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Der Israelit · 1896-05-04 · Heft 35 (4.5.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 35 (4.5.1896)
Date
1896-05-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WWW _ < XXXVII. Jahrgang. /<-// M 85. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Audenlhum. Begründet von Vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 4. Mai 5656 (1896). Leitender Artikel. Zum Attentat in Aersien. Mainz, den 3. Mai. Ans Teheran kommt die Schreckensbotschaft, daß der Schah von Persien Rassr eddin ftnx va) von meuchlerischer Mörderhand gefallen, und daß sein Sohn, der 43jährige Prinz Muffaffcr eddin irza den Thron seiner Väter bestiegen hat. Dieses Ereigniß lenkt mehr als sonst unsere Blicke auf die überaus traurige Lage unserer Glaubensgenossen im fernen Osten und es ist unsere Pflicht darüber nachzudenken, wie der soeben ftattgehabte Regierungswechsel zu Gunsten unserer verfolgten und unterdrückten Brüder ausgenutzt werden kann. Kaum ein Jahr vergeht, ohne daß aus Persien ein Nothschrei unserer unglücklichen Brüder zu uns dringt, ohne daß wir wn Hilfe angesteht werden für die armen verfolgten Juden, die auf dem Hochland Irans in Persien unter dem Joche ihrer muhamedanischen Verfolger schmachten. Kein Jahr vergeht, ohne daß abermals ein Reisender, Missionär 2c. uns Kunde bringt, daß es den armen bedrängten Juden noch immer so schlecht geht wie früher. Ihre Lage ist fürchterlich, wohl kaum giebt es noch ein zweites Land in der Welt, in dem Juden so mißhandelt werden wie in Persien. Geschlagen, beschimpft und verachtet, verfolgt sogar von den Sklaven und den Kindern, wissen sie doch immer noch zu eristiren, fristen ihr Leben als Musikanten, Tänzer und Possenreiser, als Arbeiter bei der Zubereitung von Wein und Spiritus und als Hausirer, im günstigsten Falleals Gold- und Silberarbeiter. Ist irgendwo eine schmutzige Arbeit zu verrichten, so wird ein Jude damit beauftragt und wehe ihm, wenn er sich weigert. Das ist der Bericht, den ein Dr. Will zu feinem Buche, „Das Land des Löwen und der Sonne", gibt, auf Grund von Erfahrungen, die er während eines vieljährigen Aufenthaltes in Persien gemacht hat. In der That, außer Marocco dürfte kaum ein Land auf der Erde sein, in dem die Juden so vielerlei Entbehrungen und Bedrückungen ausgesetzt sind, als Persien und wir müssen uns nur wundern, daß noch immer Juden in diesem Reiche wohnen, welche diese Roth aushallen können, daß sie nicht vorziehen, auszuwandern aus diesem für sie so furchtbaren Lande. Es wird den Lesern des „Israelit" bekannt sein, daß vor einigen Jahren Schaaren flüchtender persischer Juden nach Jentsalem kamen, hier die Unterstützung der europäischen Glaubensgenossen fanden und mit Hilfe der im Westen gesammelten Summen in den Stand kamen, sich ein einigermaßen erträgliches Leben zu schaffen. Auch durch den Uebertritt retten sich manche schwächliche Elemente, besonders da ein Gesetz besteht, welches das Erbrecht der Juden in Frage stellt, während es dem zum Islam Uebertretenden seine Erbfähigkeit in vollem Maße gewährleistet. Trotz der Auswanderung und des Abfalles sind indessen immer noch zahlreiche Israeliten unter der Herrschaft des „Königs der Könige" von Persien und verdienen ob ihres Opfermuthes wohl, daß sich ihnen unser Interesse in vollem Maße zuwende. Kürzlich veröffentlichte ein Herr I. E. Budgitt Mechin wieder interessante Daten über einen Besuch, den er den Juden von Schiraz abgestaltet hat. Er fand ebenfalls ihre Lage unverändert schlecht und nur derjenigen der Juden in Marocco vergleichbar. Die Synagogen sind schmutzig, schlecht beleuchtet und nach jeder Richtung hin dürftig ausgestattet. Die Thorarollen, die aus Bagdad kommen, sind fast schmucklos, sie werden in einem inneren Raume aufbewahrt, der nur durch eine qualmende Lampe erhellt wird. Aus der Aermlichkeit der Synagogen, deren es in Schiraz 10 gibt, ist es leicht, den Schluß auf die Verhältnisse der ganzen Gemeinde zu ziehen und in der That zählt dieselbe unter ca. 3000 Seelen nur eine kleine Zahl 6—7, welche ein Vermögen

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