Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1896)
- Date
- 1896-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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691 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 29. April. (Preußischer Landtag. Herrenhaus.) Bei der Petition von Adolf Wolff (Frankfurt a. M.) und Genossen um Uebersetzung des „Schulchan Aruch" aus Staatskosten, beantragt die Kommission Uebergang zur Tagesordnung. Durant beantragt, die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Da es sich hier um ein sittliches Fnndament ein s Volksthumes handle und daher gewissermaßen um einen Staat im Staate, habe die Negierung die Pflicht, die Sache zu prüfen. Geheimrath Löwenberg erwiedert, sachlich sei die vorliegende Petition dieselbe wie 1893. Es gebe ja unendlich viel Bücher, worin stehe, was der gegenwärtigen Moral und Ethik zuwiderlaufe, Hauptsache sei es, ob Stellen aus dem Schulchan Aruch von irgend einer Behörde als maßgebend angesehen werden. Redner glaubt, daß Einzelne das Buch noch heute als passendes Gesetz ansehen. Andere nur als ein historisch interessantes Buch, woraus unmittelbare Schlüsse nicht zu ziehen seien. Redner bittet den Antrag der Kommission anzunehmen. 'Rach kurzer Debatte wird der Kommissionsantrag angenommen. E. R. Berlin, 30. April. Eine erschütternde Kunde durchdrang am vergangenen Sonnabend unsere Bekennergemeinde. Ein Mann, der weit über das Weichbild unserer Stadt, in Oesterreich. Ungarn und Holland einen klangvollen Namen erworben, Herr Levi Stein ist nach schweren Leiden seiner vor Kürzeln im blühenden Alter dahingeschiedenen Tochter in die ewige Heimath gefolgt. Derselbe war ein Muster altjüdischer Wohlthätigkeit. Er war Vorsteher des Machsike-Thora-Vereins zur Unterstützung armer Gelehrter, des Asrml-Vereins, dessen Ausgabe es ist, verschämten Armen ein Darlehen zur Begründung einer Existenz zu verschaffen. Thorakenntniß förderte er, wo er konnte und trug selbst im Beth- Hamidrasch Halacha und Agada vor. Bei den bedeutendsten Männern Berlinds hatte er Zutritt, um sie für gelehrte Zwecke zu gewinnen. 40 Personen speisten täglich an seinem Tische. Seine Gastfreundschaft während der russischen Auswanderung kannte keine Grenzen. Es möge mir gestattet sein, folgenden charakteristischen Zug aus seinem Familienleben mitzutheilen. Am Vorabende der Hochzeit seiner Tochter, lud er 90 arme Leute ein, ließ jedem eine Flasche Wein und die Summe von 3 Mark reichen und widmete sich ausschließlich der Unterhaltung mit ihnen. Am Tage seiner Beerdigung sah man Schaaren von Armen dem Leichenwagen unter Thränen umstehen, eine große Zahl befand sich auf dem Wege nach dem Friedhofe. Im Trauerhause sprachen der frühere Rabbiner aus Ploczk Herr Ansbach und Herr Dr. D. Hofmann. Auf dem Friedhofe hielt der junge Meister des Wortes, Herr Dr. Meier Hildesheimer eine Rede, die einen ergreifenden Eindruck machte. Der Verstorbene hinterläßt 3 Söhne, von denen einer, Herr Dr. Ludioig Stein, Profeffor an der Universität in Bern ist, und 2 Töchter, außerdem aber eine Lücke, die nur durch Vereinigung vieler Kräfte ausgefüllt werden könnte. — Gott tröste die tief gebeugte Gattin und die Kinder! 8. T. Berlin Purim ist längst vorüber, und heute von einer Purimfeier berichten wollen, ist ein Unternehmen, das manchem ein stilles Lächeln abringen wird. Aber das ist ja das Eigenthümliche eines Festes, das nicht dem Amüsement und dem augenblicklichen Ergötzen allein gilt, sondern ein Höheres und Erhabeneres im Auge hat, daß es, nachdem Jubel und Reigen verklungen, die Erinnerung daran wach hält, die innere, stille Freude auch noch lange Zeit nachher auffrischt und den Menschen mit Befriedigung auf das Miterlebte blicken läßt. Das ist die Wirkung einer mso bw nno»; sie begleitet uns ins Getriebe des Alltagsleben hinein und wird uns zur reichen Quelle, aus der wir so manche Labung und Stärkung in den Enttäuschungen des Lebens schöpfen. Einen solchen vollen, wohlgegründeten Anspruch auf schriftliche Festhaltung hat die Purimfeier der Neligionsschule Beth Zion, die am 3. März in Dräsel's Festsälen begangen wurde. Gestaltete sie sich doch zu einer Bekundung der aufrichtigsten Gefühle und Gesinnungen von Liebe und Anhänglichkeit, die Eltern und Gönner für diese Schule hegen. Das Gepräge des Festes, an dem an 200 Kinder und an 500 Erwachsene theilnahmen, war ein echt jüdisches und das kam auch in dem Programm recht lebendig zum Ausdruck. Der Prolog, von einem ehemaligen Schüler der Religionsschule verfaßt, behandelte in sinniger Weise den geistigen Zusammenhang zwischen Purim und der Schule und gipfelte in dem Gedanken, daß die Religionsschule die Kinder dahin erziehen müsse, daß „In jeder Jüdin leben Esthers Manen „Und Mordochai in jedes Juden Herz: „Dann bleibt die Zukunft uns ein sichres Feld. „Vergnügt in Len; steht fest das Jakobszelt." Sämmtliche Stücke wurden von Schülern und Schülerinnen der Schule vorgetragen. Von Stunde zu Stunde stieg der Jubel und die Begeisterung die ihren Höhepunkt erreichten, als der Direktor, Herr Rabbiner Höxter, das Podium betrat und eine zündende Ansprache an die Festgenossen hielt. Das heutige Fest, so führte er aus, könne als Fortsetzung