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Der Israelit · 1896-05-04 · Heft 35 (4.5.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 35 (4.5.1896)
Date
1896-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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690 von 2000 Tornaus oder 8000 Mark in Mobilien und Immobilien besitzen, während auch nur wenige ein Besitzthum von 700 Tomans — 2800 Mark erreichen, die große Mehrzahl ganz arm ist. Ihr geistliches Oberhaupt, der Oberrabbiner, der mit seinem Familiennamen ebenfalls Rabbi heißt, präsioirt einem Kollegiurn von 3 Mitgliedern und beaufsichtigt 6 Schochtim. Die Gebetbücher rc. mit Ausnahme der Sefer-Thora lasten die Schirazer Israeliten aus Wien, Warschau oder Calcutta kommen. Die Gemeinde besteht zum großen Theil aus Haufirern mit den verschiedensten Gegenständen, einige Leute sind Kleiderhändler und einige wenige auch Großkaufleute. Außerdem gibt es eine Anzahl von Geldwechslern und ein paar Goldschmiede, aber oie einzige nutzbringende Beschäftigung ist die Destillation von Spiritus aus Wein, da der Spiritus und Branntwein von den Mohamedanern viel eifriger gekauft wird, als der Wein, obwohl nach ihren Gesetzen beide gleich streng verboten sind. Aber auch hier ist der höchste Verdienst pro Tag nicht mehr als 65 Pfennig nach unserem Gelbe. Sehr günstig stehen die sittlichen Verhältnisse trotz aller Armuth; der Rabbiner versicherte dem Reisenden, daß übel berüchtigte Häuser und käufliche Weiber unter den Juden gar nicht Vorkommen Ehebruch eine überaus große Seltenheit sei. In den letzten Jahren sei überhaupt nur ein Fall vorgekommen, bei dem der Schah die ausgesprochene Todesstrafe für beide Theile in Verbannung milderte. Die Heirathen finden sehr zeitig statt, die jungen Leute gehen mit 15—18 Jahren, die Mädchen im Alter von 10—12 Jahren in die Ehe. Die Juden in Schiras fielen dem Reisenden auf durch ihre ungesunde blaffe Farbe und die trüben Augen, die selbst die Jugend leider hat. Begreiflich genug, vaß bei so jämmerlichem Leben die Leute sich auch körperlich nicht besser entwickeln können. Noch ein Beispiel möge dies illustriren. Die Musiker unter den Juden haben noch eine gewisie Ausnahmestellung, sie werden etwas bester behandelt, als die anderen, aber auch sie müsten es sich gefallen lasten, daß bei den Hochzeitsfeierlichkeilen der Muhamedaner ein Hauptvergnügen der Letzteren darin besteht, die jüdischen Musikanten in den Brunnen zu werfen und wieder herauszuziehen. Einen anderen Fall der judenseindlichen Ausschreitungen sah unser Reisender selbst mit an in der Stadt Borasjun, ein Tag von Bushire. Hier hatte in der Karawanserei sich ein Bauer festgesetzt, der alle Reisende» zwang, ihren Proviant w. bei ihm zu ungeheueren Preisen zu kaufen. Da er mit dem bestochenen Gouverneur einverstanden war, so konnte sich dieser Mann gegen alle durchreisenden Fremden die ärgsten Gewaltthaten ungestraft erlauben, und ganz besonders die Juden litten darunter, denn der Gouverneur der Stadt nahm von ihnen eine Klage prinzipiell nicht an. Daher ging jener Bauer so weit, daß er durch seine Sclaven das Gepäck der reisenden Israeliten berauben, ihre Frauen einer körperlichen Visitation unterwerfen ließ. Mr. Meakin erhob, nachdem er seine persönlichen Eindrücke noch durch das Zeugniß des dortigen armenischen Telegraphenbeamten verstärkt hatte, bei dem britischen Residenten Beschwerde, der seinerseits versprach, sich an die Regierung in Teheran zu wenden. Die Kleidung der einheimischen Juden ist von der der Muhamedaner sehr wenig verschieden, nur gehen sie noch mehr zerlumpt als diese und tragen nur theilweise die persische Nationaltracht, die hohe schwarze Lammfellnüitze. Im Staatsdienste steht nur ein einziger Glaubensgenosse, ein Botaniker, der die Sammlungen des Schah zu verwalten hat. Die Bemühungen der europäischen, besonders der englischen Juden, die Vertreter der Großmächte zum Einschreiten zu bewegen, haben ein geringes Resultat gehabt, noch immer müssen z. B. die Inder: am Feste des Moharram, dem Todestage von Hasan rmd Hosain, auf der Straße sein, um sich von jedem Muhamedaner, selbst von den Kindern, ohne Gegenwehr beschirupfen zu lassen. Auch die alte Fabel vorn Kinderrnord seitens der Juden wird immer wieder aufgewärmt, so in Tabriz, dessen Juden dcßwegen flüchteten, irr Urnnah, wo ein Jude dieser böswilligen Anschuldigungen halber vom Pöbel verbranrrt wurde ic. In Balfurush wurden noch 1866 unter der Anschrrldigung, die Cholera hervorgerufen zu haben, 18 Männer und 6 Frauen der dortigen jüdischen Gemeirrde verbrannt und in Maschud wrrrde gar die ganze Gemeinde zrun Uebertritt gezwungen oder getödtet, weil ein Jude zur Verspottung der Muhamedaner einen Hund geschlachtet haben sollte. Besser sind die Verhältnisse nur in Teheran und Bushire geworden, wo der Einfluß der europäischen Gesandten näher und mächtiger ist. Diese Situation unserer Brüder in Persien sollte ein Sporn für alle Diejenigen sein, die sich irgend welchen Einflusses auf die maßgebenden Kreise Persiens direkt oder durch Vermittelung hochgestellter Freunde erfreuen, den augenblicklichen Wechsel tu der Regierung zu benutzen, um die so unendlich traurige Lage der Juden daselbst zu verbessern. Als der Schah in den 7<>er Jahren in Wiesbaden weilte, besuchte ihn Dr. Lehmann b'rn, um für die Glaubensbrüder Fürsprache eiuzulegen. Längere Zeit hatten die Juden darnach auch Ruhe, doch scheint man sich des Fürsprechers in späteren Jahren nicht mehr erinnert zu haben. Vielleicht ist die Alliance israelite Universelle und Anglo Jewish Association in der Lage, von der jetzigen Situation mit Vortheil Gebrauch zu machen.

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