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Der Israelit · 1896-05-04 · Heft 35 (4.5.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 35 (4.5.1896)
Date
1896-05-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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699 Auch hier zog er seine Zeit in Betracht und wollte vermittelnd und heilsam auf sie wirken. Es standen sich nämlich die Parteien schroff gegenüber; die eine, die Maimonisten, huldigte der Philosophie zu sehr und ging sogar über ihren Meister hinaus, indem sie die Philosophie über die Offenbarung stellten und von letzterer nur soviel anerkannten als sie mit der Weltweisheit im Einklang stand, während Maimuni in seinem „More Nebuchim" mit der Philosophie die Offenbarung zu stützen suchte, keinesfalls aber sie von jener abhängig machen wollte. Die Anti-Mairuonisten hingegen betrachteten die Philosophie als die direkte Feindin der Offenbarung, und da Maimuni in vielen Dingen den Lehren des Aristoteles folgte, welche oft mit der geoffenbarten Religion in Widerspruch komtnen, so kämpften sie gegen alle Philosophie und thaten die Jünger derselben in Bann. Da trat nun Ehasdai vermittlend und versöhnend aus. Er verwarf die Philosophie nicht ganz, doch räumte er ihr nicht die Suprematie über die Offenbarung ein, vielmehr suchte er beide auseinander zu Hallen. Er brach vor allem mit dem aristotel'schem System, das man unumstößlich und unfehlbar hielt und ging selbstständig vor, was in jener Zeit viel hieß und ihn zu dem originellen Denker und Gelehrten machte. Damit wollte er vor allem der Religion wieder zu ihrem Rechte und Ansehen verhelfen; es schien ihm bei aller Achtung vor Maimuni lächerlich, die Offenbarung an den zerbrechlichen Sätzen der griechischen Weltweisheit stützen zu wollen. All seine Grund- und Behauptungssätze stimmen mit der jüdischen Lehre überein und sind von der reinen Liebe zu Gott und seiner heiligen Religion getragen und geleitet. Das Buch ist in 4 Traktate eingetheilt, in welchen er abstusend die Grundlehren, Pflichten, Meinungen und Ueberlieferungen der jüd. Religion behandelt. Der Redner versucht einen kurzen Inhalt zu geben; eine ausführliche Entwickelung der Chasdai'schen Ideen vorzuführen, war ihm in dem kurzen Zeitraum nicht möglich. Er glaubte sich damit begnügen zu dürfen, zu zeigen, welche Geistes-, Glaubens- und Charakterstärke wir in Chasdai Kreskas zu verehren haben, und es war ihm in seinem fast zweistündigen Vortrag gelangen, bei der Zuhörerschaft eine Vorstellung von der Größe des Mannes jener Zeit hervorzurufen, der allgemein nur wenig bekannt und erkannt ist. Das Publikum hatte dies anerkannt und seinen Dank für die eben so mühevolle und gelungene Arbeit durch reichen Beifall bekundet. — Als nächsten Redner sahen wir zum zweiten Mal' Herrn Distrikts-Rabbiner Bamberger dahier austreten, mit dem Thema: „Das Handwerk im Judenthume." Von der Geschichte des ersten Menschengeschlechtes ausgehend, die uns in Tubal-Kain und Jabol die ersten Künstler vorführt, zeigte der Redner, welche Beachtung die Bibel dem Kunstgewerbe 'chenkt, so in der Beschreibung der Arche, des Thurmbaues von Babel, dann aber hauptsächlich in der genauen Auffahrung aller Theile des Stiftzeltes. Hier zeigte sich, wenn auch nach göttlicher Anordnung und durch besondere göttliche Begabung der Kunstsinn im Judenthum in schönster Blüthe. Nicht weniger aber auch beim Aufbau des Salomonischen Tempels und des königlichen Palastes; der dabei dargelegte Kunstsinn erregte die Bewunderung aller Nationen und Fürsten. Auch der Herodian'sche Tempel fand in seiner Kunst und Schönheit die Bewunderung aller Beschauer und ward als ein Kunstbau sonder Gleichen bezeichnet. Wie in der Bibel, so wurde auch im Talmud dem Handwerk und der Kunst ein hohes Gewicht beigelegt; es wird dem Vater geradezu zur Pflicht gemacht, seinen Sohn ein ehrsames Handwerk erlernen zu laffen. Die großen Talmud- Gelehrten verschmähten es nicht, ihr Brod mit dem Handwerk zu verdienen, und in der übrigen Zeit sich in reiner Absicht dem Thora-Studium und ihrer Lehrthätigkeit hinzugeben. In zahllosen Sentenzen und Sprüchen in der Bibel, wie im Talmud wird das Handwerk als der „goldene Boden" gepriesen, sowie der Arbeit und der körperlichen Anstrengung das Wort geredet. Hierüber bot der verehrte Redner eine herrliche Blumenlese, wozu ihn seine Bekanntschaft mit dem jüd. Schriftthum in den Stand setzt. Das Thema war em ebenso intereffantes, als es geschickt und erschöpfend vom Redner behandelt wurde. Als siebter Redner trat Herr stuct. phil. Jacob Bamberger von Aschaffenburg mit dem Thema auf: „Abarbanel als Staatsmann und Gelehrter." Der Redner gab uns ein treues Lebensbild von diesem bedeutenden, einflußreichen Manne, deffen Geschick so sehr dem Wechsel unterworfen, so daß er bald aus der Höhe des Glückes stand, bald in der Tiefe des Elends schmachtete. Wohl bietet die Biographie Abarbanels nicht so viel Schwierigkeit als bei so mancher anderen geschichtlichen Persönlichkeit, da er uns in seinen Werken selbst sehr viel aus seinem Leben mittheilt; doch verstand es der Redner in seinem Sammeleifer manches Goldkörnchen an das Tageslicht zu fördern, das bisher unentdeckl war und so manches Unbekannte mitzutheilen. Im Allgemeinen erfuhren wir aus dem schönen, interessanten Vortrag, welche hohe staatsmännische Begabung Abarbanel besaß, wie es am portugiesischen, italienischen und kaftilianischen Hofe in so hohem Ansehen stand, so daß man ihm nicht nur das ganze Finanzwesen übertrug und dieses imens unter seiner Leitung zur Blüthe gelangte, sondern man betraute ihn auch mit den schwierigsten und wichtigsten diplomatischen Missionen

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