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Der Israelit · 1896-05-04 · Heft 35 (4.5.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 35 (4.5.1896)
Date
1896-05-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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695 Feuilleton. Per Letzte feines Stammes Erzählung von A lphvnse de lo Haye. 33) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Wo bleibt nur der Bote meiner liebenswürdigen Comtesse?" frug Elchonon, indem er dum Blick auf seine Uhr warf. „Soll sich etwa die Gräfin eines bessern besonnen habend Es ist schon ein Viertel über Elf.'" Da wurde an seine Tbüre gepocht und ans sein einladendes Herein öffnete sich dieselbe und Jean trat in das Zimmer. „Guten Abend, Eure Gnaden! Ah, Eure Gnaden haben Gesellschaft? Wie schade, daß ich stören muß?" „Nichts als Gnaden und abermals Gnaden, wie dumm!" lachte Elchonon laut ans. „Sag' mal alter Knabe, wie lange ist es her, daß Du mich ans Deinen Armen trugst?" „Es werden so neunzehn, zwanzig Jahre sein, Euere Gnaden." „Laß doch Deine Gnaden! Ich will das Wort nicht mehr hören. Schau mal her Jean, kennst Du diese Frau?" Er wies aus das Bild seiner Mutter, welches über seinem Schreibtisch hing. Der Alte betrachtete mit Aufmerksamkeit das Bild. „Das ist die gnädige Iran Judith, unsere gute Verwalterin aus St. Andre. Sie war eine brave Iran, Ihre Mutter, Gott habe sie selig!" rief er aus und zerdrückte eine Thräne der Rührung. „Euere Gnaden verzeihen.!" „Wirst Du mir endlich mit Eucrn Gnaden vom Leibe bleiben, alter Knabe. Ich bin Jude und hoffe nur aus Gottes Gnaden!" „Ich weiß es Eure Gnaden. Auch Ihre Iran Mutter, die Frau Verwalterin war ebenfalls eine sehr fromme Jüdin, doch viel bräver und besser als die gnädige Comtesse. Alle Einwohner des Dorfes St. Andre halten ihr Andenken in Ehren! Sie war die Wohlthäterin des ganzen Dorfes. Doch Euere Gnaden verzeihen, ich habe einen Auftrag der gnädigen Eonltesse, dero Gtladen sind leider unpäßlich und hätte noch Wichtiges mit Ihnen zu besprechen. Sie möchten daher die Güte haben dero Gnaden heute noch zu besuchen. Der Wagen hält vor dem Hanse. Ich bedauere Sie ans der angenehmen Gesellschaft entfernen zu müssen!" „Doch sag' mal, Du bist ein sehr zuverlässiger und gehorsamer Diener der Comtesse. Würdest Du ihr auch gehorchen, wenn sie Dir befehlen würde, Schlimmes wider mich zu unternehmen bist? Oder Du gar im Komplott und willst so das Andenken meiner Mutter ehren?" „Eher will ich mich in Stücke harten laffen," rief der Alte aus, indem er seine gebückte Gestalt aufrichtete, „als solche Befehle artsführen. Ich soll mich gegen den Sohn der Judith, der Wohlthäterin meiner Enkelin vergehen?! Rein! niemals! Doch von welchem Komplott sprachen Euere Gnaden? Ich habe keine Kenntnis; von solchem!" „"Nein, ich habe mich rricht geirrt. Du bist brav rrrrd treuherzig, mein guter Jean, willst Du mir aber einen Gefallen thun? sprich, willst Du?" „Alles was Euere Gnaden wünschen!" „So wirst Dll mir und meinen Freunden da den Wagen für heute überlassen. Du wirst Dich zu Fuße nach der Villa begeben und der Comteffe melden, daß Du überfallen worden seiest und ich sei von Räubern entführt worden. Willst Du?" „Das kann ich nicht, Euere Gnaden, das ist gegen meine Pflicht." „Auch dann iticht, wenn ich Dir die Versicherung gebe, daß davon meine Freiheit und das Lebensglück für mich abhängt? Auch für die Gräfin können sehr unangenehme Folgen daraus entstehen, wenn Du mir meine Bitte abschlägst!" „Aber, mein Gott, wenn die Gräfin es erfährt, jagt sie nrich aus ihren Diettsten." „Darüber hast Du Dir keine Sorgen zu machen, Alter! Ehe Du noch Deine Meldung über den Raub — und darüber hast Du Dir kein Gewissen zu machen, es ist keine Lüge, er sollte thatsächlich stattfinden — gemacht haben wirst, werde ich sammt de:n Wagen tlnd meinen Freunden in der Villa eintreffen. Willst Du es jetzt thun?" „Na meinetwegen. Aber wollen Euere Gnaden mir nicht Näheres mittheilen?" „Nicht jetzt, später sollt Du Alles erfahren. Du mußt aber jetzt sofort Dich aus den Weg machen. Und Ihr, meine Herren, aus an's Werk! wir dürfen die säubern Vögel nicht zu lange warten lassen, das hieße ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt!" „Du hast Recht, Elchonon," bemerkte Blum, „in wenigen Minuten ist es halb Zwölf. Sie, mein guter Jean, begeben sich nach der Villa und laffen sich mit Niemand in ein Gespräch ein. Der Comtesse berichten Sie, wie Ihnen geheißen wurde. Nun Gott besohlen!" Jean entfernte sich in tiicht ganz zufriedener Stimmung. Es war das erste mal in seinem Leben, daß er von einem ihm ertheiltcn Befehle abwich. Trotz der Bctbeueuug Elchonons, kam cs ihm doch vor, als ob er sich eirre ungeheuere Pflichtverletzung zu Schulden hätte kommen lassen. Er bereute schon

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