dem ausgreifenden Temperament. Will man an Treitschke's Andenken Gerechtigkeit üben, so muß inuß man ihn als ein isolirtes Phänomen beurtheilen, dessen Glanz dem Scheine der Irrlichter verwandt war. Wie er selbst nicht sine ira et Studio Geschichte schreiben und politisch denken konnte, so vermag man auch von ihm nicht sine ira et Studio zu sprechen. Schade, daß so reiche Gaben entstellt waren durch die Art, wie sie verwendet wurden. Zornigem Vorurtheil zu dienen, war das Verhängniß dieses mächtigen Talents, an dem die Zeitgenossen keine reine Freude empfinden konnten und Nachgeborene wie an einem Räthsel vorübergehen werden. Oe ft er r.-Ungar. Monarchie. Pesth. Cultusuub Unterrichtsministcr Dr. I u l tu s W l a ss i c s hat an die israelitische Landeskanzlei unter Zahl 22,701 am 23. v. Monats folgenden Erlaß gerichtet: Indem ich mich mit der Frage der Ergänzung der Seelsorgerbezüge der gesetzlich rezipirten Konfessionen bis auf 800 Gulden beschäftigen möchte, fordere ich die geehrte Landeskanzlei auf, auf Grund der ihr zur Verfügung stehenden Daten mir binnen acht Tagen einen tabellarischen Answers über alle jene Rabbinate vorzulegen, deren Dotirirng 800 Gulden nicht erreicht, wobei die noch fehlende Summe genau angegeben sein soll." Die israelitische Landeskanzlei hat die nöthigen Verfügungen getroffen, diesenr Ausrufe innerhalb der gegebenen Frist zu entsprechen. Frankreich. Paris. Das Urtheil des Kassationshofcs in der Angelegenheit der israelitischen Wähler in Algier, hat den französischen Antisemiten und ihren Bundesgenossen in Algier eine herbe Enttäuschung bereitet. Äußer den Urtheilen des obersten Gerichtshofes in der vorigen Woche in denen einige oieser Fälle in ihrer Mehrzahl zu Gunsten der Juden entschieden worden waren, sind am 22. April weitere Urtheile in nahe zu lausend Fällen erfolgt, und zwar ebenfalls zu Gunsten der jüdischen Appellanten. Der oberste Gerichtshof hat ein für alle Mal die vorhandenen Gesetze dahin erklärt, daß nicht der Wähler die Pflicht hat seine Zugehörigkeit zu dem französischen Staate nachzuweisen, sondern vielmehr ihm nachgewiesen werden muß, daß er seiner Pflicht als französischer Staatsbürger durch Leistung des Militärdienstes nicht in vorschriftsmäßiger Weise erfüllt hat. Erst wenn diese Thatsache nachgewiesen ist, darf der Betreffende aus den Wählerlisten gestrichen werden. Das entgiltige Urtheil stößt hiernach alle früheren Entscheidungen ver Gerichtsbehörden

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