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Der Israelit · 1896-05-04 · Heft 35 (4.5.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 35 (4.5.1896)
Date
1896-05-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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694 griff in ihre Rechte ertragen. Was blieb ihnen anders übrig als zu protestieren gegen das schändliche Verfahren, welches an ihnen geübt wird? Die Gelegenheit, ihre Klagen laut werden zu lassen, hat sich ihnen kürzlich geboten. Die Regierung brachte bei den Kammern eine neue Gesetzesvorlage bezüglich des öffentlichen Unterrichts ein, in welcher diese Maßnahmen beibehalten werden. Die Israeliten dachten nun, daß es ihre Pflicht sei, die Aufmerksamkeit des Parlaments auf diese für die israelitische Jugend so wichtige Frage hinzuleiten. Eine große Anzahl von israelitischen Gemeinden ließen dem Präsidenten der Deputierten-Kammer eine dahin zielende Eingabe überreichen. Auch die jüdischen Studenten zu Jassy haben ihrerseits eine Eingabe an die Kammer gerichtet. Wie wird man diese Eingaben entgegennehmen? Es hieße die rumänischen Kammern beschimpfen, im voraus behaupten zu wollen, daß sie sich durch die Klagen der Israeliten nicht rühren lassen wollen. Indessen ist es zweifelhaft, daß sie die Gesetzvorlage in dem von den Juden gewünschten Sinn ändern. Es würde dies nur dann geschehen, wenn die Regrerung die Initiative zu dieser Veränderung nehme, indeffen berechtigt die Haltung der Minister in der jüdischen Frage nicht zu dieser Hoffnung. Niederlande. Amsterdam. Ein christlicher Kaufmann hat durch Vermittlung eines Priesters seiner Religion dem Oberrabbiner Dünner 10,000 Gulden für die jüdischen Wohlthütigkeitsanstalten übersandt, mit dem Bemerken, daß er ungenannt zu bleiben wünsche, den Betrag aber sende, als ein Zeichen seiner Hochachtung vor der Rechtschaffenheit der jüdischen Kaufleute, mit denen er in lebhaften Handelsverkehr viele Jahre hindurch gestanden habe. Die Emanzipation der Juden in Holland, die in diesen Tagen ihr hundertjähriges Jubiläum feiert, hat sich daher, wie man sieht, voll und ganz bewährt. Amerika. Philadelphia. Unsere Gemeinde hat einen großen Verlust durch den Tod ihres ältesten Mitgliedes Mr. Gans erlitten. Gans war ein geborener Deutscher, in Ratzungen, Westpreußen, geboren im Jahre 1804, aber schon früh nach den Vereinigten Staaten ausgewandert, wo er sich rasch eine angesehene Stellung schuf und selbst mit vollen Händen spendend bemüht war, seinen armen Mitbürgern ihr Leben zu erleichtern. Er war 17 Jahre lang Vorsitzender der United-Hebrew-Charities und Vorstandsmitglied vieler anderen Wohlthätigkeitsvereine, sowohl jüdischer, wie nichtjüdischer. Zahlreiche Nachrufe legten Zeugniß ab von der allgemeinen Liebe, die sich der Verstorbene erworben. P a l ä st i n a. (o) Jericho im April, will bi yw tfDtpn nrtn „Nichts Neues nnter der Sonne!" wird gewiß mancher Leser des „Israelit" ausrufew wenn er heute aus diesem Blatte erfahren wird, daß unsere Nosenstadt nun ein Hotel erhält, das ganz nach modernem Style eingerichtet sein wird. Ein Hotel in Jericho, wird sich inancher Leser dieses Blattes denken, ist ja nichts Neues, hat doch schon die wackere Frau Nahab mm :m — das Wort rnn stammt hier von yms ab unD bedeutet nach der Ansicht einiger Gelehrten, daher ein Haus, wo man zu essen und zu trinken bekam — hier ein Gasthaus unterhalten, in das auch die von Josua ausgeschickten Kundschafter einkehrten und dort übernachteten. Jndeß ist meine Nachricht doch interessant, deun das neue Hotel in unserem Orte wird von keinem Kananiter (’jyj:)), sondern von einem Israeliten, Herrn Ben Mansur Pasquistal, errichtet und wird daher eine koschere Küche haben. Herr Pasquistal, der soeben vom Vnli in Jerusalem die Concession zum Bau dieses Hotels erhalten, hat sogleich bier ein großes Terrain zu diesem Zwecke angekauft In Zukunft werden daher die Ausflügler zum Jordan nicht mehr in Zelten übernachten müssen, sondern in einem bequemen Ho!el schlafen können. 3t u ft r fl l t c n. Sp-ttep. Hier fand kürzlich eine Versammlung des hiesigen Zweigvereins der „Anglo-Jewish-Affociation" statt, bei der leider die Betheiligung eine sehr geringe war. Rabbi Davis gab den Bericht der Association und betonte die Verpflichtung der Juden in den englischen Kolonien, wenn sie noch so weit vom Mittelpunkt des Vereins entfernt wären, möglichst große Beiträge für die Zwecke der Association zu leisten, da das Werk derselben der Gesammtheit der Judenheit zu Gute kommt. Er wies mit Stolz darauf hin, daß Sydney derjenige Zweigverein außerhalb Englands sei, der die drittgrößten Beiträge leiste und forderte zur eifrigen Agitation in ganz Australien auf. vermischtes. Mainz, 3. Mai. Die Blätter lenken die Aufmerksamkeit ihrer jüdischen Leser auf zwei Vorgänge, die vor hundert Jahren stattgefunden. Das Eine ist die Emanzipation der Inden in den Niederlanden — 16. Mai 1796 — und das Andere ist der Geburtstag Eremieuz — 30. April 1797 — jenes großen französischen Politikers, der, wo immer Juden um ihrer Religion willen verfolgt wurden, für seine Brüder mit ganzer Kraft und Seele meistens mit Erfolg eintrat. Sein Name wird in der Geschichte des Judenthums sortleben. E.R. Berlin, 30. April. Einer der besten und edelsten Männer der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Moritz Marheimer, feierte am 1. Mai seinen siebzigsten Geburtstag. Gott schenke ihm und seiner vortrefflichen Gattin dauernde Gesundheit und einen glücklichen Lebensabend.

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