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Der Israelit · 1896-05-07 · Heft 36 (7.5.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 36 (7.5.1896)
Date
1896-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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707 bringen, hatten sich vor längerer Zeit eine Anzahl edelgesinnter Zionsfreunde zu einem Comitö vereinigt. Die Verwirklichung der guten Sache stieß anfänglich auf ungeahnte Schwierigkeiten. Die Umwandlung eines seitens des Comites angekauften Gebäudes in ein Hospital fand nicht die Genehmigung der türkischen Regierung, und erst vor zwei Jahren — das zeitweilige Verbot des Erwerbs von Grundbesitz durch Juden bedingte eine neue Verzögerung — gelang es, ein für den beabsichtigten Zweck geeignetes Grundstück zu erwerben. In der Türkei ist für den Bau von Spitälern, Kirchen, Schulen die Einholung eines speciellen Kaiserlichen Firmans erforderlich, dessen Ertheilung zunächst von der Genehmigung des Bauplanes durch die zuständigen Behörden abhängig ist. Dank der eifrigen Förderung, den das Unternehmen des Comitos seitens des Auswärtigen Amtes, des Kaiserlich deutschen Botschafters in Konftantinopel, sonne des Kaiserlichen Konsuls in Jerusalem und der dortigen Localbehörden fand, hat S. M. der Sultan der Errichtung eines neuen israelitischen Krankenhauses in Jerusalem durch ein Allerhöchstes Jrade vom 23. Oktober vorigen Jahres die landesherrliche Genehmigung ertheilt. Die noch vor Beginn des Baues zu erfüllenden gesetzlichen Formalitäten sind in den letzten Tagen gerade zum Abschluß gekommen. Möchte Gott nun das Werk weiter schirmen, nachdem jetzt durch seine allmächtige und allgnädige Hilfe die örtlichen Hindernisse beseitigt sind, welche die Ausführung des Baues durch so lange Zeit hindurch hemmten, auf daß es gelinge, das Hospital in der Weise zu vollenden, wie es in den unter Mitwirkung von Fachmännern, von den Architekten Baurath Schick und Sandel entnwrfenen Plänen, in zweckmäßiger Weise vorgesehen ist. Das vom Spitalcomitö erworbene Terrain liegt an einer in sanitärer Hinsicht überaus günstig gewählten Stelle außerhalb der Stadt, unmittelbar an der Jaffastraße, dem schönsten, allenthalben für Wagen gut passierbaren Wege Jerusalems, und hat eine Größe von über 10 ooo Quadratmetern. Angrenzend sind die Bezirke Machaneh Jehudah, Maskeret Ohel Moscheh, Bet Jacob und andere. Auf einem hohen Punkte gelegen, ist der Bauplatz insbesondere gegen Westen, aus welcher Richtung der erfrischende Meereswind bis gegen Jerusalem herüberstreicht, vollkommen frei. Beabsichtigt ist zunächst die Errichtung eines zweistöckigen Hauptgebäudes, dessen Obergeschoß im einen Flügel die Männer-, im anderen die Frauenabtheilung enthalten soll; in Verbindung mit letzterer stehen die Zimmer, die zur Aufnahme kranker Kinder bestimmt sind. Jnsgesammt sind circa 60 Betten vorgesehen, und ist die Ausdehnung sowohl der größeren Säle mit je 6 Betten, wie der kleineren Krankenzimmer so bemessen, daß für jedes Bett ein Luftraum von circa 4o Cubicmeter gewahrt bleibt. Außerdem sorgt die Anlage für Operationszimmer, die erforderlichen Baderäume, Wärterzimmer, Theeküchen ic. Der Längscorridor mündet in beiden Flügeln in einen größeren Saal, der als Tageraum für die Kranken bestimmt ist. Im Untergeschoß, dessen Benutzung zu Schlasräumen in Jerusalem wie in Malariagegenden thunlichst zu vermeiden ist, soll die Verwaltung, Küche, Apotheke, Poliklinik k. ihren Platz haben. — Getrennt vom Hauptbau und in der nöthigen Entfernung von demselben sollen zwei isolierte Baracken errichtet werden, die zur Ausnahme infectiöser Kranker dienen sollen. Auch diese sind zweistöckig geplant. Das Obergeschoß zählt vier Zimmer zu je zwei Betten, während das untere Stockwerk Raum für eine Küche, Cisterne k. enthält, sodaß erforderlichen Falls die Verpflegung der Kranken in den Jsolierhäusern vollkommen von derjenigen der im Hauptgebäude befindlichen zu trennen, ein wechselseitiger Verkehr zu vermeiden und somit jeder Uebertragung einer ansteckenden Krankheit thunlichst vorgebeugt ist. — Die Ausführung dieses für die armen jüdischen Kranken Jerusalems so nothwendigen Baues erfordert große Geldmittel, und reicht das von den ersten Mitgliedern des Comit4s — den schon verstorbenen Begründern desselben — gesammelte kleine Kapital bei weitem nicht hin. Es hängt die Realisirung des ganzen Projektes lediglich von der Theilnahme ab, welche unsere Glaubensgenossen demselben entgegenbringen werden. Wir glauben um so eher hoffen zu dürfen, daß die Betheiligung an diesen! unvergleichlichen Werke des gemilus chesed eine allgemeine, lebhafte und rege sein wird, als die traurige Lage der armen jüdischen Kranken in Jerusalem dem Judenthum zur geringen Ehre gereicht. Die englische M i ss i on s g e s e l ls ch a f t ist seit langem bemüht, denselben das zu bieten, was ihre besser fituirten Glaubensbrüder ihnen bisher vorenthalten haben. Das seit vielen Jahren bestehende, reichlich d o t i r t e M i s s i o n s s p i t a l i st ausschließlich für jüdische Kranke bestimmt, zudenr wird gerade jetzt mit einem Ko st en auswand von mehr als 15000 Pfund Sterling ein großartiger 'Reubau aufgeführt, dessen einzelne Pavillons fernere 60 Betten aufnehmen sollen. Dort ist also reichlich Raum für diejenigen jüdischen Kranken, denen die bestehenden jüdischen Hospitäler wegen Ueberfüll u n g ihre T h o r e verschließen müssen.

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